fullscreen : Die Schweiz

162  I.  Buch  B  III:  K.  Oldenberg,  Wirtschaft,  Bedarf  u.  Konsum.

§  1«

würden.  In  ersterer  Hinsicht  kann  selbst  bei  vollständiger  Ueberwälzung  eines  Kostenzusclilags
  auf  den  Konsumenten  doch  eine  eigentümliche  Verschiebung  eintreten,
wie  beispielsweise  Lichtenfeit  für  Bonn  nachzuweisen  versucht  hat,  daß  die  Steigerung ­
  des  Getreidepreises  nur  auf  den  Preis  des  Luxusbrots  überwälzt  wurde,
während  die  Preise  von  Roggen-  und  Graubrot  sanken.  Oder  es  kann,  namentlich
bei  günstigen  Abwanderungschancen,  der  lohnarbeitende  Konsument  die  Steuer
auf  seinen  Arbeitgeber  weiterwälzen.  Zur  Beantwortung  der  zweiten  Frage  war
man  über  die  allgemeinen  Wahrheiten  des  Engelschen  und  Schwabeschen  Gesetzes
bis  vor  kurzem  nicht  wesentlich  hinausgekommen,  bis  im  Jahre  1895  F.  J.  N  e  umann
 1 )  für  76  Haushaltungsbudgets  (aus  den  Jahren  1872—90)  die  Belastung
mit  Reichsverbrauchssteuern  ausrechnete.  1908  hat  sein  Schüler  G  e  r  1  o  f  f  2 )
eine  ähnliche  Berechnung  für  180  Haushaltungsbudgets  gemacht,  die  den  Jahren
1899  ff.  angehören.  Später  sind  sie  von  ihm  auf  die  neuen  Steuersätze  von  1906
und  1909  umgerechnet  worden  3 ).  Trotz  mancher  Bedenken,  die  die  Kritik 4  * )  gegen
die  Zuverlässigkeit  des  Materials  und  die  Sorgfalt  seiner  Verarbeitung  geltend  gemacht ­
  hat,  ermöglicht  auch  Gerloffs  Arbeit  doch  einen  sehr  schätzbaren  Einblick.
Die  Belastung  beträgt  bei  einem  Einkommen  von

weniger  als  800  M.
800—1200  M.
1200—2000  M.
2000—4000  M.
4000—10  000  M.
über  10  000  M.

nach  Neumann
%
4,51—7,28
3,69—5,11
2,72—3,75
1,67—2,11
1,45—1,79
0,83—0,86

nach  Gerloff  6 )
%
3.56—  5,06  (6,71)
3.56—  4,96  (6,64)
2,76—3,72  (5,88)
1,70—2,34  (2,58)
0,95—1,30  (2,14)

In  Gerloffs  Berechnung  setzt  sich  die  Belastungsziffer  aus  folgenden  Posten
zusammen:  Steuerbelastung  des  Einkommens  in  Prozenten  6  * ):

Salz  Petroleum  Fett,  Schmalz  Fleisch  ’)  Brotgetreide

Arme

0,33

0,44

0,07—0,14

Unbemittelte

0,31

0,39

0,07—0,14

Wenig  Bemittelte

0,15

0,32

0,05—0,10

Bemittelte

0,07

0,28

0,03—0,06

Wohlhabende

0,03

0,07

0,02—0,04

(0,17)  0,08—0,16  (0,50)  1,14—2,28  (3,26)
(0,17)  0,12—0,24 8 )  (0,72)  1,07—2,14  (2,90)
(0,12)  0,13—0,26  (0,83)  0,80—1,60  (2,47)
(0,07)  0,10—0,20  (0,59)  0,52—1,05  (1,46)
(0,04)  0,09—0,18  (0,56)  0,25—0,50  (0,73)

Zucker

Kaffee  Tabak

Bier  Branntwein

Arme
Unbemittelte
Wenig  Bemittelte
Bemittelte
Wohlhabende

0,59—0,88  (0,59)
0,43—0,61  (0,43)
0,40—0,51  (0,40)
0,25—0,33  (0,25)
0,16—0,24  (0,16)

0,55  (0,78)  0,15  (0,19)  0,22  (0,88)
0,70  (1,05).  0,26  (0,33)  0,25  (1,00)
0,46  (0,63)  0,17  (0,40)  0,32  (1,28)
0,18  (0,27)  0,15  (0,31)  0,14  (0,56)
0,14  (0,20)  0,09  (0,34)  0,11(0,44)

0,07  (0,10)
0,06  (0,09)’
0,09  (0.13)
0,08  (0,12)
0,08  (0,12)

Die  Spannung  zwischen  Mindest-  und  Höchstsatz  der  Belastung  kommt  im  wesentlichen ­
  dadurch  heraus,  daß  bei  einigen  Artikeln  wie  Brot  mit  der  Möglichkeit
einer  nur  halben  Ueberwälzung  des  Zolls  gerechnet  wird.  In  diesem  Betrage  wird
4 )  Zur  Gemeindesteuerreform  in  Deutschland,  S.  255  f.  Vgl.  Neumann,  Die  persönlichen ­
  Steuern  vom  Einkommen  (1896),  S.  44  f.
2 )  Verbrauch  und  Verbrauchsbelastung  kleiner  und  mittlerer  Einkommen  in  Deutschland ­
  um  die  Wende  des  19.  Jahrhunderts.  Jahrbücher  für  Nationalökonomie,  Bd.  35,  S.  1  ff.
und  S.  145  ff.
3 )  Handwörterbuch  der  Staatswissenschaften  VI 3 ,  144.
4 )  So  Krüger  in  der  Zeitschrift  für  die  gesamte  Staatswissenschaft  1910  und  1911.
Feig  S.  823.
6 )  In  Parenthese:  Höchstbelastung  nach  dem  Tarife  von  1909.
*)  In  Parenthese  die  Höchstsätze  nach  dem  Tarif  von  1909.  Da  die  Verbrauchszahlen
unter  der  Voraussetzung  des  alten  Tarifs  zugrunde  gelegt  sind,  haben  diese  Ziffern  nur  eine
fiktive,  aber  gerade  für  die  Frage  der  Konsumablenkung  interessante  Bedeutung.
’)  In  der  ersten  Tabelle  ist  der  Fleischzoll  nicht  berücksichtigt,  weil  bei  Neumann  dieser
Posten  fehlt.
*)  Nach  Krüger  berichtigt.
            
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