Der Ablauf der Marktwirtschaft.
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Wirtschaftsbetrieben arbeiteten unter großen Schwierigkeiten und Verlusten an
Kapital weiter; unübersehbare Massen von Waren, insbesondere industrielle und
landwirtschaftliche Rohstoffe, waren trotz starken Rückgangs ihrer Preise
plötzlich unverkäuflich; die Wirtschaftsbetriebe und sonstige Schuldner hatten
unter der Last hoher Schulden zu leiden, die um so drückender waren, je tiefer die
Preise sanken und je mehr die Waren unverkäuflich blieben. Auf der anderen
Seite zählte man über 100 Millionen Menschen, die aus ihren Betrieben, Stellungen,
Berufen vertrieben waren und zum großen Teil (in Deutschland über 6 Milhonen)
die Unterstützung durch die Gesamtheit in Anspruch nehmen mußten; Milliarden
von Forderungen, Krediten und Anleihen waren uneinbringlich geworden; Währungen
entwerteten sich oder sind künstlich entwertet worden; der Außenhandel
ist in fast allen Ländern, in Deutschland auf 1 / 5 -—V 6 seines früheren Umfangs, zusammengeschrumpft.
Die Bitterkeit der brotlos gewordenen Menschen steigerte
sich im Verlaufe der Krise angesichts der Tatsache, daß man ■— um die Läger zu
räumen •— große Mengen von Lebensmitteln und anderen Dingen vernichtete,
weil man sie nicht dem Verbrauch zuführen konnte.
Ist dies alles noch Wirtschaft ? Sind das noch Phasen einer Konjunkturentwicklung
? Die Ohnmacht der Wirtschafter, der Verbände sowie der Regierungen,
dieser Sinnlosigkeit Einhalt zu tun, mußte natürlich das Vertrauen zu allem Bestehenden
untergraben und schließlich die letzten Grundlagen, auf denen sich das
Gemeinschaftsleben des Volkes auf baut, den Staat, zum Wanken bringen, bis neue
Kräfte kamen, die die Führung in Staat und Wirtschaft beanspruchen.
Mehr als die Feststellung der äußeren Erscheinungen hat die Auf zeigung der Ursachen
der gewaltigsten aller Krisen und ihre Beurteilung Schwierigkeiten gemacht.
So sehen die einen den Mangel an Gold, die anderen ein Zuviel von Gold (zum
mindesten in einzelnen Ländern) als Hauptursache der Krise an. Nicht wenige
führen die Krise auf die (bewußte oder unbewußte) Einschränkung der Kreditgewährung
zurück; andere wieder behaupten, daß eine hemmungslose Kreditausweitung
an allem Unheil schuld sei. Endlich wird die Auffassung vertreten,
daß lediglich eine — der üblichen ■— Ubererzeugung von Gütern vorliege, während
demgegenüber andere Stimmen darauf hinweisen, daß ein noch nie dagewesener
Unterverbrauch festzustellen sei, da Milhonen von Menschen trotz riesiger Warenvorräte
kaum über das Nötigste zum Leben verfügten. Also Meinung gegen Meinung
und von Land zu Land, nicht zum geringsten in Deutschland, wo als eine
Sonderursaehe die einseitige Last der Reparationen hinzutrat, die die wahren
Vorgänge weiter zu verschleiern drohte.
Angesichts dieser großen Zahl sich widersprechender Krisenursachen kann es
nicht wundernehmen, wenn ebenso viele •— oder noch mehr •— Vorschläge zur
Behebung der Krise und ihrer Folgen gemacht werden: von der Änderung der
Währung über die Umgestaltung der Handelspolitik und Einführung von Planwirtschaften
bis zu den Bestrebungen der völligen Abschließung der einzelnen
Volkswirtschaften (Autarkie), nicht zu vergessen die Vorschläge zur Abwertung
oder Streichung aller Schulden (Staatsbankrotte). Es erübrigt sich, auf die Vorschläge
im einzelnen einzugehen, zumal die Ereignisse in den einzelnen Ländern
mittlerweile mehr oder weniger über sie hinweggegangen sind. Immerhin muß
vermerkt werden, daß aus dem Umstand, daß es in Wirklichkeit nicht eine, sondern
eine Reihe von Ursachen gibt, die die Krise heraufbeschworen haben, und daß es
kaum möglich ist, den Vorrang und die Reihenfolge der einzelnen Ursachen genau
zu bestimmen, •— daß aus diesen Schwierigkeiten sowohl die Meinungsverschiedenheiten
über die Ursachen der Krise als auch über die einzuschlagenden Mittel zu
ihrer Behebung erklärt werden können . . .
Die Entstehung der Weltwirtschaftskrise ist auf das Zusammenwirken von fol