Full text : Der Wirtschaftsbetrieb als Betrieb (Arbeit)

Die  Stoffe  und  Kräfte.

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benutzt  werden,  bei  der  von  Metall  wohl  ebenfalls;  aber  schon  die  Art  dieser  Bearbeitung  bedingt ­
  völlig  andere  Werkzeuge,  andere  Werkzeugmaschinen,  andere  Verbindungsarten  und
danach  natürlich  andere  Bauformen  überhaupt.  Bei  der  Verwendung  von  künstlichem  Preßstoff
  treten  wieder  ganz  andere  Bearbeitungsfragen  auf,  die  andere  Maschinen  und  Werkzeuge
und  andere  Verbindungsmittel  erfordern.
Immerhin  zeigen  schon  die  dazu  benutzten  Werkzeuge  und  Maschinen  große  Unterschiede
nach  Bauart,  Haltbarkeit  und  Arbeitsgeschwindigkeit.  Größer  noch  werden  die  Unterschiede
beim  Zusammenfügen  der  einzelnen  Bauteile.  Das  Holz  wird  verschraubt  und  verleimt,  das
Metall  verschraubt,  vernietet  und  verschweißt,  der  Preßstoff  verschraubt  und  verklebt,
wobei  wieder  bis  in  die  kleinsten  Bauteilchen,  hier  die  Schrauben  und  Meten  oder  die  Klebmasse, ­
  der  Werkstoff  berücksichtigt  werden  muß:  Metall-  und  Holzschräubchen  sind  nicht
gleich  nach  der  Gewindeform,  die  Frage,  ob  Versenkschrauben  oder  Kopfschrauben  in  Holz,
Metall  oder  Preßstoff,  ob  Met  oder  Schraube  in  Metall  und  Preßstoff  wird  aufgeworfen.
Greift  der  Betrieb  aber  sogar  zur  eigenen  Herstellung  auch  des  Halbstoffs  über,  so  werden
völlig  verschiedenartige  Betriebe  nötig:  Sägereien,  Walzwerke,  Preßwerke.  Ganz  andere
Facharbeiter,  andere  Werkstoff-  und  Verfahrenskenntnisse,  andere  Erfahrungen  im  Verhalten
der  Stoffe  bei  der  Bearbeitung  und  beim  späteren  Gebrauch  sind  erforderlich,  eine  ganznndere
Lagerhaltung,  ein  anderer  Einkauf,  eine  andere  Maschinenausrüstung.  (
Was  hier  an  dem  einfachen  Beispiel  eines  Rundfunkgerätegehäuses  gezeigt  wurde,  trifft
weitgehend  für  die  ganze  Industrie  zu.  Selbst  scheinbar  geringfügige  Ursachen  haben  tiefgehende ­
  Umgestaltungen  zur  Folge.  Schon  sehen  wir  Becher  und  Gebrauohsgeschirre,  die
früher  nur  aus  Holz  oder  Zinn,  später  aus  Glas  und  Porzellan  gefertigt  waren,  nunmehr  aus
anderen  Stoffen  hergestellt.  Holz-  und  Zinngefäße  können  nicht  hoch  erhitzt  werden,  und
daher  brauchte  man  zum  Kochen  besondere  Stein-  oder  Eisengeräte;  auch  Porzellan  und  Glas
waren  bis  in  die  Neuzeit  hinein  nur  wenig  feuerbeständig.  Heute  kann  die  Hausfrau  in  Glasund
  Porzellantöpfen  backen  und  braten,  so  daß  also  vielfach  Aluminiumgeschirr,  Pfannen  und
Kessel  überflüssig  werden.  Was  das  für  die  Hersteller  dieser  Waren  bedeutet,  ist  klar.
Ein  anderes  Beispiel  für  die  aus  den  verschiedenen  Stoffen  sich  ergebenden  Möglichkeiten
ist  die  heute  so  zeitgemäße  Kraftwagenherstellung.  Ursprünglich  ein  vom  Stellmacher
verfertigter  Wagen  mit  eingebautem  Motor,  verändern  sich  Gestalt  und  stoffliche  Zusammensetzung ­
  von  Jahr  zu  Jahr  und  zwar  nicht  nur  im  großen,  sondern  bis  in  die  kleinsten  Einzelheiten ­
  hinein.  Längst  ist  dem  Stellmacher  die  Arbeit  entglitten,  da  die  Aufbauten  nicht  mehr
