Full text : Der Wirtschaftsbetrieb als Betrieb (Arbeit)

Die  Auf  gaben  Verkettung.

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Menge,  sondern  auch  in  der  gewünschten  Güte,  der  veranschlagten  Zeit  und  den
zu  tragenden  Kosten  erreicht  werden.  Die  sorgfältig  ausgewählten,  sinnvoll  geordneten ­
  und  zweckmäßig  gegliederten  Aufgaben  müssen  nun  wieder  miteinander
verbunden  werden,  eine  neue  Verbindung  der  vorhandenen  Tatbestände  gesucht
werden,  da  die  bisherige  dem  betrieblichen  Zweck  oder  den  persönlichen  Wünschen
des  Betriebsführers  nicht  entsprach 1 .  Wesentliche  Richtlinien  für  die  Neu-Zusammenfassung
  ist  das  gemeinsame  Ziel  des  Wirtschaftsbetriebes,  die  Vollbringung ­
  der  gestellten  sachlichen  oder  persönlichen  Aufgabe.
Nun  ist  die  Zahl  und  Verschiedenartigkeit  der  betrieblichen  Erscheinungen  an
sich  schon  sehr  groß,  und  sie  wird  noch  verstärkt  durch  die  Gliederung  der  Aufgaben ­
  und  die  Stückelung  der  einzelnen  Arbeiten,  durch  die  Trennung  nach  förderlichen ­
  und  hinderlichen,  nach  ähnlichen  und  unähnlichen  Vorgängen,  wodurch  —
was  nicht  übersehen  werden  darf  —  immer  an  sich  natürliche,  wenn  auch  im
Hinblick  auf  das  Betriebsziel  nicht  zweckmäßige  Zusammenhänge  zerrissen  werden, ­
  also  gewissermaßen  Sezierarbeit  geleistet  wird.  Es  ist  daher  unumgänglich
notwendig,  einen  neuen  —  künstlichen  —  Zusammenhang  zu  schaffen,  der  zugleich ­
  fest,  aber  auch  genügend  dehnbar  ist,  um  alle  diese  zwar  auf  das  Betriebsziel
hin  ausgewählten,  geordneten,  zergliederten  Erscheinungen,  denen  jedoch  ein
natürlicher  Zusammenhang  fehlt,  zu  verbinden  und  zu  leiten.  Dabei  ist  eine  Feststellung ­
  wichtig:  die  zunehmend  unterteilten  Arbeitsvorgänge  und  sonstigen  Betriebsgrundlagen ­
  haben  zwar  zu  einer  sehr  großen  Genauigkeit,  Feinheit  und
Erkenntnismöglichkeit  des  Arbeitens  geführt,  andererseits  aber  auch  eine  Empfindlichkeit ­
  und  Zartheit  erzeugt,  die  oft  genug  den  Zusammenhalt  des  Ganzen
ernstlich  gefährdet.
Wenn  eine  Mehrzahl  von  Personen  an  einer  gemeinsamen  Aufgabe  derart  beteiligt ­
  ist,  daß  das  Ergebnis  von  den  jeweiligen,  genau  festgelegten,  mehr  oder
minder  bedeutenden  Arbeitshandlungen  abhängt,  so  ist  die  Menge,  Befristung  und
Güte  des  Enderfolgs  von  den  Leistungen  des  schlechtesten  oder  langsamsten
Arbeiters  abhängig.  Das  bedeutet,  daß  bei  unterteilter  Leistung  für  die  Zweckerreichung ­
  die  jeweils  zurückgebliebensten  Leistungsschichten  allein  und  in  stärkster ­
  Weise  maßgebend  sind.  Daraus  folgt  einmal,  daß  die  Gleichmäßigkeit  der
Leistung  wichtiger  ist  als  die  Heranziehung  einzelner,  besonders  befähigter  Arbeiter
oder  die  Bereitstellung  außergewöhnlicher  Arbeitsmittel  und  Geräte  (was  eine
Stütze  bei  der  Organisation  des  Heeres  findet,  wo  auch  für  das  Aktionsprogramm
und  die  Taktik  die  zurückgebliebensten  Glieder  bestimmend  sind,  weil  sonst  die
Geschlossenheit  verloren  gehen  würde).  Zum  andern  aber  ergibt  sich  daraus  die
Notwendigkeit  der  genauesten  gegenseitigen  Einstellung  bei  der  Zusammenarbeit,
und  zwar  nicht  nur  in  bezug  auf  Menge  und  Güte,  sondern  vor  allem  in  bezug  auf
die  Zeit.  Es  bestehen  jedoch  zwischen  der  in  einem  Betrieb  angewandten  Technik
und  der  Betriebsgröße  feste  Beziehungen,  und  gerade  diese  Beziehungen  werden
oft  nicht  genügend  beachtet,  zumal  sie  der  genauen  Vorausrechnung  erhebliche
Schwierigkeiten  bereiten,  da  sie  nur  mit  Hilfe  der  Wahrscheinlichkeitsrechnung  zu
lösen  sind.
Ist  beispielsweise  die  Herstellung  eines  Schuhes  in  30  Teilarbeiten  zerlegt,  so  müssen  mindestens ­
  30  Arbeiter  beschäftigt  sein  unter  der  Voraussetzung,  daß  jeder  Teil  die  gleiche  Arbeitszeit ­
  erfordert  und  jeder  Arbeiter  die  gleiche  Leistungsfähigkeit  besitzt.  Dies  ist  jedoch  in
der  Praxis  fast  nie  zu  erreichen;  vielmehr  werden  immer  verschiedene  Arbeitszeiten  (durch
sachliche  oder  persönliche  Ursachen)  erforderlich  sein.  Bei  einer  Annahme,  daß  10  Teilarbeiten
je  3  Std.,  10  weitere  je  2  Std.  und  die  letzten  je  1  Std.  dauern,  müßten  mindestens  60  Arbeiter
vorhanden  sein,  um  jede  Gruppe  ununterbrochen  mit  Arbeit  zu  versorgen,  da  für  die  länger
dauernden  Arbeiten  entsprechend  mehr  Arbeiter  angesetzt  werden  müssen.

1  Bogdanow:  Bd.  I,  S.  8.
            
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