Object: Probleme der Wirtschaftsgeschichte

212 IV. Über Theorien der wirtschaftlichen Entwicklung der Völker, 
sogleich daran, daß das Bier zwar nicht dieselbe kommerzielle 
Wichtigkeit wie der Wein hat), aber oft doch auch einen weiten 
Weg macht. Die Braunschweiger Mumme ist in Skandinavien 
bekannt. Wenn das Grutbier nicht Gegenstand des Fernhandels 
war, so um so mehr das Hopfenbier; es hat seinen Beitrag zum 
Vordringen der Hanse geleistet. Wir nennen ferner mancher 
lei Waldprodukte, Holz, Pottasche, Teer, Pech?). Eine große 
Rolle spielte gerade im Mittelalter der Wachshandel. Für sehr 
viele Städte war es ganz unvermeidlich, ihre Steinhäuser und 
Kirchen mit Materialien, die von weither bezogen wurden, zu 
bauen. Das Getreide erwähnt Bücher nicht, weil die Städte 
danach strebten, das, was in ihrer Nachbarschaft produziert 
wurde, ihren Konsumenten zu sichern?). Allein erstens ließ die- 
selbe Gemeinde, die den nahegesessenen Bauer zum Besuch 
ihres Marktes zu zwingen suchte, in entfernteren Gegenden 
ihre Kaufleute frei schalten. Zweitens haben, von lettterem ganz 
abgesehen, die Städte jene Ziele zwar meistens erreicht und 
damit den interlokalen Getreidehandel wesentlich eingeschräntt, 
Gesschichtsbl. 1915, S. 376 ff.; H. Bächtold, Der norddeutsche Handel 
im 12. und beginnenden 13. Jahrh. S. 314; Kuske, Handelsbezie- 
hungen zwischen Köln und Italien, Westd. Zeitschr. 27, S. 393 ff. 
1) Über die weiten Wege des Weinhandels s. E. Bender, Wein- 
handel u. Wirtsgewerbe im mittelalterl. Straßburg (1914) S. 4 f. 
' 2) Schäfer S. 187. S. auch Stieda, Revaler Zollbücher, Ein- 
outs UM rres;::::::33 Überblict von Schmoller, Die 
Epochen der Getreidehandelsverfassung und -politik. Umrisse und 
Untersuchungen S. 628 fs. und von Lexis, Artikel Getreidehandel, 
Handwörterbuch der Staatswissenschaften. Vgl. auch Max Weber, 
Zeitschrift für das gesamte Handelsrecht 37, 269. Offenbar im An- 
schluß an Bücher hat ein Schüler Sombarts, Borgius, im Archiv für 
soziale Geseßgebung 13 (1899), 43 den Umfang der mittelalterlichen 
Stadtwirtschaft zu eng geschildert. Mit seinem allgemeinen Sate, 
daß „die Stadtwirtschaft auf dem Grundsat der wirtschaftlichen Selbst- 
erhaltung des isolierten Stadtgebietes basiert“, kann man sich ja 
im allgemeinen einverstanden erklären. Aber wunderlich ist es, wenn 
er als Beweis hinzufügt: „Die Zerealien erzeugt der innerhalb des 
thus (!) ansässige Bauer." Ist Borgius der Begriff des Weich-
	        
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