24
Die Grundlagen.
Verleimungen, durch Nagelung statt Verdübelung als Verbindungsmittel wird das Holz als
Bauteil für weittragende Hallen dem Stabeisen wettbewerbsfähiger gemacht. Sogar im Flug
zeugbau, aus dem das Holz nahezu durch Leiohtmetall verdrängt schien, gewinnt es wieder
an Bedeutung. Der Fäulnis wird durch Imprägnierung begegnet, was für den Holzbau allge
meine, für das große Gebiet der Leitungsmasten besonders große Bedeutung hat. Dabei ver
halten sich die Holzarten (z. B. Fichte, Kiefer) je nach dem Imprägnierungsverfahren in bezug
auf die Lebensdauer nicht gleich; bei teerölimprägnierten Kiefernstangen kann heute schon
mit einer Lebensdauer von über 30 Jahren gerechnet werden. Betrachten wir einen so harm
los aussehenden Bedarfsfall wie den Leitungsmast für elektrische Stark- und Schwachstrom
leitungen. Holz, Eisen und Eisenbeton stehen hier in Wettbewerb: Festigkeit, Lebensdauer,
Feuerbeständigkeit, Widerstandsfähigkeit gegen äußere Einwirkungen (Insekten, Wild), nicht
zuletzt der Preis müssen gegeneinander abgewogen werden.
So stehen heute allgemein im Bauwesen eine Reihe von Baustoffen und Bau verfahren
in Anwendung, die eine Wahl erschweren. Jeder Brückenbau, jeder Hochbau, jeder Hausbau
erfordert zunächst eine Entscheidung über den zu verwendenden Baustoff. Seit alters her sind
das Holz und der Ziegel benutzt worden und sie sind auch noch heute weit verbreitet, obwohl
sich die Bauweisen zum Teil grundlegend geändert haben. Neben dem Massivbau ist der
Skelettbau möglich, eine Rahmenhauweise mit Steinausfüllung, die meist erheblich billiger
ist als der Massivbau; die Rahmen können aus Holz oder Eisen sein (Holz- und Eisenfachwerk
bau) . Ersterer ist im Wohnhausbau—mit Lehm oder Stein als Füllstoffen — seit Jahrtausenden
bekannt; letzterer wird vorwiegend im Fabrik- und Hallenbau verwendet. Aber auch der
Eisenheton-Rahmenbau führt sich mehr und mehr ein. Mit dem Betonbau ist jedoch im Grunde
keine neue Bauweise, sondern ein Gießverfahren in das Bauwesen eingedrungen.
Hier ist wieder ein typisches Beispiel für die Anpassung der naturgegebenen Stoffe an die
Verwendungszwecke. Die Bestandteile des Betons — Kalkstein und Ton als Zement und dazu
Sand—sind im Bauwesen seit altersher bekannt; durch Mahlen und Brennen des Kalksteins und
Tons zu Zement und dessen Mischung an der Baustelle mit Sand und Wasser wird aber nicht
nur ein anderes Gefüge und eine höhere Festigkeit erzielt, sondern auch eine ganz andere
Formgebung — eben das Gießen — möglich. Die Verbindung eines Eisengerippes mit herum
gezogenem Beton stellt den Eisenbeton dar, eine Bauweise, die wegen ihrer hohen Widerstands
fähigkeit, Wasser- und Luftheständigkeit im Brücken- und Hochbau das Eisen schwer be
drängt. Auch für den Straßenbau stehen die mannigfachsten Möglichkeiten offen; neben dem
alten Natursteinpflaster (Granit) sind Kunststein- und Hartholzpflaster und Decken aus
Schotter, Teerverbindungen (Asphalt, Makadam u. a.) und Zement, ja auch aus Eisenbeton
und Eisen, meist Gußeisen, in Anwendung.
Besondere Steine werden für Feuer- und Säurebeständigkeit angeboten; ein kürzlich er
schienenes Verzeichnis der Markenbezeichnungen im Feuerfest- und Ofenbaufach enthält
allein 1500 Namen. Sogar Glas wird neuerdings als tragender Baustoff benutzt, wie über
haupt das Glas als Werkstoff im Vordringen begriffen ist. Neben dem leicht schmelzbaren
und chemisch wenig widerstandsfähigen Natronkalkglas, dem gewöhnlichen Fensterglas und
dem widerstandsfähigeren und schwerer schmelzbaren Kalikalkgias (böhmisches Glas) ist das
weiche, leicht schmelzbare, stark lichtbrechende Kalibleiglas, das Kristallglas, auf dem Markt;
doch gibt es darüber hinaus noch eine große Zahl besonderer Gläser für alle möglichen Zwecke
der Optik, der Apparate- und Laboratoriumstechnik, der medizinischen Geräte und der Ver
packung. Beim Flachglas sind feuerpolierte und gesohliffenpolierte, hei den Sicherheitsgläsern
Schichtengläser und vorgespannte Gläser zu unterscheiden.
Auf fast allen Gebieten der Technik und des täglichen Bedarfs haben heute auch die
Kunstharz-Preßstoffe Bedeutung erlangt, eine Bedeutung, die nur schwer überschätzt
werden kann, obwohl sie vorläufig durch die Preise noch nicht überall wettbewerbsfähig sind
und auch im Aussehen und in der Verwendungsfähigkeit noch nicht restlos befriedigen. Eine
ganze neuartige Industrie ist entstanden, die Kunststoff-Preßwerke, welche den Rohstoff
als pulvrige oder körnige Masse beziehen und zu Gebrauohsgegenständen der Technik und des
Haushalts verpressen. Doch sind auch Stäbe und Röhren von beliebiger Form, die auf Stanz
pressen erzeugt wurden, als Halbware im Handel und ebenso Sonderstoffe mit Hartgewebe
oder Zellulose- oder Asbestgespinst-Einlagen, die eine sehr hohe Festigkeit erreichen und damit
im Maschinen- und Vorrichtungsbau verwendbar werden. Statt Gußstücken aus Leichtmetall
oder Kupferlegierungen wird man häufig Gewebepreßteile und statt Profilmessing und Mes
singrohr Kunstharzprofile verwenden können. Das ergibt in vielen Fällen zwar ganz andere
und neuartige Möglichkeiten, die sich jedoch nicht immer mit den vorhandenen Einrichtungen
bewältigen lassen.
Für die Herstellung des Gehäuses für ein Rundfunkgerät beispielsweise kann
gleicherweise Holz, Metall oder künstlicher Preßstoff (Kunstharz-Preßstoff) verwendet
werden. Von der Benutzung des einen oder anderen Stoffes ist dann nicht nur das äußere Aus
sehen abhängig, was für den Absatz Bedeutung hat, sondern mehr noch die gesamte Technik
der Herstellung. Bei der Verwendung von Holz wird ausschließlich die spanende Formgebung