86
Die Arten und Formen der Wirtschaftsbetriebe.
ist der starke Einfluß der technischen Entwicklung auf die Gestalt der Wirtsohaftsbetriebe
hervorzuheben. Die Wirtschaftsbetriebe z. B. des Bergbaus sind ihrer
Natur nach zunächst eingliedrig, bei steigender Betriebsgröße werden sie im
Abbau mehrgliedrig: Ein Unternehmen umfaßt mehrere Zechenanlagen. Aber die
technische Entwicklung geht weiter zur Zentralschachtanlage, indem nur die Förderung
dezentralistisch bleibt, die gewonnenen Stoffe über Tage in einer Zentralaufbereitung
und Zentralkokerei weiterverarbeitet werden. Die neueste Entwicklung
in dieser Reihe ist das Verbundbergwerk, eine Anlage, bei der sämtliche
Materiahen unter Tage an einen Punkt befördert und von dort über Tag gehoben
werden, wo die Aufbereitungs- und Weiterverarbeitungsbetriebe sowie die Anlagen
für die Krafterzeugung und die Werkstätten stehen.
Der industrielle Großbetrieb neigt infolge seiner Kostenvorteile durch bessere
Ausnutzung technischer Bedingungen (Kraft, Wärme, Transporte, Maschinenbesetzung,
Fließ-, Serien- oder Massenfertigung usw.) stark zur Zentralisation.
Anderseits wirken Arbeiter- und soziale Fragen meist entgegengesetzt (Arbeiterstamm,
Werksaussiedlungen, Umgehung örtlicher Streiks usw.). Auch die große
Unübersichtlichkeit des Großbetriebes, die Einförmigkeit in der Kundenbearbeitung,
die Schwierigkeiten in der finanziellen Überwachung wie der Aufsicht
und Kontrolle überhaupt sprechen mehr für eine Aufgliederung (Vereinigte
Stahlwerke). Der Gesichtspunkt der Verbreiterung der Kundschaft spielt natürlich
auch bei Industriebetrieben eine Rolle, indem eigene Verkaufsstellen
eingerichtet werden. International werden Tochterwerke in den einzelnen Staaten
gebildet, wobei in der Hauptsache den nationalen Forderungen nach heimischen
Produkten entgegenzukommen versucht wird.
Die Frage der Dezentralisation ist häufig eng mit der Integration verknüpft.
Automobilfabriken unterhalten besondere Fabriken für Zubehörteile oder Bereifung
oder Karosserien, oder eine Fahrradfabrik stellt in besonderen Fabriken
den Rahmen und das Fahr- und Tretwerk her. Hüttenwerke haben ihre eigenen
Betriebe zur Herstellung von Hütten- und Walzwerkseinrichtungen. Maschinenfabriken
gliedern sich in mehrere örtlich verteilt liegende Werke auf verschiedene
Fabrikate zur Verbesserung des Produkts und des Namens, denen dann
häufig sogar eine eigene Rechtspersönlichkeit und Firma gegeben wird.
4. Konzentration. Das Wort Konzentration, übersetzt mit Zusammenballung,
wird nach Sombart in verschiedenem Sinne gebraucht: 1. für den Großbetrieb
schlechthin, indem hier Kapital, Arbeiter, Leistungen im großem zusammengefaßt
sind; 2. für die Tatsache, daß die Zunahme der Gesamtwirtschaft
(von einer gegebenen Größe an) auf den Großbetrieb entfällt, ohne daß die Kleinund
Mittelbetriebe in ihrem Bestände wesentlich verändert werden; 3. im eigentlichen
Sinne, wenn die Entwicklung zum Großbetrieb auf Kosten der kleineren und
mittleren Betriebe geht, einerlei, ob eine Gesamtzunahme der Wirtschaftstätigkeit
stattgefunden hat oder nicht. Die Folgerungen, die sich aus der Konzentrationsentwicklung
für die Gesamtheit (Wirtschaft, Haushalt, Sozialpolitik,
Volkstum) ergehen, sind hier nicht weiter zu verfolgen. In unserer Darstellung
setzen wir Konzentration (Zusammenballung) der Entwicklung zum Großbetrieb
gleich.
Es bleibt nur der Hinweis, daß man zwischen einer Betriebskonzentration und
einer Unternehmungskonzentration zu unterscheiden hat: Unter Betriebskonzentration
ist die örtliche und sachliche Zusammenballung der betrieblichen
Arbeit technischer oder kaufmännischer Art zu verstehen; entweder werden
hierbei mehrere Fabrikationsarten vereinigt, oder es wird der Betrieb auf einige
wenige Herstellungsverfahren zusammengefaßt. Im engen Zusammenhang mit
der Betriebskonzentration stehen die Normalisierungs- und Typisierungsbestre