Full text: Übervölkertes Land

Die Bevölkerungsverhiiltnisse der Erde 
n 
seitig bedrängten. Das älteste uns bekannte derartige Beispiel ist 
wobl jenes Babylons. Dessen Geschichte können wir, allerdings 
nur mehr in Andeutungen, bis zum Jahre 3800 v. Ohr. ver 
folgen. Babylonien war einst ein dicht bevölkertes, reich kulti 
viertes Land. Die Sage behauptet, daß nach dem Turmbau zu 
Babel Sprachenverwirrung eingetreten sei und die Völker sich 
getrennt hätten. 
Modern ausgedrüokt heißt dies wohl, daß die verschiedenen 
dort zusammengepferchten Nationen keinen Raum mehr hatten 
und sich teils in gegenseitigen Kämpfen aufrieben, teils aus- 
wanderten. 
Heute ist das einst so reiche Gebiet verödet. 
Mit zunehmender Zivilisation sind allerdings die Hemmnisse 
der Volksvermehrung (Kriege, Seuchen) immer unwirksamer und 
die Bevölkerungszunahme ist immer stärker geworden. So hat 
die Erde heute eine Bevölkerungszahl erreicht, bei der sich fort 
schreitende Vermehrung, gar wenn sie eine Verdopplung ist, 
äußerst schnell fühlbar macht. 
Doch lassen wir nunmehr die Zukunftssorgen und kehren 
wir zur Gegenwart zurück. 
Zunächst müssen wir festzustellen trachten, was man beim 
heutigen Zustande als Übervölkerung zu betrachten hat. 
Eine große Dichtigkeit der Bevölkerung ist im allgemeinen 
bei sehr großer Fruchtbarkeit des Landes, Reichtum desselben 
an Erzen und fossilen Brennstoffen, einfachen Bedürfnissen der 
Bewohner (Java), intensiver Bodenwirtschaft (China, Lombardei), 
hoher Entwicklung des Verkehrswesens und der Industrie, bei 
vorteilhafter Gestaltung der Bodenoberfläche und günstiger Ver 
teilung von Wasser und Land (England, Belgien, Sachsen) usw. 
möglich. Sie kann auch entstehen, ohne daß das Gebiet, auf dem 
sie sich befindet, ausreichende Nahrungsmittel für die Menschen 
zu liefern vermag, sei es, daß ihnen Industrie und Handel ge 
nügend Erwerb verschaffen, oder daß ihnen Kolonialländer mit 
oder ohne Vergeltung die nötigen Mittel liefern (Verzehrung von 
in den Kolonien erworbenen Vermögen, Tribute), oder daß ihnen 
das Ausland Zins zu zahlen hat. Es kann aber auch eine sehr 
dichte Bevölkerung die Folge von leichtfertiger Eheschließung 
und Kinderzeugung sein. Fehlt es in einem solchen Falle an
	        
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