Full text : Der Wirtschaftsbetrieb als Betrieb (Arbeit)

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Die  Organisation.

Gründen  eine  geringere  Beweglichkeit.  Dagegen  weist  sie  als  Vorzug  große  Einfachheit, ­
  klare  Abgrenzung  der  Pflichten  und  Rechte,  leichte  Aufrechterhaltung  der
Zucht  und  Ordnung  und  Durchsetzung  der  Befehle  auf.
In  größeren  Betrieben  geht  jedoch  trotz  aller  Vorzüge  der  einheitlichen  Befehlserteilung ­
  die  sachgemäße  Durchführung  und  der  notwendige  Überblick  über  die
einzelnen  Aufgaben  verloren.  Es  werden  darum  —■  ausgehend  von  den  Taylorschen
Vorschlägen  für  den  technischen  Betrieb  —  unter  möglichst  weitgehender  Trennung
der  Aufgaben  und  Aufgabenelemente  vor  allem  hinsichtlich  der  Bereitstellungsund ­
  Durchführungsarbeiten  alle  gleichwertigen  Verrichtungen  zusammengefaßt
und  einem  Fachmann  zur  Erledigung  übertragen,  der  dann  für  alle  Fragen  seines
Gebietes  zuständig  ist.  Das  bedeutet  aber  eine  so  starke  Zersplitterung  der
Befugnisse  und  auch  eine  Erschwerung  der  Kompetenzverteilung,  bei  weitgehender ­
  Durchführung  oft  auch  eine  so  ungesunde  fachliche  Absonderung,  daß  dieses
System  restlos  nicht  durchführbar  ist,  obwohl  es  die  „höchstmögliche  Ausnutzung
der  Fähigkeiten  des  einzelnen  Gliedes 1 “  verbürgt.  Es  ist  von  Taylor 2  entwickelt
und  auch  in  die  Praxis  umgesetzt  worden,  allerdings  vorwiegend  in  großen
Fertigungsbetrieben  (Maschinenfabriken)  im  Bereich  der  technischen  Arbeit;
Fayol  lehnt  es  ab,  da  es  „eine  Verneinung  des  Prinzips  der  Einheit  der  Auftragserteilung“ ­
  bedeutet,  das  nicht  „ungestraft  verletzt  werden  kann“ 3 .
Dagegen  ist  als  Mittellösung  heute  überall  —  mit  Ausnahme  vielleicht  der
kleineren  Betriebe,  bei  denen  sich  die  Ausbildung  eines  Stabes  nicht  lohnt  ■—  die
mehr  oder  minder  stark  nach  der  einen  oder  anderen  Seite  neigende  Aufteilung
der  Befugnisse  nach  dem  „Stab-Linien-System“ 4  durchgeführt.  Dieses  System
der  Ausbildung  von  „Stäben“  wird  stufenweise  durchgeführt;  der  Direktionsstab
als  Hilfe,  Verstärkung  oder  Erweiterung  der  Kraft,  Urteilsfähigkeit  und  Zeit  des
Generaldirektors  kann  ganz  verschiedenes  Aussehen  und  verschiedenen  Umfang
haben:  Sekretäre,  Fachreferenten  (Ingenieure,  Juristen,  Finanzleute,  Statistiker,
Selbstkostenrechner  usw.)  oder  Beiräte,  Ausschüsse,  Studienabteilungen  (u.  U.  in
Form  selbständiger  Gesellschaften),  Laboratorien  u.  ä.;  auch  die  Fremdbeauftragung ­
  oder  die  nur  zeitweilige  Verwendung  ist  denkbar 5 .  Die  Weiterbildung
dieses  Stabes  ist  in  den  „Zentralabteilungen“  der  großen  Betriebe  sichtbar,  die
außer  ihrem  eigenen  Aufgabenkreis  bestimmte  Beratungs-  und  Entscheidungsfunktionen ­
  bei  den  Abteilungen  haben,  welche  der  unmittelbaren  Durchführung
der  betrieblichen  Zweckaufgaben  dienen.  Im  technischen  Betrieb  selbst  sind  dann
die  Werkzeugmachereien,  die  Auftragsabteilungen,  Terminbüros,  Kontrollabteilungen
  wiederum  dem  eigentlichen  Abteilungsleiter  unterstellt  und  vorbereitend
und  beratend  tätig.
Die  Verteilung  der  Kompetenzen  ist  nun  derartig  denkbar,  daß
a)  die  Stäbe  den  Betriebs-(Linien-)Abteilungen  gleichgeordnet  sind  und  nur  zur  Unterstützung ­
  und  Beratung  des  Betriebsleiters  zur  Verfügung  stehen;  sie  haben  also  keininstanzielles
  Potential;
b)  die  Stäbe  nur  den  nächst  untergeordneten  Dienststellen  gegenüber  instanzielle  Befugnisse ­
  haben,  deren  Kompetenzen  jedoch  genau  abgesteckt  sind;
c)  die  Stäbe  volle  Instanzen  vertreten,  d.h.  neben  den  Linien-Betriebs-Leitern  im  Bahmen
ihrer  sachlichen  Kompetenzen  volle  Befehlsgewalt  haben;
d)  die  Stelle  des  Stabes  von  einem  Ausschuß  gebildet  wird,  welcher  aus  den  geeignet  erscheinenden ­
  Linien-Instanzen  sich  zusammensetzt  und  entweder  von  Zeit  zu  Zeit  Zusammentritt ­
  oder  laufend  tagt;  er  kann  allgemeine  Kichtlinien  festlegen,  die  dann  von  den  Linienabteilungen ­
  selbst  ausgearbeitet  und  durchgeführt  werden,  oder  aber  er  hat  einen  Mitarbeiterstab ­
  dauernd  zur  Verfügung,  ein  Büro,  das  nach  seinen  Angaben  arbeitet.
Fast  alle  Großunternehmungen  sind  heute  instanziell  nach  dem  Stab-Linien-System
  aufgebaut,  dabei  sind  oft  innerhalb  eines  Betriebes  alle  hier  genannten
1  Alford-Prölich:  S.  384.  2  Siehe  Taylor-Wallichs:  Die  Betriebsleitung.
3  Payol:  S.  64/65.  4  Alford-Prölich:  S.  384ff.  5  Payol:  S.  51.
            
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