224
Die Wirtschaftlichkeit.
Neben diesen Ziffern, die den Betrieb mehr in Hinsicht der allgemeinen Anordnung und
Leistung beleuchten, spielt die Geschwindigkeit des Lagerumsatzes eine große Rolle. Diese
Ziffern, die innerhalb der Branchen wieder sehr ungleichmäßig sind, greifen schon auf die Kapi
talanordnung über, indem sie die Beanspruchung des Betriebskapitals und die Verzinsung er
kennen lassen. Andererseits aber ermöglichen sie auch Rückschlüsse auf die Risiken der Mode,
des Warenverderbs und andere Umstände. Besonders wichtig für die Gestaltung der Unkosten
ist die Zahl des Umsatzes je Kunde, da sie unmittelbar für die Höhe und Art der Unkosten
kennzeichnend ist. Auch die Zusammensetzung der Unkosten im einzelnen kann recht brauch
bare Merkmale ergeben, wenn man die hier möglichen besonderen Umstände erkennen und
ausschalten kann.
Besondere Schwierigkeiten ergeben sich beim Großhandel, der hinsichtlich Art
und Umfang der Betriebe und ihrer Aufgaben nicht die Geschlossenheit aufweist
wie der Einzelhandel. Neben dem Handelsgut spielt hier sowohl die Art und
Richtung des Einkaufs als auch besonders des Verkaufs eine große Rolle; immer
hin sind auch hier bestimmte Größenordnungen zu erkennen, die allerdings bisher
wohl mehr akademische Bedeutung haben.
Entsprechend den Wesensmerkmalen der Industrie beziehen sich die Rech
nungsfaktoren der Wirtschaftlichkeit hier mehr auf die Erzeugung; es werden
also, je nach der Art und Aufbau des Industriezweiges, der mehr arbeits- oder
kapitalorientiert sein kann, die Leistungen auf die Arbeitszeit von Mensch oder
Maschine (Stunde, Tag, Woche usw.) oder auf die Arbeitseinheit (Mensch, Aggre
gat usw.) bezogen. Besonders bekannt ist der sog. „Effekt“ im Bergbau, die Ziffer
der Förderleistung je Kopf und Tag des Beschäftigten; hier trennt man häufig
nach der Gesamtbelegschaft und Untertagebelegschaft, zuweilen auch nach der
reinen „Hauerleistung vor Ort“. Die Verkehrsbetriebe kennen seit langem
„Verkehrs“- und „Betriebs“-Koeffizienten; die Banken haben ihre „Liquiditäts“-
ziffern, die Baubetriebe einheitliche Leistungszahlen für die Einheit „bewegten
Bodens“ oder „umbauten Raumes“ oder „gemauerter Fläche“; das Hotelgewerbe
kennt die Fremdenübernachtungsziffer. Jede Branche hat ihre Kennziffern der
Wirtschaftlichkeit, die mehr oder weniger spezifiziert, einen Vergleich der Betriebs
verhältnisse im Hinblick auf die Wirtschaftlichkeit möglich machen.
Die Kennziffern haben sich für den inneren Vergleich als sehr brauchbar er
wiesen. Die Vielgestaltigkeit des betrieblichen Geschehens mit den mannigfachen
Möglichkeiten des Leerlaufs machen eine dauernde Betriebsüberwachung zur ge
bieterischen Pflicht. Störungen in den Arbeitsvorgängen, Leerläufe beim Inein
andergreifen der verschiedenen Arbeitsvorgänge, technische oder organisatorische
Hemmungen bei den Arbeitsabläufen, Rückständigkeiten in bezug auf die Arbeits
methode oder die verwendeten Arbeitsmittel usw. lassen sich nur durch dauernde
Beobachtung und Durchrechnung des Betriebes erkennen und abstellen. Hier
setzen die verschiedenen Methoden der „wissenschaftlichen Betriebsführung“ an,
die die einzelnen Arbeiten und Arbeitsgebiete bis ins kleinste zergliedern. Durch
Zeitstudien sogar der Griffelemente werden die notwendigen Arbeits-, Warte- und
Vorrichtungszeiten erfaßt und in Verbindung mit den „Maschinenkosten“ (Kosten
des Maschinenbetriebs je Zeiteinheit!) Vergleichsziffern zu errechnen versucht.
Hier ergibt sich eine Reihe von Fragen: welche Aufwendungen des allgemeinen Betriebs
— welche Gemeinkosten — sollen in den Ziffern enthalten sein? Nur die „Betriebs“-
Unkosten, die Transport-, Reinigungs-, Leitungskosten ? Oder auch die Vertriebskosten, die
Verwaltungskosten überhaupt, die Kosten der Lagerung, des Einkaufs, der Betriebsvorberei
tung (Entwicklung, Projektierung, Konstruktion) ? Wo und wie sollen, falls für die bisherigen
Fragen eine brauchbare Lösung gefunden ist, die Materialien eingerechnet werden und wie
sollen hier wieder die eigentlichen Rohstoffe der Produktion und die Hilfsmaterialien ver
rechnet werden?
4. Der Betriebsvergleich. Unter Betriebsvergleich im eigentlichen Sinne
ist zu verstehen: Der Vergleich von Betriebszahlen verschiedener, selbstän
diger, unter eigener Leitung stehender Wirtschaftsbetriebe derselben Art. Die