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Die Grundlagen.
formschmiederei und Gesenkschimederei. Das Freiformschmieden geht langsamer, aber auch
kunstfertiger vor sich, während Massenartikel immer im Gesenk geschmiedet oder gepreßt
werden. Die Herstellung dieser Gesenke und der für die Bearbeitung sonst noch nötigen Vor
richtungen (Bohrlehren, Haltestücke) erfordert viel Geschick und Zeit; die Anfertigung einer
Vorrichtung lohnt sich nur hei bestimmten Stückzahlen.
Das Schmieden und Pressen kann warm oder kalt erfolgen, wie übrigens auch das Walzen
von Profilen und Blechen; die Ersparnis an Zeit und Kosten für das Vorwärmen wird durch
die erforderlichen höheren Leistungen der Pressen und Walzen vielfach ausgeglichen. Immer
hin sind für bestimmte Anforderungen des Aussehens (Glanz) oder des Stoffgefüges beide not
wendig, ganz abgesehen davon, daß allein die notwendigen Kraftleistungen für Kaltpressungen
und Kaltwalzungen nicht oder nur sehr kostspielig zu erzielen sind. Oft kann für sehr hohe
Drücke und für sehr sperrige und umfangreiche Preßstücke nur die hydraulische Presse Ab
hilfe schaffen.
Ob ein Loch gebohrt, gestanzt, gebrannt oder geschlagen werden soll, oh eine Verbindung
verschraubt, vernietet, verschweißt oder verkeilt werden soll, ob ein Schnitt durch Sägen,
Schneiden oder Brennen, ein Druck durch Schlag, Walzung oder Pressung ausgeführt werden
soll, stets sind andere Vorrichtungen und andere Hilfsmittel, oft sogar andere Facharbeiter
nötig. So ist die mechanische Werkstatt gekennzeichnet durch Maschinen und Werkzeuge der
spanabhebenden und spanlosen Formung: durch Drehbänke, Bohrwerke, Stanzmaschinen,
Hobel- und Fräsbänke, Schneid-, Säge- und Schleifmaschinen, Glüh- und Sohmelzfeuer,
Dampf- und Lufthämmer, Kurbel-, Exzenter- und Friktionspressen, Walzen-, Biege- und
Abkantmasohinen.
Wenn wir in die der chemischen Industrie zumeist vorgeschalteten Aufbereitungs
anstalten blicken, zeigt sich das gleiche Bild; eine Fülle von Möglichkeiten, eine Fülle von
Geräten und Apparaten, die zwar alle dem gleichen Zweck dienen, von denen aber doch jeder
seine besonderen Vorzüge und Nachteile auf gewissen Gebieten hat. Zum Zerkleinern der
klumpigen und steinigen Hartstoffe braucht man Brecher und Mühlen, die ersteren zur Grob
zerkleinerung, die letzteren für die Feinvermahlung. Aber es gehört eine gute Kenntnis des
Stoffes und der Apparatur im Betriebe dazu, um den jeweils geeigneten Zerkleinerer anzu
setzen. Schwerste Arbeit, aber nur grobes Korn leistet der Backenbrecher, feineres Korn bei
weniger harten Stoffen bringen schon die Kreisel-, Walzen- und Hammerbrecher; für mittlere
Korngrößen kann man zwischen Granulatoren, Brechschnecken, Glocken- und Bingwalzen
mühlen, Kollergängen, Holländern (für faserige Stoffe), Schlagstift- und Schleudermühlen
wählen. Der Feinvermahlung dienen Pochwerke und Mahlgänge, Eingwalzen-, Kugel- und
Rohrmühlen.
Auch für die Trennung der Stoffe nach Korngröße und Gewicht stehen je nach der ge
wünschten Feinheit und dem vorhandenen Gewichtsunterschied Siebe und Roste, Windsichter,
Setzmaschinen, Strömungsscheider (Rheo-Verfahren, Spitzkästen, Luft- oder Wasserwerke)
zur Verfügung. Für jeden Stoff ergibt sich nach seinen physikalischen und chemischen Eigen
schaften ein besonders günstiges Verfahren der Aufbereitung; die Farbe, die Form, der Glanz
oder die Spaltbarkeit werden bei der Handaufhereitung benutzt, das spezifische Gewicht hei
der naßmechanisohen und der Luftaufbereitung, die Oberflächenspannung bei der Schwimm
aufbereitung (Flotation), das chemische Lösungsvermögen bei der Laugung, die magnetische
Leitfähigkeit bei der Magnetscheidung. Oft müssen Stoffe mit ganz bestimmten Eigenschaften
ausgeschieden werden, wobei häufig andere, verwandte und hervorstechende Eigenschaften
als Soheidungsmerkmale herangezogen werden müsen; so ergehen sich neuerdings in der
Kohlenaufbereitung Fragen der Ausscheidung der für die Verflüssigung besonders geeigneten
Kohle oder für die Verbrennung in Kohlenstaubmotoren die Ausscheidung einer Kohle mit
nur toniger Asche unter 1%.
Gehen wir zur Textilindustrie über, so stehen in der Spinnerei Ringspinner und Selbst
spinner zur Auswahl; ersterer liefert zwar stetig, aber ein schnittiges und hartes Garn, während
der letztere zwar nur absatzweise arbeitet, dafür aber weichere, besser gedrehte und gleich
mäßigere Garne liefert. In der Weberei sind der einfache Wehstuhl mit einfachem Schiffchen
für einfarbigen Schuß und der Wechselwebstuhl mit verschiedenem Schuß, hei diesem wieder
der Steigladen-, der Schwingladen- und der Revolverwebstuhl und endlich noch die Schaft-
und die Jaquardmaschine zu unterscheiden.
Ja selbst für einen einfachen Transportvorgang, etwa das Fortbewegen von Schütt
gütern, ist eine Vielzahl von Möglichkeiten entwickelt worden. Der Transport kann zunächst
unterbrochen vor sich gehen; in diesem Falle können Wagen, gleislos und gleisfahrend, mit
eigenem oder Fremdantrieb Verwendung finden. Einen Übergang zur stetigen Förderung
bildet die Zugförderung, zu der auch Ketten-, Seil- und Schwebebahnen zu zählen sind.
Förderbänder, Kratzer, Schüttelrinnen, Förderschnecken, Becherwerke, Wasserrinnen der
verschiedensten Systeme stellen die stetige Nahförderung dar. Der zähe Kampf der Schüttel
rutsche, des Stahlglieder- oder Gummigurtbandes, der Kratzerkette und einiger anderer ste
tiger Fördermittel untereinander und mit dem Förderwagen, zwischen dem Fördergestell und