Full text : Übervölkertes Land

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Schlußbetrachtung

wie  durch  innere,  durch  europäische  und  durch  Weltkolonisation ­
  die  Produktion  gehoben,  durch  großzügige  Auswanderung ­
  aus  den  übervölkerten  Gebieten  der  Ausgleich  der
Bevölkerungsdichte  eingeleitet  werden  könnte.
Wiederholt  betonten  wir,  daß  diese  Menschheitsfragen  nicht
durch  den  Einzelstaat,  auch  nicht  durch  ein  europäisches  Forum
allein,  sondern  nur  durch  internationale  Zusammenarbeit  aller
Kulturvölker  der  Erde  gelöst  werden  können.
Dieser  Gedanke  ist  bekanntlich  durchaus  nicht  neu.  Das
Emporbltihen  der  Weltwirtschaft  wurde  vielmehr  vor  dem  Kriege
vielfach  durch  internationale  Vereinigungen  gefördert.  Wir  erinnern ­
  diesbezüglich  nur  an  den  Weltpostverein,  dasinternationale
Bureau  der  Telegraphenverwaltungen,  das  Institut  für  internationales ­
  Recht,  die  internationale  Union  zum  Schutze  des  gewerblichen ­
  und  literarischen  Eigentums  usw.
Die  Notwendigkeit,  bei  der  Liquidierung  des  Weltkrieges
die  Stimmen  aller  daran  Interessierten  zu  hören,  ließ  den  »Völkerbund« ­
  entstehen.  Er  stellt  heute,  allerdings  in  sehr  beschränktem
Umfang  und  mit  fraglicher  Wirkung,  eine  Art  Weltregierung  dar.
Inwieweit  er  sieh  bewähren  wird,  ob  er  überhaupt  von  Dauer
sein  wird  und  ob  ihm  die  Durchführung  oder  wenigstens  die
Anbahnung  einer  Lösung  der  in  dieser  Studie  aufgeworfenen
Menschheitsfragen  zugemutet  werden  kann,  ist  eine  offene  Frage.
Die  Erinnerung  an  die  nach  den  Napoleonischen  Kriegen
entstandene  »heilige  Allianz«,  die  ähnliche,  wenn  auch  viel  einfachere ­
  Aufgaben,  aber  trotzdem  kurzen  Bestand  hatte,  gibt  nicht
viel  Hoffnung.
Die  Erkenntnis,  daß  dauernde  internationale  Zusammenarbeit
nötig  ist,  hat  eine  ganze  Reihe  von  privaten  Vereinen  und  Gesellschaften ­
  entstehen  lassen,  die  eine  mehr  oder  minder  erfolgreiche ­
  Tätigkeit  entfalten.  —
Wie  dem  auch  sei  —  jedenfalls  ist  der  Gedanke  internationaler
Zusammenarbeit  auf  dem  Marsche.  Ob  er  praktische  Erfolge
zeitigen  wird,  ist  eine  Menschheitsfrage  von  ernstester  Bedeutung
und  hängt  vor  allem  von  dem  Geist  ab,  in  dem  er  angepackt  wird.
Solange  Haß  und  Vergewaltigung  die  erste  Geige  spielen,
ist  an  nützliche  Resultate  nicht  zu  denken.  Abbau  des  Hasses
und  gegenseitiges  Verstehenlernen  sind  das  erste  Erfordernis.
            
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