Der Ablauf der Marktwirtschaft.
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der beste Zustand (bester Weg) beziehen soll. Wir haben gesehen, daß die Wirtschaftlichkeit
(Produktivität) der Unternehmung in der Rentabilität (Verhältnis
des Gewinnes zum Kapital) zum Ausdruck kommt. So konnte Ricardo noch
■— nach der Idee der freien Marktwirtschaft — die privatwirtschaftliche Rentabilität
mit der volkswirtschaftlichen Produktivität (Wirtschaftlichkeit) gleichsetzen,
indem er meinte, daß das freie Spiel der Kräfte nicht nur dem einzelnen
Wirtschaftsbetrieb sondern zugleich auch der Gesamtwirtschaft den größten Erfolg
verbürge.
Zur Vermeidung von Mißverständnissen empfiehlt es sich daher, jeweils zu
vermerken, worauf sich die Produktivität (Wirtschaftlichkeit) beziehen soll. Neben
der Wirtschaftlichkeit der Unternehmung (Rentabilität) gibt es noch eine solche
des Betriebs (Betriebs-Wirtschaftlichkeit). Darüber hinaus gibt es eine gesamtwirtschaftliche
Wirtschaftlichkeit (Produktivität im herkömmlichen Sinne). Ihre
Ausdeutung ist von der Art und Zielsetzung abhängig, in der die Gesamtwirtschaft
verwirklicht werden soll. Ist diese Gesamtwirtschaft auf die Technisierung des
Gemeinschaftslebens eines Volkes abgestellt, so bleibt die gesamtwirtschaftliche
Wirtschaftlichkeit gleichsam im Technischen stecken, ist sie eine technische Produktivität.
Anders wenn als Ziel der Gesamtwirtschaft die Gemeinwirtschaft hingestellt
wird: dann ist Produktivität im Sinne einer gemeinwirtschaftlichen Wirtschaftlichkeit
aufzufassen. Die Gemeinwirtschaft erhält ihr Gepräge von denen,
die den Willen und die Macht haben, sie nach ihrer Vorstellung zu gestalten.
Da diese Stelle allein der Staat sein kann, so wird letztlich Ziel und Inhalt der
gemeinwirtschaftlichen Wirtschaftlichkeit vom Staat bestimmt. Wie die Produktivität
in diesem Sinne vom nationalsozialistischen Staat aufgefaßt wird, ist darzulegen
(III), wenn wir vorher Wesen und Verwirklichung der Gemeinwirtschaft
kennen gelernt haben.
II. Der Ablauf der Marktwirtschaft.
1. Wesen und Bedeutung. Die Konjunktur. Die Darstellung der Marktvorgängehat
ergeben, daß sich die auf dem Markt beruhende Gesamtwirtschaft in einer
ständigen Bewegung befindet, da die in ihr tätigen Kräfte bestrebt sind, den
soeben besprochenen Ausgleich herbeizuführen. Die einzelnen Wirtschaftsbetriebe
(und die sonst im Markt wirkenden Menschen) rufen durch ihre Maßnahmen immer
wieder neue Veränderungen in der Lage der Gesamtwirtschaft hervor, wie diese
selbst wieder auf die Maßnahmen der beteiligten Wirtschaftsbetriebe und Menschen
zurückwirken. Die Stellung der Wirtschaftsbetriebe zum Ablauf der Marktwirtschaft
wird im zweiten Buch AIII im einzelnen noch behandelt. Hier soll mehr
der Ablauf an sich, als eine wesentliche Eigentümlichkeit der Marktwirtschaft,
betrachtet werden.
Der Ablauf der Marktwirtschaft, im Sinne einer ständigen Bewegung von
Kräften und Ergebnissen, wird als Konjunktur (im weitesten Sinne des Wortes)
bezeichnet. Doch ist diese Erklärung des Wortes Konjunktur nicht allgemein
üblich. In einem anderen Sinne wird nämlich nur die jeweilige, aus dem Ringen
der verschiedenen Kräfte hervorgehende Gesamtmarktlage als Konjunktur bezeichnet,
also gewissermaßen das jeweilige Ergebnis der sich im Markt abspielenden
Vorgänge. Das Ergebnis ist natürlich selbst wieder einem ständigen Wechsel
unterworfen, mithin auch die hiernach benannte Konjunktur. (Spiethoff
übersetzt das Wort Konjunktur daher mit Wechsellage und spricht von Schwankungen
der Wechsellagen.) In diesem Sinne gibt es nicht nur eine Konjunktur als
Zustandserscheinung, sondern auch Konjunkturbewegungen und Konjunkturschwankungen
(während in dem eingangs erwähnten Sinne gerade diese Schwankungen
als Konjunktur bezeichnet werden).