Einleitung.
„Festlegung der Forschung an einen geschichtlichen Zustand bestimmter
Einzeldisziplinen“ übt zugleich — wie man einwendet —
eine hemmende Tendenz aus: eine Festigung der Vernunft durch
ihre Arbeit kann nicht erfolgen, ohne dass sie zugleich „eine Befestigung
an ihrer Arbeit und damit ein Hindernis des Fortschritts
zu neuer Arbeit wäre“.!) Ist diese Folgerung richtig, so sehen
wir uns damit zugleich jedes sicheren Halts und jedes Maassstabes
philosophischer Beurteilung beraubt. Denn es ist vergeblich, uns,
nachdem man uns die Orientierung an dem Inhalt der rationalen
Wissenschaft versagt hat, an die Geschichte der geistigen
Kultur als die eigentliche Realität zu verweisen. Solange die Vernunift
in sich selbst noch nicht ihre Festigkeit und ihre Selbstgewissheit
gefunden hat, bleibt ihr auch die Geschichte nur ein
wirres und widerspruchsvolles Chaos. Es bedarf bestimmter sachlicher
Prinzipien der Beurteilung, es bedarf fester Gesichtspunkte
der Auswahl und Formung, damit die historischen Erscheinungen,
die für sich allein stumm sind, uns zu einer lebendigen und
sinnvollen Einheit werden. Wenn irgendwo, so wird es in der
Geistesgeschichte deutlich, dass ihr Inhalt und ‚Zusammenhang
nicht gegeben, sondern von uns auf Grund der Einzeltatsachen
erst zu erschaffen ist: sie ist nur das, was wir kraft gedanklicher
Synthesen aus ihr machen. Worin aber sollten wir den inhaltlichen
Grund dieser Synthesen selbst suchen, wenn wir uns des
Halts an der Wissenschaft und an ihrem gegenwärtigen Bestand
begeben müssten? Dass wir in ihr immer nur einen relativen
Stützpunkt finden, dass wir somit die Kategorien, unter
denen wir den geschichtlichen Prozess betrachten, selbst veränderlich
und wandlungsfähig erhalten müssen, ist freilich richtig: aber
diese Art der Relativität bezeichnet nicht die Schranke, sondern
das eigentliche Leben der Erkenntnis. Die inhaltliche Analyse
des Tatbestands der rationalen Wissenschaften und die Verfolgung
ihres allmählichen Werdens erhellen und bedingen sich
nunmehr wechselseitig. Man wird in der geschichtlichen „Arbeitswelt“
der Kultur nicht heimisch, wenn man sich nicht zuvor
mit dem sachlichen Interesse an den Prinzipien und Problemen
der gegenwärtigen Forschung erfüllt hat,
Wird indess der „transscendentalen Methode“, auf Grund der
Aufgabe, die sie sich stellt, das Recht bestritten. an der bestimmten