D. Ricardo,
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werde — man erkennt die reine Theorie Benthams, der zu-
folge alle Menschen egoistisch sind, die Gebote von Pflicht
und Ehre nichts helfen, und nur die beständige Controle der
Vielen den Egoismus der Wenigen bändigen kann, Allein
Bentham war consequent und schwärmte ehrlich für allgemeines
Wahlrecht, für volle politische Gleichheit Aller, Anders Ri-
cardo in seiner capitalistischen Weisheit.
Der wahre Grundstein des allgemeinen Glücks ist ihm
die Heilighaltung des Eigenthums, die vortheilhafteste Verthei-
lung des Capitals, die Sicherheit des Besitzes in der Aussicht
«uf steigenden Reichthum. Zwar können nur die Allerärmsten
einen Angriff auf das Eigenthum für ihr Interesse halten,
aber „wenn zugestanden wird, dass diejenigen, welche das
Recht des Eigenthums sicher heilig halten, eine Stimme bei
der Wahl der Volksvertreter haben sollen, so ist das Princip,
für das die Reformer kämpfen, gewahrt. — Ihre Forderung
ist nur die einer guten Regierung, und als ein Mittel dazu
verlangen sie, dass die Macht, Parlamentsmitglieder zu wählen,
nur solchen gegeben werde, die keine Interessen haben, welche
denen einer guten Regierung entgegengesetzt sein könnten.
— Das allgemeine Wahlrecht wird von seinen Vertretern
nicht als ein Endzweck, sondern als ein Mittel zur guten Re-
gierung verlangt. Gebt ihnen die gute Regierung, oder gebt
ihnen die Ueberzeuguug, dass ihr gute Regierung ernstlich
schaffen wollt, und sie werden zufrieden sein; wenn ihr auch
nicht so rasch vorwärts geht, wie sie es für vortheilhaft halten.
— Meine Meinung räth zur Vorsicht und deshalb beklage
ich es, dass so viel über allgemeines Wahlrecht ge-
sprochen wird, Ich bin überzeugt, dass eine Ausdehnung des
Wahlrechts und nicht, das allgemeine Wahlrecht dem Volke
im Wesentlichen die gewünschte gute Regierung sichern wird,
And deshalb bin ich gegen das Postulat des allgemeinen Wahl-
rechts; gleichzeitig habe ich das feste Vertrauen, dass die
Wirkung der mir genügend scheinenden Maassregel so wohl-
thätig sein, so rasch die Bildung des Volkes heben würde,
dass man in kurzer Zeit nach der ersten Reform mit vollster
Sicherheit das Wahlrecht auf alle Stände ausdehnen könnte.“