fullscreen: Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit (Bd. 1)

Das „a priori“ und seine Geschichte, 
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Form der Newtonischen Wissenschaft Kritik zu üben, oder über 
irgend eines ihrer Ergebnisse hinauszuschreiten, So beruht dies 
auf einer Verkennung ihrer fundamentalsten Unterscheidungen. 
Wenn man ihr mögliche Wandlungen des Gravitationsgesetzes 
als einen Beweis dafür vorhält, dass der Grund ihres systematischen 
Aufbaus wankend zu werden droht, so schiebt man damit das all- 
gemeinste Resultat der Newtonischen Physik an die Stelle der 
Prinzi pienlehre seiner „Naturphilosophie“.?) Das Gesetz der 
umgekehrt quadratischen Abnahme der Anziehung ist ein empi- 
Frisches Naturgesetz, das unter der Annahme der strikten Geltung 
der Keplerschen Induktionen entdeckt und formuliert worden ist. 
Mit den abstrakten Voraussetzungen der Mechanik — die allein den 
Gegenstand der philosophischen Untersuchung bilden — mit dem 
Beharrungsprinzip, wie mit dem Satz der Gleichheit von Wirkung 
und Gegenwirkung, ist es daher noch keineswegs gesetzt, noch ver- 
mögen andererseits die Veränderungen, die es etwa eingehen mag, 
das Schicksal dieser Voraussetzungen zu bestimmen. Das gleiche 
Verhältnis aber, das zwischen diesen Prinzipien und den beson- 
deren Gesetzen des Geschehens obwaltet, tritt uns in der Beziehung, 
die zwischen den allgemeinen logischen Fu nktionen des Ur- 
teils und der Gegenstandserkenntnis und einem bestimmten ge- 
schichtlichen Inbegriff mathematisch-physikalischer Grundbegriffe 
herrscht, von neuem entgegen. Dieser Inbegriff mag sich wandeln 
und hat sich seit Newton gewandelt: es bleibt dennoch die Frage 
zurück, ob nicht auch in dem neuen Gehalt, der jetzt heraustritt, Jene 
allgemeinsten Beziehungen, auf die allein die kritische Analyse ihren 
Blick gerichtet hielt, nur unter einer anderen konkreten Gestalt und 
Hülle sich darstellen. Ob irgend eine „Erfahrung“ die Grundsätze 
der Substanz und der Ursächlichkeit entbehren kann, ob eine ex- 
akte Forschung möglich ist, die nicht, unter irgend einer Ausdrucks- 
form, den Gedanken der funktionellen Abhän gigkeit zwischen 
Erscheinungen oder die Annahme einer quantitativen Kon- 
stanz im Wechsel des Geschehens enthielte: diesem Problem brau- 
chen wir an dieser Stelle noch nicht näher nachzugehen. Nur dies 
fragen wir für jetzt, ob nicht der Begriff der Wissenschaftsge- 
schichte selbst, der hier der transscendentalen Methode entgegen- 
gesetzt wird, jene Erhaltung einer allgemeinen jogischen 
Struktur in aller Aufeinanderfolge besonderer Begriffssysteme
	        
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