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Zur Untersuchung der Frage, inwieweit Zinseinflüsse
auf die chinesischen Wechselkurse eingewirkt haben, stehen
nur die erwähnten native interest-Sätze vom April 1908 an
zur Verfügung, die von einer deutschen Firma in Schanghai
durch vielfältige, dankenswerte Vermittlung beschafft wer
den konnten. Bei dem Mangel jeglicher Statistik — „weil
zu unwesentlich“ — waren weitere Ziffern trotz vieler Mühe
nicht zu erlangen. Zu den native interest ist zu bemerken,
daß sie nur für den Verkehr zwischen den Chinesen und den
chinesischen Banken in Frage kommen, daß sie trotz der
Veröffentlichung keine bindende Wirkung haben, und daß
vielmehr die chinesischen Banken gewöhnlich mehr als ver
öffentlicht zuzüglich einer hohen Kommission berechnen.
Für den hier verfolgten Zweck dürften die Ziffern trotzdem
ausreichen, da es dabei weniger auf die absolute Höhe als
auf die Bewegung der Sätze ankommt und diese durch die
Fehlermöglichkeiten, weil dauernd vorhanden, nicht ver
dunkelt wird. Auch von den für den Verkehr der Fremden
untereinander geltenden Sätzen dürften sich die native
interest hinsichtlich ihrer Bewegung nicht wesentlich unter
scheiden, denn wenn nach Schumacher 1 ) die Chinesen
es verstehen, auf die europäischen Wechselkurse einen maß
gebenden Einfluß auszuüben, so wird dies bei der Zinsgestal
tung noch stärker der Fall sein.
Die von drüben in mace und candareen pro 1000 Tael
und einen Tag gemachten Angaben wurden für jeden Tag
in Prozente pro Jahr umgerechnet, die Differenz gegenüber
dem Londoner Marktsatz des betreffenden Tages ermittelt
und als über ( + ) bezw. unter (—) London in die Diagramme
eingetragen,
Die Jahresdurchschnittsberechnung der chinesischen
Sätze ergibt für die Jahre 1907 1908 1909 1910
native interest in Schanghai -—- 4,75% 3,63% 4,38%
Gegenüber London 4,53%_ 2,31 % 2,31% 3,18%
Schanghai über London — +2,44% +1,32% +1,20%
Schanghai t, t. unter Parität 0,72 d 0,02 d 0,08 d 0,32 d
1) Schumacher, Die Organisation des Fremdhandels in
China, S, 271: ‘Selbst auf die Wechselkurse mit Europa und Amerika
hat die chinesische Kaufmannschaft — wie mir ein maßgebender
Geschäftsmann Schanghais versicherte — zum mindesten ebenso viel
Einfluß wie die fremde.’