Die Aufgabengliederung.
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Akkord ausgeführt werden muß und keine Entspannung und nur geringe Pausen
erlaubt. Jede Einzelarbeit, wie Feilen, Drehen, Kleben, Schreiben, Lochen usw.,
ist an sich sinnlos und „Lohnschufterei“ 1 . Erst die Eingliederung des Einzelnen
durch sein Zusammenwirken an einem gemeinsamen Ziel zu der von der Volks
gemeinschaft abgeleiteten Betriebsgemeinschaft und der Gedanke der Dienst
pflicht am Ganzen kann dieser Arbeit einen Sinn geben (vgl. A II).
Alle diese augenfälligen und tiefgreifenden Vor- und Nachteile sind jedoch im
Grunde mm unvermeidliche Nebenwirkungen der Aufgabengliederung und können
nur gemildert, aber nicht völlig abgestellt werden. Das Wesen der Aufgaben
gliederung und die letzte Ursache ist in folgenden Vorgängen zu suchen:
a) Erst die bis ins einzelne gehende Zerlegung der Aufgaben in die Grundvorgänge
und Arbeitstakte läßt eine planmäßige Untersuchung der Einzelheiten jeder Arbeit
zu und schafft so die Unterlage für die Ausmerzung aller Schwächen und Fehler
in den einzelnen Arbeitsgängen und der Art ihrer Durchführung, sowie die Mög
lichkeit zu grundlegenden Verbesserungen, Ersparnissen, Beschleunigungen usw.
h) Die Aufgabengliederung gibt nicht nur die Veranlassung zu einer schärferen
Anpassung der zur Verfügung stehenden Menschen und ihrer Fähigkeiten an die
zu zerlegenden Aufgaben und somit auch zu einer eingehenderen Untersuchung
der Befähigungen körperlicher und geistiger Art, ihrer Kenntnisse und Charakter
eigenschaften, sondern sie gibt auch erst die Möglichkeit dazu.
c) Daraus folgt das Bestreben und die Notwendigkeit, den rechten Mann an den
rechten Platz zu stellen, jedem Menschen die ihm am besten passende Aufgabe
zuzuweisen und diese Aufgabe so zu formen und zu gestalten, daß ihre Erledigung
durch den Bearbeiter ein Optimum an Menge, Güte und Schnelligkeit ergibt, ohne
die menschlichen Eigenarten dabei zu vergewaltigen. Nur durch die Gliederung
der Aufgaben und der entsprechenden Wissensgebiete war eine so weitgehende An
reicherung von Kenntnissen bei einzelnen Personen möglich, daß den gesteigerten
Anforderungen entsprochen werden konnte.
3. Die Bestimmungsgründe der Aufgabengliederung. Eine nähere Betrachtung
der Bestimmungsgründe der Aufgabengliederung zeigt, daß die Gliederungsgrade
und -stufen sehr verschieden sind und auch die Merkmale, welche der Gliederung
zugrunde liegen, unterschiedlich und wechselnd sind. Nie geht die Gliederung
nach starren Grundsätzen vor sich, sondern sie richtet sich immer nach den Ver
hältnissen des Betriebes selbst, nach dem Geschäftszweig, nach der Art des Er
zeugnisses und der Herstellung, dem Verkaufsprodukt, den beschäftigten Per
sonen, der Betriebsgröße usw.
Am häufigsten gebräuchlich sind die Gliederungen nach den Merkmalen des
Objekts und der ArbeitsVerrichtung. Nordsieck bezeichnet sie als „logische
Prinzipien“ der Äufgabengliederung 1 2 . Diese Bezeichnung liegt in der Tat nahe,
da jede Aufgabe bis ins kleinste einer Unterteilung auf das Objekt und die an ihm
erforderliche Verrichtung zugänglich ist. Es wäre demnach durchaus denkbar,
die Gesamtaufgabe des Betriebes nach einzelnen Objekten und die an diesen vorzu
nehmenden Verrichtungen bis zum letzten Arbeitselement (abgeschlossener Be-
wegungs-, Denk-, Seh-, Hör- und Sprechvorgang usw.) zu zerlegen, wie es Nord
sieck durch folgendes Schema andeutet;
Einkauf Lagerung Verkauf
Ware A 1 1 | 1 | 1
WareB I 1 | 1 | 1
WareC . I 1 I 1 I 1
1 Potthoff: Die sozialen Probleme des Betriebes. In Sammelwerk: Die sozialen Probleme
des Betriebes. Berlin 1925.
2 Nordsieck: Grundprobleme und Grundprinzipien der Organisation des Betriebsauf
baus, in: Die Betriebswirtschaft H. 6, 1931, S. 160/161.