Full text : Wie Deutschland seine Schulden bezahlen kann!

29

können.  Was  zunächst  die  erstgenannte  Forderung  anlangt,  so  wird
unser  geltendes  Steuerwesen  ihr  nicht  im  entferntesten  gerecht.  Das
beweist  schon  das  fieberhafte  Bestreben  der  Regierung,  immer  neue
Wege  der  Besteuerung  aufzufinden.  Wir  haben  das  betrübende  Ergebnis ­
  zu  verzeichnen,  daß  eine  ganze  Reihe  unserer  Steuern  in  ihrem
Ertrage  weit  hinter  den  seitens  der  Regierung  gehegten  Erwartungen
und  amtlichen  Veranschlagungen  zurückgeblieben  ist,  was  sich  eben  aus
der  Verkehrtheit  des  geltenden  Steuersystems  erklärt,  das  das  Kapital
zu  sehr  belastet.  Folgendes,  in  den  Zahlen  selbstredend  übertriebenes, ­
  im  Prinzip  jedenfalls  richtiges  Beispiel  möge  dies  veranschaulichen: ­
  Angenommen  ein  Jnlandsdeutscher  hätte  einen  ganz
großen  Diamanten,  den  er  an  das  Ausland  für  30  Milliarden  verkaufen ­
  kann.  Er  fragt  bei  der  Regierung  an,  welche  steuerlichen
Folgen  das  für  ihn  hätte,  und  diese  würde  nach  der  heutigen  Steuerpolitik ­
  folgende  Antwort  erteilen:  „Zunächst  mußt  du  6  Prozent  Ausfuhrsteuer ­
  und  15  Prozent  Luxussteuer  entrichten,  sodaß  sich  24  Milliarden
ergeben.  Dann  mußt  du  außerdem  noch  20  Milliarden  Einkommenund
  Vermögenssteuer  abführen;  es  werden  dir  also  4  Milliarden  verbleiben." ­
  Selbstverständlich  wird  der  Besitzer  unter  solchen  Umständen
auf  den  Verkauf  verzichten  und  versuchen,  den  Stein  ins  Ausland
zu  schmuggeln,  so  daß  der  Regierung  die  ganzen  Steuern  entgehen.
Das  mag  staatsbürgerlich  verwerflich  sein,  ist  aber  tatsächlich  so  und
schließlich  ja  auch  verständlich,  und  nur  Tatsachen  entscheiden  hinsichtlich ­
  des  Steuerertrages.  Volkswirtschaftlich  richtig  hätte  die  Regierung
m.  E.,  so  unglaublich  es  zunächst  klingen  mag,  dem  Manne  sagen
müssen:  „Wenn  es  dir  gelingt,  den  Diamanten  für  30  Milliarden
an  das  Ausland  zu  verkaufen,  so  nehmen  wir  dir  nicht  nur  nichts
weg,  sondern  wir  geben  dir  noch  eine  Belohnung  von  2  Milliarden,
denn  unsere  Volkswirtschaft  würde  ja  durch  die  dann  sofort  erfolgende
Steigerung  des  Mark-Kurses  jeden  Monat  Milliarden  ersparen.  Daß
du  dagegen  mit  einem  Male  32  Milliarden  besitzest,  tut  unserer
Volkswirtschaft  nichts,  denn  du  bist  ja  unfähig,  diesen  ungeheuren
Betrag  zu  verzehren,  und  es  kann  uns  nur  recht  sein,  wenn  dein
Kapital  die  Blutmenge  unseres  Wirtschaftskörpers  vermehrt."  Bei
dieser  Betrachtung  sei  auf  die  in  Deutschland  aus  Steuerangst  gehamsterten ­
  Juwelen  und  wertvollen  Luxusartikel,  wie  Teppiche,  Bilder
und  dgl.,  hingewiesen.  Angenommen,  daß  der  Wert  dieser  Gegenstände
heute  30  Milliarden  beträgt,  so  könnte  man  sich  auf  den  Standpunkt
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.