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Die Gesamtwirtsohaft.
ektenmarkt, auseinandergelaufen, so daß sie an Voraussagewert stark verloren haben; sie
werden jetzt durch eine Zahl zusätzlicher Beobachtungen gestützt.
Das Deutsche Institut für Konjunkturforschung hat ein vielseitigeres, damit wohl feineres
aber auch schwerer zu durchschauendes System ausgebaut. Es stellt acht Barometer auf,
und zwar:
1. Produktion (aus Auftragseingang, Eohstoffeinfuhr, Produktion);
2. Beschäftigung (Produktionsmittel- und Verbrauchsgüterindustrie);
3. Lagerbewegung;
4. Außenhandel (als Barometer des Binnenmarktes);
5. Gesohäftsdispositionen (langfristige Kredite, Auftragseingang, Beschäftigung);
6. Kredit (Notenbankkredite,Wechselbeziehungen, Debitoren und Depositen, Emissionen).
7. Märkte (Effekten, Waren, Geldmarkt);
8. Warenpreise (wichtige Warenpreise, industrielle Rohstoffe und Halbwaren, industrielle
Fertigwaren im Großhandel, Einzelhandelspreise).
Wie man sieht, eine recht verschiedenartige Mischung, deren Auswertung nicht immer einfach
ist. Der einzelne Wirtsohaftsbetrieb pflegt sich deshalb häufig an einfachere, aber durchsichtigere
Vorgänge zu halten: Bisenverbrauch, Stromverbrauch, Kohlenverbrauch, Wagengestellung
der Reichsbahn, Kapitalanlagen, Zinsfuß usw., die ihm von einer großen Zahl
von Fachzeitschriften und Wirtschaftszeitungen kurzfristig zur Verfügung gestellt werden.
Daneben spielen andere Abhängigkeiten eine große Rolle, die im einzelnen Fall verschieden
sind, so z.B. f ür die Gummireifenindustrie der Absatz von Automobilen und die Entwicklung
des Kautsohukmarktes, für den Steinkohlenbergbau die Bautätigkeit (über Koks- und Eisenerzeugung),
für landwirtschaftliche Maschinen der Saatenstand oder die Getreidevorräte, für
die Süßwarenindustrie die Länge und Wärme des Sommers (für die Papierfabrikation die
Wahlkämpfe), für die Tuohindustrie die Mode, für die Möbelindustrie die Heiratsentwicklung.
Über alles dieses berichten täglich, wöchentlich, monatlich zahlreiche Fachblätter, Yeröffentlichungen
der Banken und großer Industriewerke, öffentliche Stellen (Statistische Ämter der
Länder und Städte). Als besonders aufschlußreich ist endlich in letzter Zeit für die allgemeine
Entwicklung die Zahl der Konkurse und Wechselproteste beachtet worden und nicht zuletzt
die Entwicklung des Steueraufkommens.
Aufgabe der Konjunkturbeobachtung ist, die Summe der wißbaren Umstände,
die zu einem bestimmten Konjunkturteil geführt haben, zu vervollständigen und
die Zahl der unwißbaren Umstände zu verringern. Doch ist eine Voraussage über
die weitere Entwicklung auf dieser Grundlage auch davon abhängig, wie es gelingt,
das Kräftespiel im Markt richtig einzubeziehen, eine schwierige Aufgabe, wenn man
bedenkt, daß hierbei nicht nur wirtschaftliche Erwägungen, sondern auch seelische
Triebkräfte der mitwirkenden Menschen eine große Rolle spielen. Werden
Voraussagen von öffentlichen Stellen angestellt und verlautbart, so kann dies leicht
zur Folge haben, daß alle Kräfte im Markt sich plötzlich auf die vorausgesagte
Entwicklung emsteilen, d. h. aber diese durch die einseitig einsetzenden Maßnahmen
über den Haufen geworfen wird -—■ es sei denn, daß auch die Folgewirkungen
von Voraussagen in die Voraussagen einbezogen worden sind.
4. Die Weltwirtschaftskrise 1931/33. Die Umgestaltung der deutschen Wirtschaft
durch Krieg und Inflation hat die Wiederherstellung des sonst üblichen Ablaufs
der Gesamtwirtschaft erschwert. In den Jahren 1924—1931 hat es natürlich
Konjunkturen gegeben, d. h. Wechsellagen, entstanden aus Bewegungsvorgängen
in der Wirtschaft. Aber schon äußerlich durch die Dauer, mehr aber noch in ihrem
inneren Ablauf unterscheiden sie sich wesentlich von ihren Vorgängern in der
Vorkriegszeit. Man zählte in der kurzen Zeitspanne von acht Jahren nicht weniger
als vier aufeinanderfolgende Konjunkturen, wobei über die Abgrenzung der einzelnen
Konjunkturen nicht unerhebliche Meinungsverschiedenheiten zutage getreten
sind. Gerade diese Zeit mit ihrer regelwidrigen Entwicklung hat den Boden
bereitet für die Erforschung der Konjunkturverhältnisse und für die Versuche,
wissenschaftlich begründete Vorhersagen über die Konjunktur aufzustellen — bis
die Weltwirtschaftskrise von 1931/32 kam, die zugleich den wahren Zustand der
deutschen Wirtschaft mit grausamer Deutlichkeit offenbarte.
Was bedeutete die Weltwirtschaftskrise 1 Rein äußerlich betrachtet, standen
in der ganzen Welt Millionen von Wirtschaftsbetrieben still; weitere Millionen von