Full text: Gleichberechtigung von Kapital und Arbeit

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mit leeren Händen der Arbeiterschaft gegenübertreten mußte, nicht 
den Mut finden konnte, zu erhöhter Arbeit aufzufordern. Die Er 
kenntnis dafür, daß irgend etwas geschehen muß, hat der Kanzler. 
Er drückte sich vorsichtig aus, daß die Nationalwirtschaft und die 
produktive Effektsteigerung planmäßig gefördert werden und alle 
Reibungsflächen beschleunigt beseitigt werden müssen. Aber wie 
das geschehen soll, dafür weiß die Regierung kein Mittel. 
Es steht fest, daß die Reparationen aufgebracht werden müssen, 
es steht auch fest, daß selbst, wenn eine Revision des Friedens die 
Herabsetzung auch der Reparationslasten mit sich bringen sollte, 
noch immer die deutsche Produktion vor ungeheuren Auf 
gaben steht. Wir wollen uns nicht verschweigen, daß ohne 
wesentliche Erhöhung der deutschen Produktion die Reparations 
leistungen zum Ruin der deutschen Wirtschaft führen müssen. Ohne 
Erhöhung der Produktion können die Lasten nur getilgt werden 
durch Einschränkungen und Entbehrungen in der Lebens 
haltung, die sich auf die Dauer schwer an der deutschen Volks 
gesundheit und der Arbeitskraft der einzelnen rächen müssen. Des 
halb müßte es das erste Bestreben der Regierung sein, die Produk 
tion ohne Überanspannung der Arbeiterschaft zu fördern und mit 
Normalisierung und Typisierung ist es da nicht getan. 
Die individuellen geistigen Kräfte aber eines großen Volkskreises, 
der meisten nicht selbständigen Arbeiter und Angestellten, liegen 
brach. Wie soll man sie auch wecken, wenn es nur gilt, zum Nutzen 
anderer oder für Steuern zu arbeiten. Der arbeitende Mensch hat 
ohnehin kein leichtes Dasein und Not und Sorgen lähmen mit 
Naturnotwendigkeit nicht nur die Arbeitsfreudigkeit, sondern auch 
die notwendige Pflichterfüllung. Die politische Freiheit, die man 
jedem Menschen in Deutschland verfassungsmäßig zugebilligt hat, 
ist nur ein Schein, solange sie nicht auch wirtschaftlich besteht. 
Die politische Freiheit von heute, wie sie die Revolution geschaffen 
hat, ist im Gegenteil nur eine Ablenkung von der Arbeit und ein 
unproduktiver Verbrauch von Kräften, der wirtschaftliche Kämpfe 
zur Folge haben kann. Die „Unternehmerprofite*" werden 
immer mehr und mehr, je weiter sie sich den entwerteten Geld 
verhältnissen anpassen, ein Agitationsmittel zur Verhetzung 
der Arbeiterschaft. Diese hat ein Recht, zu verlangen, daß die 
Erträge ihrer Arbeit nicht anderen zugute kommen, und aus diesem 
Grunde sind die gegenwärtigen sich immer aufs neue wiederholen 
den Lohnkämpfe berechtigt. Der Anteil der Arbeiterschaft an den 
Unternehmerprofiten gemäß ihren Leistungen, den Werten, die sie 
Piechottka, Gleichberechtigung von Kapital und Arbeit. 4
	        
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