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5, Die Wechselkurse von Hongkong und Schanghai.
Die Republik China umfaßt noch immer ungefähr alle
Stufen wirtschaftlicher Entwicklung, was in ganz besonde
rem Maße von den Währungsverhältnissen 1 ) des Riesen
reiches gilt. Man kann nicht einfach sagen, China besitzt
Silber- oder Kupferwährung, man kann überhaupt nicht von
einer einheitlichen Währungsform sprechen, vielmehr laufen
Kupfergeld und Silbermengen nebeneinander her, ohne
durch ein anderes System als das schwankende Verhältnis
des Metallwertes miteinander verbunden zu sein.
Weiterhin sind auf der einen Seite die gebräuchlichen
Mengeneinheiten des Silbers von Ort zu Ort nach Menge
und Feinheit verschieden, bedürfen also bereits für sich einer
Wertrelation im Verkehr zwischen zwei Orten, Auf der an
deren Seite ist für das geprägte Kupfergeld das gleiche der
Fall; die vielen, örtlich verschiedenen Käsch-Arien (kleinste
Kupfermünze) stehen ebenfalls in bestimmtem Verhältnis
zueinander, nur tritt hier erschwerend hinzu, daß ausge
dehnte Fälschungen und minderwertige Prägungen für die
einzelne Münze ein Disagio bedingen, das wiederum für jede
Käsch-Art womöglich noch innerhalb derselben Art ver
schieden ist, wenn es sich etwa um zweierlei Ausprägungen
handelt. Um den Wert eines Käsch in A, gegenüber dem
Wert eines Käsch in B. nach dem Maßstabe unseres Gold
geldes zu bestimmen, bedürfte es infolgedessen einer langen
Reihe von Proportionen. Außerdem werden seitens der
Münzausgabestellen vielfach durch eine künstlich herbei
geführte Geldkontraktion die Werte abermals geändert.
(Letzteres geschieht durch die Mandarinen, um unterwerti
ges Geld in den Verkehr zu pressen.)
Ferner existiert in weiten Gebieten Chinas noch reiner
Tauschverkehr, während gleichzeitig zwischen diesem und
der Kupferwährung die mannigfaltigsten Übergänge be
stehen. Ein Bild des Tauschverkehrs ergibt sich aus folgen
1) Über die Währungsverhältnisse Chinas siehe besonders Sonn-
dorfer, Swoboda und Frankfurter Zeitung 1911 Nr, 221, F. W.
Hack, Bank- und Geldwesen in China.