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fließenden direkten Steuern werden kann und werden muß. Ich
will gleich vorwegnehmen, daß es sich bei der Durchführung der
Steueraktie nicht um eine Beteiligung des Reiches an den Betrieben
als neue Steuer handelt, sondern mehr um eine Umschichtung der
ohnehin vorhandenen und ohnehin hinzukommenden Steuern in
einer neuen wesentlich vereinfachten Erhebungsform.
In erster Linie gründet sich das Recht des Reiches auf eine Be
teiligung und Mitwirkung im Produktionsprozeß auf das unbe
streitbare Recht der Allgemeinheit, die Einzelglieder zusammen
zufassen und miteinander zu gegenseitiger Ergänzung zu verbinden.
Naturgemäß haben sich bisher bereits die Wirtschaftsbetriebe
eines jeden Landes aufeinander eingestellt gehabt, so entstand
der Zusammenhang, den man mit dem Begriff Volkswirtschaft
zusammenfaßte. Angebot und Nachfrage, die normalen Regu
latoren im Wirtschaftsleben, regelten die Produktion, darüber
hinaus hat aber seit jeher der Staat einen zusammenfassenden
und zusammenhaltenden Einfluß ausgeübt. Immer weiter hat
sich dann die regulierende Macht des Staates entwickelt, ungesund
gesteigert in der Organisation der Kriegswirtschaft, besonders
gefahrvoll durch die Organisation vom grünen Tisch ohne ein enges
Zusammengehörigkeitsgefühl mit dem Wirtschaftskörper. Das
mußte in eine schwere Hemmung ausarten und so kam von selbst
die Sprengung der Fesseln, der Zusammenbruch der staatlichen
Zwangswirtschaft. Etwas anderes ist es aber mit der volkswirt
schaftlichen Zusammenfassung, die in jedem Fall notwendig ist,
und die auch tatsächlich aus innerer Naturnotwendigkeit heraus
besteht. Die größtmögliche Sparsamkeit in der Verwendung der
volkswirtschaftlichen Kräfte zwingt dazu, daß die Allgemeinheit
ein Interesse hat, alle Wirtschaftsglieder in einen Rahmen
zu spannen, Reibungen untereinander auszugleichen und die
Energieen in eine Richtung zum gemeinsamen Wohle zu bringen.
Aus dieser unverstandenen Notwendigkeit heraus erklären sich
alle die Strömungen zur Überführung der gesamten Wirtschaft
in staatliche Organisation, erklären sich alle Sozialisierungsten
denzen, die gerade deshalb nicht überwunden worden sind und
ein so zähes Leben haben, weil ein richtiger Gedanke der notwen
digen staatlichen Überorganisation in ihnen steckt. Nur die
Richtung der Ausführung ist falsch, denn um eine staatliche Über
organisation zu schaffen, ist es absolut nicht notwendig, die ge
samte Wirtschaft in den Staatsbetrieb zu überführen; im Gegen
teil würde dem Staat aus diesem Danaergeschenk selbst das größte