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Die Malthusichre
Man wird bei der Beurteilung solcher Vorschläge nicht außer
acht lassen dürfen, daß sie gerade bei jenem Teil der Bevölke
rung unwirksam sind, von denen die eigentliche Volksvermehrung
ausgeht.
Wie .dem auch sei — jedenfalls gilt, daß, während diese
und andere Folgerungen, die Malthus für die praktische Politik
aus seiner Lehre gezogen hat, zweifelhaft sein mögen, die Haupt
züge der Malthusschen Bevölkerungslehre mit den nötigen Ver
besserungen, wie sie Psychologie und Statistik an die Hand geben,
auch heute ziemlich allgemein anerkannt sind.
Daß sich die Bevölkerung Europas rascher vermehrt hat, als
die Lebensmittelerzeugung des Weltteils , znnahm, haben wir be
reits besprochen. Vom Standpunkte Europas ist also der Malthüs-
Satz richtig, und wir haben allen Grund, zu glauben, daß er bei
weiterer Bevölkerungszunahme sich immer zutreffender erweisen
werde. Auch für China, Indien und Japan stimmt er, also, kurz
gesagt, für alle Ubervölkerungsgebiete.
Wenn wir aber die Totalität der Erde ins Auge fassen, die eben
noch nicht übervölkert ist, dann sahen wir bereits, daß ihr heu
tiger Bevölkerungszustand die Menge der erzeugten Lebensmittel
nicht überschreitet. Sonst hätten wir längst die Anzeichen einer
Welthungersnot merken müssen, während doch der Zufluß aus
anderen Erdteilen nach Europa ein überaus reichlicher war, so
lange es nicht von der finanziellen Kalamität der Nachkriegszeit
erfaßt war. Die Hungersnöte in China und Indien erklären sich
durch mangelhafte Zivilisation, insbesondere mangelhaften Ver
kehr und mangelnde Kaufkraft. Wenn diese Faktoren behoben
wären, würde es keinem Zweifel unterliegen, daß deren Notstand
durch Zuschub von außen behebbar wäre.
Wenn eine internationale Organisation bestände, die dafür
sorgt, daß solchen Äbgangsgebieten das Nötige geliefert werde,
könnte die Erde ihre heutige und eine noch viel größere Be-
völkernngszahl ertragen. Allerdings gilt dies, wie wir auf Seite 10
besprachen, nur mehr für einige Jahrhunderte. Denn für dicht
bevölkerte Gebiete hat sich der Malthus-Satz, daß die Bevölkerung
rascher zunimmt als die Nahrungsmittel, wahr erwiesen. Es gibt
also eine Grenze, über die die Bevölkerung nicht wachsen darf,
ohne Mangel zu leiden. Bei dem heutigen Kulturgrade Europas