Full text : Der Wirtschaftsbetrieb als Betrieb (Arbeit)

Die  Organisation.

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b)  Die  gleichzeitige  oder  zeitlich  geschachtelte  Durchführung  vieler  einzelner
Aufgaben  durch  viele  Stellen  macht  eine  Planung  über  sehr  große  Mengen  und
sehr  lange  Zeiträume  im  voraus  nötig.  Dadurch  ist  ein  Abstoppen  von  Anweisungen ­
  bei  veränderten  Verhältnissen  häufig  nicht  mehr  möglich,  weil  sonst  vorgetane
Arbeit  und  vorbestelltes  Material  in  großem  Umfang  hinfällig  würden,  außerdem
auch  eine  Kontrolle  nur  unter  großen  sachlichen  und  persönlichen  Schwierigkeiten
möglich  ist.
c)  Die  sachliche  Gliederung  der  Aufgaben  macht  auch  eine  Gliederung  der  Verantwortung ­
  erforderlich;  diese  wirkt  sich  leicht  in  ungesunder  Weise  zu  einer  Verantwortungs-Splitterung ­
  aus,  welche  nur  durch  sehr  straffe  Anweisungen  und
scharfe  Begrenzung  der  Befugnisse  seitens  der  Gesamtleitung  zurückgedämmt
werden  kann,  was  jedoch  neue  Schwierigkeiten  zur  Erhaltung  der  Betriebseinheit
zur  Folge  hat.
d)  Andererseits  führt  aber  auch  die  Aufgabengliederung  und  das  durch  sie
hervorgerufene  Anwachsen  von  Sonderkenntnissen  notwendig  zu  einer  Steigerung
der  persönlichen  Leitungsmacht  solcher  Gliedbetriebe 1 .  Es  kommt  zu  einem  gewissen ­
  Drang  nach  Selbständigkeit  und  Eigenleben  der  einzelnen  Abteilungen  und
Stellen  mit  dem  Bestreben,  möglichst  viele  Verantwortungsbereiche  in  weitem
Umfang  selbst  zu  beherrschen;  die  Einheit  und  Geschlossenheit  der  Betriebsführung ­
  wird  dadurch  erheblich  behindert  und  vermindert.
e)  Diese  Geschlossenheit  wird  aber  ebenso  gestört  von  der  Seite  der  Ausführenden ­
  selbst,  welche  durch  die  Erledigung  einer  untergeordneten  Teilaufgabe  den
Überblick  über  den  Gesamtbetrieb  verlieren.
f)  Wenn  zudem  Geschicklichkeit  als  die  Fähigkeit  des  Zusammenfügens
(Nicklisch)  angesehen  wird,  so  macht  die  Aufgabengliederung  ungeschickt  und
einseitig,  eine  Tatsache,  die  bei  vielen  Spezialisten  in  den  Betrieben  beobachtet
werden  kann 2 .
g)  Durch  die  Ausschaltung  aller  überflüssigen  Wege  fallen  aber  auch  die
natürlichen  Ruhepausen  weg,  die  dann  durch  künstliche  ersetzt  werden  müssen.
h)  Endlich  ist  auch  die  seelische  Wirkung  der  fortdauernd  gleichen  und  anregungslosen ­
  Arbeit  nicht  zu  verkennen.  Die  Ausschaltung  jeder  Denkarbeit  und
Selbständigkeit  in  den  unteren  Arbeitsstellen  und  das  Fehlen  jeden  Zusammenhanges ­
  mit  den  endgültigen  Zwecken  des  Betriebes  oder  der  jeweiligen  Gesamtaufgabe ­
  bringt  Unlust  und  Widerspruch  mit  sich,  welche  auch  nicht  durch  theoretische ­
  Erklärungen  und  moralethische  und  gefühlvolle  Erläuterungen  über  den
tiefen  Sinn  oder  die  große  Wichtigkeit  des  jeweils  in  steter  Einförmigkeit  zu  erledigenden ­
  Handgriffs  behoben  werden  können 3 .  Wer  von  früh  bis  abends  gleichmäßig ­
  Schriftstück  nach  Schriftstück  für  die  Hollerithmaschine  locht,  Rolle  für
Rolle  des  Diktaphons  abhört  und  überträgt,  vorgedruckte  Schemabriefe  mit  einförmigen ­
  Zahlen  und  sonstigen  Angaben  versieht,  wer  Posten  auf  Posten  in  die
Maschine  tippend  verbucht  oder  bei  fortdauerndem  Maschinengesurr  Vordruck
nach  Vordruck  in  die  Umdruckapparatur  einlegt  und  nach  Perforierungen  zerteilt,
wer  in  steter  Einförmigkeit  Kundenabrufe  in  besonders  vorbereitete  Vordrucke
überträgt  oder  Aufträge  beziffert  und  einträgt,  wer  in  der  Werkstatt  Tag  für  Tag
Stäbchen,  einmal  links,  einmal  rechts,  in  die  ununterbrochen  laufende  Presse  einschiebt, ­
  wer  fortdauernd  kleine  Spulen  wickelt,  Muttern  anzieht,  Stifte  einpaßt,
Kugeln  sortiert,  wer  sein  Leben  lang  Löcher  bohrt  oder  stanzt,  die  Nietmaschine
drückt  oder  den  Punktschweißapparat  bedient,  dem  leuchten  solche  Erörterungen
nicht  mehr  ein.  Vor  allem  dann  nicht,  wenn  seine  Verrichtungen  stets  dem  gleichen ­
  Gegenstand  gelten,  und  wenn  die  Arbeit,  was  fast  immer  der  Fall  ist,  im
1  Gerhardt:  S.  56.  2  Nicklisch:  Wirtschaftliche  Betriebslehre,  S.  83.
3  Siehe  hierzu  das  umfangreiche  Schrifttum  über  Monotonie  und  Arbeitsfreude.
            
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