Full text : Gleichberechtigung von Kapital und Arbeit

ungeheuren  Staatslasten  phantastisch  erhöhen,  so  daß  daran  gar
nicht  zu  denken  ist,  und  würde,  selbst  wenn  der  Privatbesitz  als
dem  Staate  geliehenes  Dar  lehn  nur  verzinst  würde,  nichts  am
kapitalistischen  System  ändern.  Wie  soll  aber  eine  bürokratisierte
Wirtschaft  die  notwendigen  Leistungen  hervorbringen;  ist  doch
selbst  die  Privatwirtschaft  in  der  gegenwärtigen  Lage  vielfach  und
in  den  meisten  Fällen  nicht  fähig,  die  Löhne  den  Lebensnotwendigkeiten ­
  entsprechend  zu  gestalten.  Auch  darin  hat  der  Standpunkt
der  Unternehmer  seine  Berechtigung,  daß  es  unbillig  wäre,  einen
einzigen  Industriezweig,  wie  den  Bergbau,  allein  in  eine  neue  Wirtschaftsform ­
  überzuführen,  während  die  gesamte  übrige  Industrie
weiter  auf  kapitalistischer  Grundlage  aufgebaut  sein  soll.
Das  Bestreben  der  Arbeiter  hat  dagegen  im  inneren  Kern  seine
volle  Berechtigung,  wenn  es  die  Anerkennung  des  Wertes  der  Arbeit
zum  Ziele  hat.  Die  vom  Kohlenbergbau  zugebilligte  Beteiligung
der  Arbeiter  am  Gewinn  durch  die  Kleinaktie  muß  von  den
Arbeitern  als  ein  Hohn  auf  ihre  Rechte  aufgefaßt  werden,  wird
ihnen  doch  dabei  zugemutet,  selbst  die  kapitalistische  Wirtschaftsform ­
  von  sich  aus  im  Prinzip  für  alle  Zukunft  zu  stützen.  Gerade
unter  den  gegenwärtigen  Lebensverhältnissen  würde  auch  eine
Festlegung  irgend  eines  Teiles  vom  Lohne  im  Betriebe  für  die
größte  Mehrzahl  der  Arbeiter  unmöglich  sein,  da  die  Löhne  fast
in  keinem  Falle  das  allgemeine  Lebensniveau  der  Vorkriegszeit
gestatten,  mithin  nicht  einmal  normalerweise  ausreichen.  Das
Recht,  das  dem  Arbeiter  der  Besitz  von  Kleinaktien  geben  würde,
würde  außerdem  in  gar  keinem  Verhältnis  zu  ihrem  Arbeitswert
stehen,  sondern  nur  ihren  Besitzverhältnissen  entsprechen  und  tatsächlich ­
  gar  nichts  bedeuten.  Es  würde  daraus  auch  weder  ein
materieller  noch  ein  ideeller  Nutzen  für  die  Volkswirtschaft  entspringen. ­
  Die  Kleinaktie  ist  aber  auch  das  einzige  —  scheinbare  —
Entgegenkommen  der  Industrie  gegenüber  dem  berechtigten  Verlangen ­
  des  arbeitenden  Menschen,  einen  dem  Wert  der  Arbeit  entsprechenden ­
  Einfluß  auf  die  Wirtschaftsführung  der  Betriebe  zu
erhalten.
Aber  ein  wertvolles  Moment  hat  der  Gedankenaustausch  zwischen
Arbeiterschaft  und  Industrie  ergeben,  und  das  ist  das  beiderseitige ­
  Bekenntnis,  daß  nur  eine  neue  Wirtschaftsform,
die  die  höchste  Ausnutzung  der  Produktionsmittel  im
gemeinwirtschaftlichen  Interesse  durch  gemeinsame  Arbeit ­
  sicherstellt,  die  moralische  Rechtfertigung  für  Eingriffe ­
  in  die  bestehende  Rechtsordnung  in  sich  trägt.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.