Full text : Übervölkertes Land

I

Innere  Kolonisation

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wünscht,  nur  dann  mit  Beruhigung  entgegensehen,  wenn  er  Aussicht ­
  hat,  seine  Produktion  im  gleichen  Maße  zu  steigern,  als  die
Bevölkerung  zunimmt.  Auf  die  Frage,  ob  dies  in  der  Praxis
möglich  ist,  läuft  also  schließlich  die  ganze  Bevölkerungstheorie
hinaus.
Im  vollen  Umfange  wird  diese  Frage  für  Europa,  das  längst
nicht  mehr  autark  ist,  nicht  zu  bejahen  sein.  Wenn  wir  uns
aber  an  die  Darlegungen  Professor  Delbrücks  erinnern,  werden
wir  geneigt  sein,  immerhin  eine  sehr  wesentliche  Vermehrung
der  europäischen  Produktion  für  erreichbar  zu  halten.
Die  innere  Kolonisation  der  Staaten  Europas  kann  also  das
Schicksal  des  Erdteiles  noch  sehr  wesentlich  erleichtern  und  für
jenen  Menschenzuwaehs,  der  trotz  aller  theoretischen  Warnungen
nicht  ausbleiben  wird,  noch  auf  einige  Zeit  versorgen.
Wir  beabsichtigen  hier  nicht,  auf  die  einzelnen  Zweige  der
Innenkolonisation,  deren  Besprechung  weit  über  den  Rahmen
dieser  Studie  hinausgehen  würde,  näher  einzugehen.  Nur  kurz
andeuten  wollen  wir,  wie  groß  ihr  Arbeitsgebiet  ist,  indem  wir
einige  der  wichtigsten  Themen  aufzählen.
Zunächst  wollen  wir  darauf  hinweisen,  wie  ungleich  die
Hektarerträge  in  den  Staaten  Europas  sind.  So  ernteten  z.  B.
Belgien  und  die  Niederlande  auf  einem  Hektar  doppelt  soviel
Körnerfrüchte  als  Frankreich  und  das  frühere  Österreich-Ungarn
und  über  ein  Viertel  mehr  als  Deutschland.  Der  Zusammenhang
zwischen  dichter  Besiedlung  und  fortgeschrittener  Landwirtschaft
ist  hier  ganz  unverkennbar.  Die  Notwendigkeit  hat  eben  dazu
geführt,  Bearbeitungsmethoden  anzuwenden,  die  Höchsterträge
bringen.  Weniger  besiedelte  Länder  haben  sich  mit  der  Sache
offenbar  nicht  so  intensiv  beschäftigt.
Auch  das  Verhältnis  der  Ackerfläche  zur  Gesamtfläche  des
Staates  ist  nicht  überall  in  Europa  gleich.  Wir  bringen  darüber
später  einige  Zahlen  und  wollen  jetzt  nur  bemerken,  daß  selbst
Deutschland  trotz  seiner  vorgeschrittenen  Bodenkultur  noch
36.850  &m 2  Ödland  hat,  das  ist  2Y 2 mal  soviel  Fläche,  als  das
alte  Königreich  Sachsen  hatte.  Es  ist  dies  zum  größten  Teile
Moorland,  das  noch  der  Kultivierung  harrt,  trotzdem  im  vergangenen ­
  Jahrhundert  schon  große  Strecken  urbar  gemacht
wurden.
            
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