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Die Betriebsarbeit.
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zweckmäßige künstliche Stallbeleuchtung. Das zeitliche Nacheinander der landwirtschaft
lichen Arbeit kann nicht in ein Nebeneinander verwandelt werden, da der organische Wachs
tumsvorgang einer zeitlichen Beeinflussung nicht zugängig ist. Daher ist auch eine Verwen
dung von Maschinen in großem Ausmaß eine zwiespältige Angelegenheit, da sie nur wenige
Tage oder Wochen in Arbeit sein können, dann allerdings durch die Zusammendrängung der
Arbeit auf kurze Fristen (infolge der Witterung!) zum Ausgleich von Beschäftigungsspitzen
und zur Arbeitsbeschleunigung fast unentbehrlich sind.
Die der Landwirtschaft verwandte Forstwirtschaft zeigt als Eigenart die besonders hervor
tretende Bedeutung der Natur als Erzeugungsfaktor. Die eigentliche forstwirtschaftliche Ar
beit ist auf sehr lange Sicht eingestellt: derPflanzungsplan ist wesentlich für das Ergebnis,
für das im übrigen nur eine laufende Überwachung und Schädlingsbekämpfung maßgebend ist:
Art und Umfang der Bepflanzung und des Holzschlags, Pflege des Pflanzenbestandes und des
Wildes. Der Baumbestand ist nicht nur als Gütervorrat für wirtschaftliche Zwecke anzusehen
(Nutzholz, Bauholz, Brennholz), sondern er ist auch wichtig als Schutz gegen Flugsand- oder
Schneeverwehungen und Regenabschwemmungen, als Ausgleich der klimatischen Verhält
nisse (Kälte — Wärme), zur Förderung der Niederschläge und Speicherung der Bodenfeuchtig
keit u. a.
Da außerdem das langsame Wachstum fast alle Voraussagen künftiger Verwertungsmög
lichkeiten des Holzes (vor allem der verschiedenen Arten) sehr erschwert, ein planloser Raub
bau aber größten Schaden für die Gesamtheit verursacht, ist die Forstwirtschaft fast überall
unter die Oberaufsicht des Staates gestellt, ja, sie wird — auch wegen der großen Flächen —
sehr oft vom Staat selbst ausgeübt.
b) Der Land- und Forstwirtschaft ähnlich ist der Bergbau, der sog. Abbau
betrieb, wegen der Bindung an den Standort und die Abhängigkeit von den
Bodenverhältnissen. Er unterscheidet sich dadurch, daß er es mit einem leblosen
Stoff, dem Mineral, zu tun hat, das er dem Boden entnimmt, zerkleinert, sortiert
und klassiert. Im ganzen ist der Bergbau einer sehr weitgehenden rationellen
und mechanischen Arbeitsweise zugänglich, im Gegensatz zu dem organischen
Waehstumsprozeß, der die Land- und Forstwirtschaft beherrscht. Im Bergbau
tritt uns die eigentliche technische Arbeit entgegen.
Die Abtrennung der Mineralien von dem umgebenden Gestein, mit dem sie
mehr oder minder fest verwachsen sind, die Hereingewinnung der lockeren, zu
sammenhanglosen Massen oder der festen Gesteinsblöcke hat zur Ausbildung be
sonderer Gewinnungs- oder Abbauverfahren geführt, die je nach der Lage (Tage
bau— Tiefbau) und dem Neigungswinkel (Einfallen) der Lagerstätte oder ihrer Mäch
tigkeit und Güte, der eigenen Härte oder der Beschaffenheit des Nebengesteins,
der notwendigen Teufe oder den Gebirgsverhältnissen (wie Gesteins- und Gasdruck,
Hitze, Verwerfungen, Wasserzuflüsse u. a.) verschieden angesetzt werden. Auch
die Voraussehbarkeit der Lagerstätte, etwa ob Flöze oder Lager von mehr oder
minder übersehbarer Mächtigkeit, Schichtung und Ausdehnung vorhanden sind,
wie meist im Kohlenbergbau, oder ob Gänge, Stöcke, Nester oder Linsen im Ge
birge ohne erkennbare Anhaltspunkte zerstreut und mit wechselndem Gehalt nach
Güte und Menge Vorkommen, wie oft im Erzbergbau, spielt für das Abbauverfah
ren und die dabei zu entwickelnde Technik eine große Rolle.
Das weitgehend einheitliche und geschlossene Erzeugnis ermöglicht eine weit
gehende Mechanisierung, vor allem außerhalb der eigentlichen Gewinnung —
beim Braunkohlentagebau aber auch dort —, so daß nicht nur ein Mindestmaß
an Aufsicht und Kontrollen, sondern auch an Schreibarbeit und sonstiger Ver
waltungsarbeit nötig ist. So hat der technische Betrieb im Bergbau durchaus das
Übergewicht, was durch die Herausnahme des Verkaufs bei syndizierten Erzeug
nissen (Kohle) aus dem eigentlichen Betriebsbereich noch stärker unterstrichen
wird.
c) Die gewerbliche Arbeit (im engeren Sinne) stellt die weitere Bearbeitung und
Umformung der durch Anbau und Abbau gewonnenen Stoffe dar; sie beruht ent
weder auf mechanischen oder chemischen Verfahren, wobei unter mechanischer
Arbeit eine Änderung der äußeren Form, unter chemischer eine Änderung der