Full text : Der Wirtschaftsbetrieb als Betrieb (Arbeit)

A.  Die  Grundlagen.
I.  Die  Aufgabe.
1.  Der  Wirtschaftsbetrieb  als  Betrieb.  Wir  haben  die  Wirtschaft  als  die  auf  die
Bereitstellung  von  Gütern  gerichtete  menschliche  Tätigkeit  erklärt.  Die  Güter
sollen  der  Befriedigung  menschlicher  Bedürfnisse  dienen.  Die  Überlegungen,
welche  Bedürfnisse  befriedigt  werden  sollen,  welche  Mittel  für  die  Bedürfnisbefriedigung ­
  in  Betracht  kommen,  welche  Aufwendungen  für  die  Beschaffung  der
Güter  gemacht  werden  müssen,  und  ob  der  erzielte  Nutzen  den  Aufwendungen
entspricht  -—  alles  dieses  haben  wir  als  die  Aufgabe  der  Wirtschaft  erkannt.  Sie
nimmt  in  der  kapitalistischen  Unternehmung  das  Merkmal  der  Rechenhaftigkeit
an,  sieht  alles  in  Geld  und  Kapital,  wie  es  ausführlich  im  2.  Buch  dargestellt  worden ­
  ist.  Demgegenüber  stellt  der  Betrieb  die  planmäßige  Gestaltung  und  Durchführung ­
  dieser  (Wirtschafts-)  Tätigkeit  dar.  Wirtschaftsbetrieb  als  Betrieb  heißt
also:  den  Wirtschaftsbetrieb  gesehen  als  Betrieb,  als  Vollzug  der  als  Wirtschaft
geplanten  und  gewollten  Tätigkeit.  Betrieb  ist  hier  also  nicht  im  technischen
(naturwissenschaftlichen)  Sinne  gemeint,  ist  nicht  gleichbedeutend  mit  Werkstatt
oder  Fabrik  (im  Sinne  der  Techniker),  sondern  bezieht  sich  auf  die  gesamte  Wirtschaftstätigkeit, ­
  die  sich  die  Aufgabe  stellt,  Güter  für  menschliche  Bedürfnisse
bereitzustellen.  Betrieb  ist  das  Gegenstück  zur  Wirtschaft  oder,  wie  im  1.  Buch
zu  lesen  ist:  Wirtschaft  und  Betrieb  sind  zwei  verschiedene  Seiten  ein  und  derselben ­
  Sache  (Münze),  eben  des  Wirtschaftsbetriebs.  Demzufolge  lehnen  wir  die
Gleichsetzung  von  Wirtschaft  (Unternehmung)  und  Betrieb,  wie  auch  die  Wortbildung: ­
  Betriebswirtschaft  ab.  Es  gibt  nur  einen  Wirtschaftsbetrieb,  der  uns  in
dieser  Einheit  entgegentritt,  und  den  wir  aus  wissenschaftlich-lehrmäßigen  Gründen ­
  in  eine  Zweiheit  gedanklich  aufteilen  müssen,  wenn  wir  sein  Sein  und  Wollen
befriedigend  erkennen  und  deuten  wollen.
Der  Wirtschaftsbetrieb  als  Betrieb  schließt  die  eigentliche  (naturwissenschaftliche) ­
  Technik  in  sich  ein:  beim  Hochofenbetrieb  das  Schmelzen  der  Erze,  bei  der
Maschinenfabrik  die  Anfertigung  der  einzelnen  Teile  und  ihre  Zusammensetzung
zur  Maschine.  Das  vorliegende  Buch  will  sich  nicht  mit  dieser  Technik  beschäftigen,
  läßt  also  die  (naturwissenschaftliche)  Technik  außer  Betracht;  es  findet  eine
bewußte  Beschränkung  auf  die  kaufmännische  Seite  des  Wirtschaftsbetriebes
statt  (vgl.  1.  Buch  D).  Doch  schließt  diese  Abgrenzung  nicht  aus,  daß  der  Technik
gelegentlich  gedacht  wird;  sie  greift  sogar  häufig  so  weit  in  die  kaufmännische
Gestaltung  ein,  daß  letztere  nicht  ohne  die  Technik  erklärt  und  verstanden  werden
kann.
Das  Wort:  Technik  zwingt  uns,  an  dieser  Stelle  noch  einmal  darauf  hinzuweisen  (vgl.
1  ■  Buch  A),  daß  man  von  Technik  auch  im  Sinne  von  Verfahrensweisen  spricht:  wie  irgendeine
Tätigkeit  ausgeübt  wird  (Technik  des  Malens,  Technik  der  Buchhaltung).  Der  Wirtschaftsbetrieb ­
  als  Betrieb  hat  es  mit  dem  „Wie“  der  Wirtschaftstätigkeit  zu  tun-  So  kommt  es,  daß
man  von  der  Technik  des  Wirtschaftsbetriebes  oder  von  der  Technik  der  Wirtschaft  schlechthin ­
  spricht,  wenn  man  den  Wirtschaftsbetrieb  als  Betrieb  meint.  Diese  Anwendung  des  erweiterten ­
  (oder  ursprünglichen!)  Begriffes  Technik  ist  logisch  durchaus  möglich;  wir  können
ihr  jedoch  aus  zwei  Gründen  nicht  folgen:  erstens  wird  das  Darstellungsfeld  von  vornherein
Prion,  Die  Lehre  vom  Wirtschaitsbetrieb.  III.  1
            
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