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dritten, einer neuen Instanz, zufließen soll, so wird auch die Gleich
richtung der Interessen zwischen Kapital und Arbeit nicht erreicht.
Es erfolgt keine soziale Emanzipation des Arbeiters, sondern
er wechselt nur den Herrn, der bisher der Unternehmer war, und
erhält als Herrn eine Doppelinstanz: Kapital und Werkgenossen
schaft. Freiheit des Arbeiters, eines jeden einzelnen für sich, ist
aber das Grunderfordernis einer wirtschaftlichen Übertragung der
politischen Gleichberechtigung. Und hier wieder Verbureaukrati-
sieren und nur die Gesamtheit der Arbeiter als Miteigentümer der
Produktion zuzulassen, heißt, sie in dauernde Knechtschaft zu
verführen. Der patriarchalische Unternehmer ist sogar noch eine
gerechtere Instanz als die blinde Masse der Gesamtheit. Erzberger
bewährt sich deshalb mit seinem scheinbar sozialen Vorschläge als
ein täuschender Verführer der Arbeiterschaft. Sein Soli-
darismus ist, soweit er durchführbar ist, nicht sein eigenes
Produkt, und überhaupt kein Solidarismus soweit er sein eigenes
Produkt ist,eine unsoziale und ungerechte Lösung, die auch
keine Steigerung der Produktion zur Folge haben kann, weil es ein
Trugschluß ist, in einem Massensystem die Initiative des Arbeiters
zu wecken. Der sogenannte christliche Solidarismus ist deshalb
keine Lösung, die in ein aufbauendes Programm aufgenommen
werden darf. Es ist erfreulich, daß die Gewerkschaften, die die
sozialen Schwächen dieses Vorschlages erkennen, den Erzberger-
schen Gruppenkapitalismus ablehnen.
Abgesehen von dem Vorschläge des Landrats v. Dewitz, der,
wie bereits an anderer Stelle geschildert, ein Miteigentumsrecht
in Höhe der Aufzugskosten eines arbeitenden Menschen in die
Wirtschaft einführen will, gehen die meisten anderen Vorschläge
an der sozialen Lösung vorbei und beschäftigen sich nur mit einer
Gewinnbeteiligung der Arbeiter. Es handelt sich dabei um den
Vorschlag, den Arbeiter durch die Kleinaktie zum Kleinkapi
talisten zu machen oder um Überlassung eines Gewinnanteils an
Arbeitergenossenschaften. Während die Arbeitsaktie die Wert
einlage der Arbeit in die Volkswirtschaft repräsentiert, ist die
Kleinaktie eine gekaufte Kapitalaktie, nur mit dem Unterschied,
daß sie auf geringere Beträge, als nach dem Aktienrecht möglich
ist, lauten soll. Geheimrat Dr. Hugenberg begründet seinen Vor
schlag damit, daß „der Arbeiter durch seine eigene Arbeit zum
Mitunternehmer“ werden soll. Der Begriff Arbeit ist hier indessen
in einem anderen als dem gewöhnlichen Sinne verstanden, denn
Hugenberg meint kein Recht der Arbeit an sich, sondern will