Gesamtwirtschaft und Staat.
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III. Gesamtwirtschaft und Staat.
1. Die Gemeinwirtschaft. Der Marktwirtschaft, wie sie sich im letzten Jahrhundert
entwickelt hat (nach dem Vorbild von Sombart; Kapitalismus genannt),
wird zum Vorwurf gemacht, daß sie eine ungleichmäßige Verteilung der
Güter (Geldeinkommen) bewirke, eine große Masse unselbständiger Lohnarbeiter
wenigen, gut bezahlten Unternehmern gegenüberstelle, dadurch die
Klassenunterschiede verschärfe und daß sie, wie die Erfahrung zeige, nicht die
beste Ordnung der Güterherstellung und des Verbrauchs herbeigeführt habe. Im
Gegenteil: der Kapitalismus habe die Krisen verschärft, die zeitweilige und dauernde
Arbeitslosigkeit verstärkt und die Kapitalfehlleitungen begünstigt. Seine
Gegner geben zu, daß der Kapitalismus zwar eine große Entfaltung der Wirtschaft
und Steigerung ihres sachlichen Ertrages bewirkt habe, aber die in seinem
Gefolge auftretenden Nachteile seien so groß, daß seine Ersetzung durch eine
andere Ordnung des Wirtschaftsvollzugs angestrebt werden müsse. Diese Notwendigkeit
ergebe sich auch insbesondere angesichts der Tatsache, daß es dem
Kapitalismus nicht möglich gewesen sei, die Menschheit (in allen Ländern) aus
der furchtbaren Wirtschaftskrise 1931/32 zu erlösen. Aus diesen Überlegungen
heraus ist das Schlagwort vom bevorstehenden Ende des Kapitalismus aufgekommen.
Dem Kapitalismus wird grundsätzlich die Gemeinwirtschaft gegenübergestellt.
Das soll soviel heißen, daß an Stelle des Gewinnstrebens um jeden Preis als ordnendes
Prinzip der Gesamtwirtschaft das gemeinwirtschaftliche Wohl treten
soll. Wir haben gesehen, daß es nicht leicht ist, eine eindeutige Bestimmung dessen
zu geben, was als gemeinwirtschaftlicher Nutzen zu gelten habe. Doch wird in
der vorstehenden Gegenüberstellung meist nur daran gedacht, daß es auf die beste
Bedarfsdeckung in der Gesamtwirtschaft ankommen und das Gewinnstreben dahinter
zurüoktreten soll. (Über die Ungenauigkeit, die noch in dieser Gegenüberstellung
liegt, nämlich daß auch dem Kapitalismus als letztes Ziel die Bedarfsdeckung
innewohnt, wollen wir hinwegsehen.)
Auf die Möglichkeiten, Zielsetzungen und Gestaltungen, die der Idee der Gemeinwirtschaft
zugrunde liegen oder gelegt werden, wollen wir nicht näher eingehen
(eine gute Übersicht findet sich bei v. Zwiedineck). Im Zuge unserer
Darstellung vom Aufbau und Ablauf der Gesamtwirtschaft (und soweit es für den
einzelnen Wirtschaftsbetrieb wissenswert ist), sei nur das folgende hervorgehoben.
Eine vollkommene Ausschaltung des Marktes und der Preisbildung wie auch der
Berücksichtigung des Kostenprinzips würde eine Verteilung der Güter und eine
entsprechende Planmäßigkeit in der Güterherstellung zur Voraussetzung haben.
Diese Idee liegt z. B. dem Kommunismus zugrunde; wie die Verteilung und
noch mehr wie die Güterherstellung im einzelnen vor sich gehen soll, wird nicht
näher gesagt. Auch in den übrigen Fällen der Verwirklichung der Gemeinwirtschaft
soll in irgendeiner Weise planmäßig vorgegangen werden. Daraus
ist die Bezeichnung Planwirtschaft entstanden, die ohne nähere Erläuterung,
worauf sich die Planung bezieht, vielen Mißdeutungen ausgesetzt ist. So kann der
Einwand gemacht werden, daß — wie wir in A gesehen haben •— jeder Wirtschaft
ein Plan zugrunde liegt, nach dem die Wirtschaft betrieben wird; wir können hinzufügen,
daß auch der Verbraucher hinsichtlich der Verwendung seines Geldeinkommens
einen Plan aufstellt, also in diesem Sinne in der kapitalistischen Marktwirtschaft
planmäßig gewirtschaftet wird.
Mit dem Ausdruck Planwirtschaft ist jedoch etwas anderes gemeint: ein Plan
nämlich, der die Regelung der Gesamtwirtschaft umfaßt. Wenn man nicht die
Bedürfnisse der Bevölkerung und die Möglichkeiten ihrer Befriedigung festlegen