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Die Wirtschaftlichkeit.
im Betrieb wie in der Gesamtwirtschaft zu beachten. Diese Zusammenhänge
werden vielleicht deutlicher, wenn wir die Drage der Wirtschaftlichkeit an einigen
Beispielen erläutern.
Ein gutes Beispiel für die Wirtschaftlichkeitsüberlegungen bei einem einzelnen Vorgang
bietet die Anschaffung eines Lastkraftwagens (vgl. Frkft. Ztg. vom 12. 2. 33). Hierbei
ist zunächst die Möglichkeit der Verwendung verschiedener Größenklassen ins Auge zu fassen.
Welche Größenklasse soll gewählt werden, soll das Einwagen-, das Anhänger- oder das
Schlepperprinzip vorgezogen werden ? Hier spielt das Transportgut, die Transportzeit sowie
der Transportweg eine Rolle: Sperrig oder Massengut, lange Auf- und Abladezeiten, Weg-
besohaffenheit, Kippmöglichkeit. Ist der Wagen zu groß, so sind die Transportkosten bei
ungenügender Ausnutzung zu groß, da die toten Gewichte zu hoch sind. Die Kosten für den
Kilometer sinken nicht nur mit der Anzahl der gefahrenen Kilometer, sondern auch mit der
Höhe der transportierten Gewichte und der benötigten Zeit, also mit der Tonnenkilometer
leistung. Die günstigen Zahlen sind aber nur bei Vollast erzielbar; bei Halblast sind sie wieder
ganz anders. Dazu kommt dann noch die Eigenart des Geschäfts, die es bei stoßartiger Be
schäftigung vielleicht zweckmäßiger erscheinen läßt, mehrere leichte, statt eines schweren
Wagens zu wählen; möglicherweise kann ein besonderer Grund wie die Werbung, die Auswahl
einer Größentype beeinflussen.
Nach Erwägung dieser Umstände ist die Marke auszuwählen, wobei wieder Qualitätsüber
legungen angestellt werden müssen, die auf die Art des Transportes Rücksicht zu nehmen
haben. Dann erst spielen der Preis, die Möglichkeit der Ersatzteilbeschaffung, der Kunden
dienst (Reparaturen) eine Rolle: wie man sieht, eine große Zahl sehr knifflioher Überlegungen,
die angestellt sein wollen, bevor die Entscheidung über den Kauf dieses oder jenes Kraftwagens
fällt. Natürlich haben vorher schon Erwägungen darüber stattgefunden, ob und in welcher
Höhe die erforderlichen Geldmittel zur Verfügung stehen.
Für eine Steigerung der Wirtschaftlichkeit in einem Industriebetriebe bringt Hummel
(Das Rentabilitäts- und Wirtschaftlichkeitsproblem) ein Beispiel: In verschiedenen Bunt
webereien war die Leistung der einzelnen Webstühle im Verhältnis zur möglichen Leistung
gering. Der Weber mußte sich das Sohußgarn selbst abholen, ebenfalls wie er selbst die
Ablieferung des fertigen Stückes vollziehen und der Prüfung beiwohnen mußte. In der erforder
lichen Zeit blieb der Webstuhl stehen. Nunmehr wurde eine besondere Hilfskraft mit dem
Zubringen des Materials und der Ablieferung der Stücke betraut, wodurch der Ausnutzungsgrad
der einzelnen Webstühle von 75—80 auf 80—90% gesteigert wurde. Das bedeutet, daß
die Gesamtleistung anstieg, ohne daß neue Einrichtungen nötig waren; diesem Erfolg sind
jedoch die Aufwendungen gegenüberzustellen, die durch den neuen Hilfsarbeiter erforderlich
wurden.
Wie in einem Einzelhandelsbetrieb die Wirtschaftlichkeit gesteigert werden kann und
welche Überlegungen dabei anzustellen sind, dafür bringt Seyffert eine Fülle von Bei
spielen in seinem Buche: Der Mensch als Betriebsfaktor.
Über Wirtschaftlichkeit im Reichsbahnbetrieb berichtete Leibbrand (auf einer Stu
dienkonferenz der Reichsbahn): Eine grundsätzliche Umgestaltung des Sohienennetzes ist
finanziell nicht möglich. Die Verbesserungen müssen dort einsetzen, wo mit geringen
Mitteln eine große Wirkung erzielt wird. Im Güterverkehr ist hohe Fahrgeschwindigkeit
nur für einen kleinen Bruchteil aller Frachten erforderlich; die Geschwindigkeitssteigerung
hat aber infolge des schnelleren Umlaufs von Mannschaften und Fahrzeugen zu einer jähr
lichen Ersparnis von 30 Mill. im Güterzugdienst geführt. Deshalb hat die Reichsbahn
mit besonderem Nachdruck die Bangiertechnik und die Organisation der Güterzugbildung
entwickelt.
4. Die Gewährleistung der Wirtschaftlichkeit. Im (Wirtschafts-) Betrieb kommt
es darauf an, das Prinzip der Wirtschaftlichkeit so vollkommen wie nur möglich
zum Zuge kommen zu lassen. Es gehört dies zur Kunst der besten Betriebsführung,
was nicht ausschließt, daß der Gedanke der Wirtschaftlichkeit auch schon in den
der Wirtschaftstätigkeit vorausgehenden planenden Überlegungen (Wirtschafts
plan) Platz gefunden haben kann. Doch ist es mit diesen Überlegungen und Maß
nahmen allein nicht immer getan. In den meisten Fällen wird es erforderlich sein,
den Betrieb oder einzelne Teile und Vorgänge desselben daraufhin zu prüfen, ob
und inwieweit die Wirtschaftlichkeit auch verwirklicht worden ist, weil sich erst
in der Ausführung der getroffenen Maßnahmen sichere Anzeichen für diese oder
jene Feststellung ergeben. Es gibt Wirtschafter, die den allergrößten Wert auf ein
ständiges und eingehendes Nachspüren der Wirtschaftlichkeit Wert legen, sozu