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Wolowskz, Die schottischen Spar- und Leihbanken, übersetzt v. Holtzen-
dorf. Berlin 1868.
Zur Befriedigung vorübergehenden Geldbedarfs kann der Landwirt
Kredit gegen Faustpfand benutzen oder Personalkredit. Der erstere
findet bei den Banken durch Deponierung von sicheren Wertpapieren
(Lombarddarlehen), oder von Naturalien statt. Das letztere geschah
schon im Mittelalter in Italien in den sogenannten monti di pieta, eine
Art Pfandleihinstitut, bei denen Wolle, Getreide und dergleichen land-
wirtschaftliche Produkte, welche im Momente nicht für einen ange-
messenen Preis abzusetzen waren, in bestimmten Lagerhäusern nieder-
gelegt und darauf Darlehen gewährt wurden. In der gleichen Weise
wird auch noch jetzt in bestimmten Lagerhäusern, den Silos. oder
Kornhäusern Getreide aufgespeichert, angemessen behandelt und event.
bis zum Verkaufe belichen. Da aber die Landwirte nicht immer über
entsprechende Werte disponieren, namentlich nicht nach Missernten, so
muss noch häufig der Personalkredit in Anspruch genommen werden.
Kontokorrent- Das Naheliegendste und Beste zur Befriedigung desselben liegt
verkehr. darin, dass der Landwirt, wie der Kaufmann mit einer, sicheren
Bank in cinen dauernden Kontokorrentverkehr tritt, d.h. der Bank
fortlaufend die überschüssigen Gelder zufliessen lässt, und diese dafür
die hauptsächlichsten laufenden Zahlungen für den Landwirt übernimmt.
Nur auf diese Weise ist der Bankier in der Lage, die Kreditwürdigkeit
des Landwirtes zu übersehen, nicht nur die Wohlstandsverhältnisse
desselben, sondern vor allem, worauf es ihm speziell ankommen muss,
ob er ein solider Geldwirt und pünktlicher Zahler ist und nicht
durch Säumigkeit Umständ2? oder gar Prozesse veranlasst. So lange
der Landwirt sich von einem regelmässigen Bankverkehre ferne hält,
kann er Personalkredit nicht erwarten und muss in dieser Hinsicht
ungünstiger dastehen, als ein Kaufmann mit sehr viel geringeren
Mitteln, dessen ganze Geschäftsthätigkeit von dem Bankier beständig
kontrolliert werden kann. Daher steht den Landwirten in dem
britischen Reiche, in Nordamerika überall ausreichender Personalkredit
zur Verfügung, weil selbst der kleine Farmer bei ciner Bank ein Konto
hält. In Deutschland dagegen sind die Klagen der Landwirte über
anzureichenden Personalkredit ausserordentlich verbreitet und man ist
genötigt, zu besonderen Hilfsanstalten die Zuflucht zu nehmen, weil er
von den vorhandenen Bankinstituten nicht den ausreichenden Gebrauch
macht, oder sichere Banken nicht überall verbreitetet und dem Land-
wirte nahe genug gerückt sind. Namentlich für den kleinen Landwirt
sind deshalb noch Einrichtungen erforderlich, die seinem Kredit-
bedürfnis in besonderer Weise entgegenkommen.
Schottischen Drei verschiedene Arten der Bankinstitute sind nach dieser Rich-
Spar- u, Leib-tung erwähnenswert. 1. Die schottischen Spar- und Leihbanken.
banken. T)jeselben sind Filialen grösserer Banken, die in den kleinen Land-
städten verbreitet sind, um von den Landwirten Spareinlagen aufzu-
achmen und ihnen nach Bedarf Vorschüsse zu machen. Bei den letz-
teren verdient der sogenannte cash-credit besondere Erwähnung. Die
Bank sucht sich in den einzelnen Gemeinden Vertrauensmänner,
welche die Kreditwürdigkeit der einzelnen Landwirte beurteilen können
und sie der Bank empfehlen, indem sie angeben, wie hoch denselben
ohne Gefahr Darlehen gewährt werden könne, und sie Bürgschaft für