Full text : Der Wirtschaftsbetrieb als Betrieb (Arbeit)

194

Die  Wirtschaftlichkeit.

Ausdruck  bringen,  daß  wir  es  mit  der  Wirtschaftlichkeit  des  Betriebes  —  in  einzelnen ­
  Handlungen,  in  einzelnen  Teilen  oder  insgesamt  —  zu  tun  haben.  Hier  hat
zunächst  und  grundsätzlich  der  Begriff  des  Gewinns  keinen  Platz.  Wir  haben  als
Gewinn  (zweites  Buch:  D)  den  Unterschied  zwischen  den  in  Geld  gefaßten  Kosten
(Verlusten)  und  den  in  Geld  gefaßten  Erlösen  (Gewinnen)  bezeichnet.  Gewinn
ist  ein  in  Geld  gerechneter  Überschuß  der  Erlöse  über  die  Kosten,  sei  es  für  das
einzelne  Stück  (oder  bestimmte  Mengen)  oder  für  eine  bestimmte  Zeit  (Bilanzgewinn). ­
  Im  Betriebe  gibt  es  eine  Wirtschaftlichkeit,  auch  wenn  den  Wirtschaftern
der  Begriff  und  die  Tatsache  des  Gewinns  (im  vorstehenden  Sinne)  unbekannt  ist.
Sicherlich  wird  man  beim  Bau  der  Pyramiden  den  Gesichtspunkt  der  Wirtschaftlichkeit ­
  —  nach  damaligen  Maßstäben  —  berücksichtigt  haben  (oder  etwa
nicht  ?).  Ebenso  wird  man  von  einer  Wirtschaftlichkeit  in  der  geschlossenen  Hauswirtschaft ­
  des  Altertums  und  in  der  Klosterwirtschaft  des  Mittelalters  sprechen
können.  Auch  heute  wäre  es  denkbar,  daß  sich  die  Nachbarn  einer  arbeitsunfähigen
Bäuerin  zusammentun,  um  deren  Betrieb  nach  dem  Merkmal  der  Wirtschaftlichkeit ­
  zu  gestalten,  ohne  daß  sie  dabei  an  einen  Gewinn  zu  denken  brauchen.  In
allen  diesen  Fällen  kommen  die  zahlreichen  Einzeldinge  des  Betriebes  in  Betracht,
die  oben  erwähnt  worden  sind  und  die  auf  ihre  Wirtschaftlichkeit  hin  geprüft
werden  müssen.  Es  ist  offenbar,  daß  sowohl  die  Gestaltung  der  Wirtschaftlichkeit
wie  auch  ihre  Überprüfung  und  Beurteilung  mit  Schwierigkeiten  verknüpft  sind.
Vielleicht  begnügt  man  sich  mit  der  einfachen  Feststellung,  ob  die  beabsichtigte
Leistung  nach  Güte  oder  Menge  oder  nach  beiden  Merkmalen  erreicht  worden  ist.
Immer  aber  kommt  es  auf  die  Wirtschaftlichkeit  des  Betriebes  und  auf  die  beste
Gestaltung  des  Betriebes  an,  ist  allein  von  der  Betriebs-Wirtschaftlichkeit  die  Rede.
Die  Vorstellung  von  Gewinn  wie  die  Tatsache  des  Gewinnes  fehlen  vollständig;  es
werden  z.  B.  Töpfe  hergestellt,  große  und  kleine,  viele  oder  wenige,  gute  oder
schlechte,  brauchbare  oder  unbrauchbare;  immer  sind  es  Töpfe,  auf  die  sich  die
Vorstellungen  beziehen.
Der  Gewinn  ist  ein  Kind  der  auf  Geld  abgestellten  Erwerbswirtschaft.  Er
kommt  in  dem  Augenblick  auf,  als  sich  die  Wirtschaft  anschickt,  in  Geld  zu  rechnen ­
  und  sich  die  besondere  Form  der  Erwerbswirtschaft,  die  kapitalistische  Unternehmung, ­
  entwickelt.  Wenn  man  von  der  kapitalistischen  Grundrechnung  (vgl.
2.  Buch:  A)  ausgeht  und  annimmt,  daß  sich  die  Errichtung  des  Betriebes  und  seine
Durchführung  genau  nach  den  vorgesehenen  Wirtschaftliohkeitsüberlegungen  vollzieht, ­
  dann  ist  der  sich  aus  der  Kapitalrechnung  der  Unternehmung  ergebende  Gewinn ­
  zugleich  der  Ausdruck  für  die  im  Betriebe  entfaltete  Wirtschaftlichkeit.  Aber
diese  Voraussetzung  trifft  in  der  Wirklichkeit  kaum  für  die  Errichtung  des  Betriebes, ­
  geschweige  denn  für  den  weiteren  Ablauf  der  Betriebstätigkeit  zu.
Der  Gewinn  setzt  die  Bewertung  der  Vorgänge  in  Geld  voraus;  er  hängt  von
den  Geldkosten  und  Gelderlösen  ab.  Diese  sind  wieder  abhängig  von  den  Preisen
der  Stoffe  und  Kräfte  im  Beschaffungs-  und  Absatzmarkt  sowie  von  den  Entgelten, ­
  die  an  die  Mitarbeiter  gezahlt  werden.  Da  die  Preise  sich  am  Markt  bilden  oder
festgesetzt  werden  können,  kann  die  Geldrechnung  Gewinnergebnisse  aufweisen,
die  nicht  mehr  mit  der  Betriebs-Wirtschaftlichkeit  gleichlaufend  sind.  Dann
fallen  Rentabilität  (Wirtschaftlichkeit  der  Unternehmung)  und  Betriebs-Wirtschaftlichkeit ­
  (Wirtschaftlichkeit  des  Betriebes)  auseinander.  So  kann  es  Vorkommen, ­
  daß  die  Unternehmung  aus  Preissteigerungen  hohe  Gewinne  ausweist,
obwohl  ein  Teil  des  Betriebes  nicht  ausgenützt  oder  im  ganzen  die  Betriebs-Wirtschaftlichkeit ­
  vernachlässigt  ist.  Andererseits  kann  der  Betrieb  auf  das  Wirtschaftlichste ­
  eingerichtet  sein,  die  Wirtschaftlichkeit  der  Unternehmung  jedoch,
also  die  Rentabilität,  zu  wünschen  übriglassen,  wenn  die  Einrichtungen  zu  viel
Kapital  erfordert  haben,  oder  zu  ungünstigen  Preisen  eingekauft  oder  verkauft
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.