Full text : Der Wirtschaftsbetrieb als Betrieb (Arbeit)

Das  Entgelt.

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Sonst  sind  die  Betriebe  in  starkem  Maße  auf  die  Wirkung  der  von  ihnen  betriebenen ­
  Werbung  angewiesen:  der  Briefe,  die  der  Korrespondent  eines  Exporthauses ­
  von  Eall  zu  Fall  an  die  Geschäftsfreunde  im  Ausland  hinausgehen  läßt,
der  Ausschmückungskunst,  die  den  Vorübergehenden  an  das  Schaufenster  fesselt,
der  Anzeigen-,  Licht-,  Bild-,  Tonwerbung,  mit  der  der  Werber  in  immer  neuen
Weisen  das  Publikum  bei  allen  Gelegenheiten  und  zu  allen  Zeiten  verfolgt  —  alles
besondere  Leistungen,  die  für  die  Umsatzsteigerung  und  die  Gewinnbildung  wichtig ­
  sind  und  daher  entsprechend  abgestuffce  Entgelte  für  die  verschiedenen  Typen
der  kaufmännischen  Grundarbeit  rechtfertigen.
Anders  liegen  die  Dinge  bei  den  kaufmännischen  Nebenarbeiten;  sie  sind  nicht
als  unmittelbar  gewinnbringend  anzusprechen,  aber  erforderlich,  um  die  Durchund
  Ausführung  der  gewinnbringenden  Geschäfte  sicherzustellen.  Vor  allem  fehlen ­
  bei  ihnen  feste  und  unmittelbare  Bezugsgrößen  zu  den  Leistungen  des  Wirtschaftsbetriebes, ­
  die  dem  Markt  zur  Verfügung  gestellt  werden.  Die  Zahl  der
Buchungen  im  Kontokorrent  oder  Kassenjoumal,  die  Zahl  der  erledigten  Anfragen
oder  Bestellungen,  der  Umfang  der  verausgabten  Materialien  aus  dem  Lager,
die  Zahl  der  Auftragsabrechnungen  u.  a.  stehen  zwar  in  einem  mittelbaren  Zusammenhang ­
  mit  der  letzten  Betriebsleistung  und  bewirken  in  gewissem  Umfang
je  nach  der  Tätigkeit  sogar  eine  unmittelbare  Verbesserung  dieser  Leistung,  aber
die  einwandfreie  Messung  und  Zurückführung  des  Anteils  der  einzelnen  Tätigkeit
an  dieser  Verbesserung  ist  nicht  möglich.  Es  kommt  hinzu,  daß  sich  für  die  Erledigung ­
  der  Hilfsarbeit  vielfach  bestimmte  Verfahrensweisen  herausgebildet
haben,  die  leicht  erlernbar  sind  und  die  die  einzelne  Hilfsarbeit  in  mehr  oder
minder  starkem  Maße  vertretbar  machen.
So  entsteht  die  Neigung  des  Betriebes,  die  Entgelte  für  diese  Arbeiten  entsprechend ­
  zu  behandeln,  d.  h.  sie  in  geringer  Höhe  anzusetzen.  Es  bestehen  zwar
auch  in  der  Bezahlung  der  einzelnen  Typen  von  kaufmännischen  Nebenarbeiten
noch  gewisse  Unterschiede;  so  ist  z.  B.  das  Gehalt  eines  ersten  Korrespondenten
im  Exportgeschäft  häufig  höher  als  das  eines  Buchhalters,  das  Gehalt  des  Kassierers
höher  als  das  eines  Lager  Verwalters.  Im  ganzen  gesehen  bleiben  jedoch  diese
Gehälter  hinter  denen  der  oben  erwähnten  Typen  der  Einkäufer,  Verkäufer,
Werber  zurück.  Ganz  besonders  greift  die  Verringerung  der  Entgelte  auf  die  im
Verfolg  des  Großbetriebes  besonders  schnell  zunehmenden  mehr  mechanischen
Arbeiten  des  Rechnens  und  des  Schreibens  Platz,  für  die  ungelernte  und  leicht
anlernbare  Hilfskräfte  verwendet  werden  können
Diese  Erscheinung  ist  insbesondere  in  den  Großbankbetrieben  anzutreffen.  Hier  nehmen
die  kaufmännischen  Hilfsarbeiten  (bei  dem  Zablungs-,  Überweisungs-  und  Effektenverkehr)
einen  großen'  Raum  ein,  während  die  eigentliche  Bankarbeit  (die  Kreditgewährung,  Festsetzung ­
  der  Bedingungen,  die  Geldanlage)  von  einem  kleinen  Kreis  von  Personen  erledigt  wird.
Der  laufende  Geschäftsverkehr  mit  den  Kunden  ist  überwiegend  einfache  Zähl-,  Schreib-  und
Bucharbeit.  Für  die  Erledigung  dieser  Massenarbeiten  wird  eine  große  Zahl  von  Angestellten
angesetzt,  die  zu  Hunderten  dieselbe  Teilarbeit  verrichten,  wie  zum  Beispiel  das  Buchen  auf
Kassenbogen,  das  Übertragen  in  das  Kontokorrent  oder  das  Zählen  von  Zinsscheinen  und  die
Ausfertigung  von  Effektenabrechnungen.  Von  den  insgesamt  rd.  17  600  Angestellten  der
Dedi-Bank  dürften  schätzungsweise  etwa  1500  auf  leitende  Angestellte  (Abteilungsleiter,
Depositenkassenvorsteher,  Pilialdirektoren  sowie  Direktoren  bei  der  Hauptbank)  entfallen.
Die  Aufwendungen  für  Personal  betrugen  1935  über  85  Mill.  RM  =  72%  der  Gesamteinnahmen ­
  oder  35  Mill.  RM  mehr  als  die  Einnahmen  aus  den  Zinsen.  Wie  man  sieht,  spielt  hier  die
Höhe  der  Gehälter  eine  entscheidende  Rolle,  und  zwar  sowohl  mit  Bezug  auf  den  einzelnen
Angestellten  als  auch  insgesamt  über  die  Gewinn-  und  Verlustrechnung  für  die  Zins-  und  Gebührenpolitik ­
  der  Bank  (Zinsspanne).  Die  Art  der  Arbeiten  wie  die  Kosten  für  ihre  Erledigung
bilden  zugleich  einen  wirksamen  Anreiz  zur  Einführung  von  Maschinen  in  den  Bereich  der
kaufmännischen  Arbeit:  Schreib-,  Rechen-,  Buchungs-  usw.  Maschinen,  wie  dies  in  B  II  dargestellt ­
  ist  (vgl.  auch  C,  Organisation).
Ist  die  geringere  Bezahlung  dieser  Arbeiten  in  ihrer  Art  und  Erledigung  begründet, ­
  so  weiß  doch  der  Unternehmer,  daß  die  gering  entlohnten  Arbeitskräfte
            
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