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Die organisatorische Auswahl.
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waltungsgebäude der Abteilung Dortmunder Union der Vereinigten Stahlwerke ziert: „Es
lobt den Mann die Arbeit und die Tat“ 1 .
Daß die Wirtschaftlichkeit bei den Ausbildungsfragen stark mitspricht, zeigen
die verschiedenen Auffassungen über die Frage der produktiven und unproduktiven
Lehrzeit. Es scheint, als ob im allgemeinen der Lohnausgleich den Aufwand
aufwiegt, was auch aus der Begründung der Ausdehnung der Lehrzeit auf 4 Jahre
bei Humboldt-Deutz A.-G. gefolgert werden muß: . . daß der Lehrling zwar in
zwei Jahren alles für seinen Beruf Erforderliche gelernt haben kann, daß er aber
erst in den letzten zwei Jahren die dem Werk aus seiner Ausbildung erwachsenen
Kosten wieder einbringen und kompensieren kann 1 2 .“
Die Erziehung des nicht mehr schulpflichtigen Personals stößt allerdings zuweilen
auf Schwierigkeiten, die einmal in der fehlenden Zeit und dann — in der
hinter uns liegenden Jahren — in einem gewissen Mißtrauen der Betriebsangehörigen
gegenüber allen von Unternehmern zur Verfügung gestellten Kultur- und Bildungseinrichtungen
3 beruhen. Alle unternehmerischen Bestrebungen in dieser
Hinsicht wurden früher von den Arbeitern und Angestellten auf das Konto der
Rentabilitätssteigerung oder das Leitwort It pays zurückgeführt. So blieben im
wesentlichen nur schriftliche und mündliche Dienst- und Verwaltungsanweisungen
übrig, Lehrmittel und Lehrgänge 4 , Ausstellungen oder sonstige Anregungen des
Ehrgeizes (Zettelkasten usw.). Bei Angestellten ist die Durchführung von besonderen
Kursen schon eher möglich, da ihre Vorbildung und Denkrichtung eine
weniger passive Haltung bedingen.
Neben der eigentlichen fachlichen Weiterbildung wird neuerdings vor allem
die Vorgesetztenkunst gepflegt, da man erkannte, daß erhebliche Betriebsstörungen
durch schlechte Menschenführung hervorgerufen werden können. Hier
hat sich seit langem, insbesondere auf dem Gebiet der Schwerindustrie und Eisenverarbeitung,
Professor Friedrich hervorgetan, der eine große Zahl von Vorträgen
und Bücher über Menschenführung herausgegehen hat und in Schulungskursen
seine Wissenschaft der Praxis unmittelbar darbietet. Friedrich hat diese
Kurse neuerdings in Clausthal für Bergleute durchgeführt. Die mit der Menschenführung
im Bergbau betrauten Personen werden in mehrwöchigen Lehrgängen von
ihm charakterlich und willensmäßig im Hinblick auf seine Zielsetzung zu beeinflussen
versucht. Eine Verbindung beider Ziele der Fachausbildung und Menschenführung
stellen die Führerschulungskurse in den Betrieben dar, wie sie beispielsweise
in Frankfurt an der Universität für alle deutsche Banken gemeinsam, oder
aber von den einzelnen Betrieben (Opel) selbst eingerichtet wurden.
Die Personalerziehung im Sinne der Gemeinschaftsarbeit ist eine wesentliche
Aufgabe organisatorischer Auswahl. Hier schneiden sich betriebliche und überbetriebliche
Zielsetzungen, bis in die Sphäre der Religion, der Philosophie, der
Kunst und Volksbildung (Theater, Film, Literatur) gehen die Ausstrahlungen.
Sie werden jetzt zusammengefaßt durch die Deutsche Arbeitsfront und die NS-Gemeinschaft
„Kraft durch Freude“, die den einzelnen Betrieben Richtlinien und
Unterstützung bei diesen Fragen geben und die Lösung auf der Grundlage der
1 S. hierzu auch: Dreyfuß: Beruf und Ideologie der Angestellten. Auf dieses Buch, das
mit einer geradezu unglaublichen Einseitigkeit das Thema behandelt, soll hier ganz besonders
hingewiesen werden. Jeder UnternehmungJeiter und Personalchef sollte es lesen, damit er
einen Begriff davon bekommt, wie auch die bestgemeinten Maßnahmen verfälscht und verbogen
werden: ein typisches und hoffentlich lehrreiches Beispiel dafür, daß die Pflege der
Ideologie vom Betriebe aus ohne Hilfe von außen nicht geleistet werden kann!
2 RKW-Veröff. Nr. 87, S. 111.
3 Vgl. z. B. Zeitschrift für Waren- und Kaufhäuser 1928, Nr. 1, S. 10 und vor allem das
soeben angeführte Werk von Dreyfuß; ferner die Arbeit von Geck: Die sozialen Arbeitsverhältnisse
im Wandel der Zeit.
4 Datsch-Lehrmittelzentrale; Verkaufstechnik bei Leiser, Berlin 1930, u. a. m.
Prion, Die Lehre vom Wirtschaftsbetrieb. III. 9
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