aus  Holz,  sondern  aus  Stahl  gefertigt  werden;  statt  des  mehr  handwerklichen  Aufbaus  aus
einzelnen,  in  mühevoller  Kleinarbeit  zusammengefügten  Holzteilchen  wird  jetzt  die  Karosserie ­
  aus  einigen  Blechteilen  in  wenigen  Stufen  unter  riesigen  hydraulischen  oder  Exzenterpressen ­
  gepreßt  und  durch  Schweißung  verbunden.  Für  die  Sitze  kann  Leder,  Kunstleder
oder  Stoff,  für  die  Polsterung  Stahlfedern,  Kapok  oder  Seegras,  für  die  Einbauten  und  Hilfsteile ­
  Holz,  Metall  oder  Kunststoff  u.  ä.  Verwendung  finden.
Aber  nicht  nur  verschiedene  Arten  von  Rohstoffen  stehen  für  jeden  Zweck  zur  Verfügung;
oft  ermöglichen  kleine  Verfahrensänderungen  die  Verwendung  anderer  Halbstoffe.  Die
Art  der  Verbindung  machte  bisher  die  Benutzung  von  Bohren  als  Baustoff,  z.  B.  im  Hochbau
und  Maschinen-  und  Apparatebau,  fast  unmöglich,  obwohl  die  runde  und  noch  dazu  hohle
Form  bei  gleichem  Aufwand  an  Stoff  die  höchsten  Beanspruchungen  auf  Zug  und  Druck  zuläßt. ­
  Erst  die  Sohweißverfahren  (autogen  und  elektrisch)  brachten  hier  eine  Wandlung.  Heute
werden  beim  Bau  von  Masten  und  Gerüsten  von  Dächern  und  Hallen  selbst  im  Brückenbau
Stahlrohren  verwendet,  weil  durch  Verschweißen  eine  einwandfreie  Verbindung  auf  der  Baustelle ­
  möglich  geworden  ist.  Im  Maschinen-  und  Apparatebau  werden  Gehäuse  und  Grundplatten ­
  oft  nicht  mehr  gegossen,  sondern  aus  einzelnen  Blechen  und  Formeisen  verschweißt.
Man  braucht  also  kein  Gußeisen  mehr,  sondern  Walzeisen,  schmiedbares  Eisen,  was  fast  immer
eine  erhebliche  Ersparnis  an  Gewicht  bei  gleicher,  meist  sogar  vermehrter  Festigkeit  bedeutet.
Gerade  der  Maschinenbauer  hat  eine  umfassende  Stoffkenntnis  nötig,  die  sich  natürlich
auf  das  Verhalten  nicht  nur  bei  der  Verarbeitung,  sondern  mehr  noch  beim  späteren  Gebrauch
beziehen  muß.  Aber  er  muß  auch  das  Aussehen  und  den  Preis  mit  beachten,  um  immer  wettbewerbsfähig ­
  zu  bleiben.  Stahl  und  Leichtmetalle  sind  heute  im  Hinblick  auf  die  Verwendungsmöglichkeit ­
  auf  weiten  Gebieten  gleichwertig,  vor  allem  in  bezug  auf  die  Festigkeitseigenschaften.
  Aber  sie  unterscheiden  sich  sehr  im  Preis  und  im  Gewicht;  fast  jeder  Einzelfall  muß  daher
genau  untersucht  werden.  Oft  kann  durch  die  Verwendung  eines  anderen  Stoffes  ein  ganz
neues  Gebiet  erschlossen  werden.  So  machte  erst  das  Leichtmetall  den  Kraftwagen,  das  Flugzeug, ­
  das  Luftschiff  in  der  heutigen  Form  möglich.
So  sehen  wir  in  den  Maschinen-  und  Ajiparatebauanstalten  eine  Fülle  von  Stoffen ­
  im  Gebrauch.  Die  verschiedenartigsten  Zusammenstellungen  sind  für  den  jeweiligen  Verwendungszweck ­
  möglich  und  der  Konstrukteur,  aber  damit  auch  der  Unternehmer,  muß  mit
ihnen  rechnen.  Er  muß  wissen,  daß  es  nicht  rostende  Stähle  gibt,  die  er  für  bestimmte  Geräte
und  Zwecke  heute  nicht  entbehren  kann;  aber  es  gibt  auch  andere  Mittel  gegen  den  Bost:
das  Vernickeln,  das  Streichen  mit  besonderen  Rostschutzfarben,  das  Kupfern,  die  Her-
            
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