Full text : Untersuchungen über das Versicherungswesen in Deutschland

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II.  öffentliche  Versicherung.

verjähren  —  nach  Abzug  von  Ersatzforderungen,  die  die  Versicherungsträger
  unter  bestimmten  Umständen  gegenüber  Krankenkassen  und  Unfallberufsgenossenschasten
  haben  —  Ende  1910  die  Summe  von  153  Mill.  Mk.
erreicht.  Im  Jahre  1897  wurden  10  564  Versicherte  (oder  9  von  je
10  000  Versicherten  überhaupt)  dem  Heilverfahren  unterworien  und  Kosten
von  2  Mill.  Mk.  oder  1,6  °/o  der  Beitragseinnahmen  dafür  aufgewendet;
1910  erstreckte  sich  die  Heilfürsorge  dagegen  auf  114  310  Personen  (oder
etwa  76  von  je  10  000  Versicherten),  und  sie  erforderte  nach  Abzug  der
von  Krankenkassen  und  anderen  eingezogenen  Ersatzleistungen  21  Mill.  Mk.
oder  11  °/o  der  Beitragseinnahmen.  Der  wirkliche  Wert  dieser  Präventivtätigkeit ­
  und  besonders  der  damit  verbundenen  planmäßigen  Bekämpfung ­
  aller  Volks  kr  ankheiten  ist  an  den  geldlichen  Aufwendungen ­
  der  Versicherungsträger  schwer  zu  ermessen.  Gründliche  und
erfolgreiche  Heilkuren  bedeuten  für  den  einzelnen  Versicherten  die  Wiederherstellung ­
  seines  größten  Kapitals,  seiner  Arbeitsfähigkeit,  und  wiegen
in  ihrer  wirtschaftlichen  Bedeutung  viel  schwerer  als  der  Geldwert  der  Ausgaben. ­
  Auch  das  nationale  Wirtschaftsleben  gewinnt  durch  die  planmäßige ­
  Hebung  des  Gesundheitszustandes  und  die  Verhütung  allzu  früher
Invalidität  unmittelbar  greifbare  Vorteile.  Allerdings  ist  dabei  Voraussetzung, ­
  daß  die  Heilverfahren  angemessene  Dauererfolge  zeitigen.
Was  diese  Erfolge  anlangt,  so  sind  (nach  der  Festschrift  des  Reichsversicherungsamts) ­
  1909  von  den  Lungentuberkulösen  83  %  und  von
anderen  Kranken  84  °/o  als  erwerbsfähig  aus  der  Behandlung  entlassen
worden.  Freilich  sind  das  zunächst  nur  die  Anfangserfolge.  Aber
auch  sie  sind  von  Jahr  zu  Jahr  gestiegen,  im  Gesamtdurchschnitt  der
letzten  13  Jahre  betrug  der  Anfangsersolg  bei  Lungentubcrkulösen  nur
76  o/o  (1897  nur  68  %).  Die  wiederholte  spätere  Nachuntersuchung  hat
gelehrt,  daß  in  vielen  Fällen  der  Heilerfolg  wieder  verloren  gegangen
ist;  immerhin  ist  hier  aber  doch  im  Durchschnitt  in  37%  der  Fälle  ein
dauernder  Enderfolg  festgestellt  worden.  Bei  den  anderen  Krankheiten
verblieb  bei  regelmäßiger  Nachprüfung  schließlich  ein  Durchschnittserfolg
von  42  o/o.  Es  sind  das  doch  Erfolge,  die  das  weitere  Vorgehen  auf
diesem  Gebiete  auch  wirtschaftlich  durchaus  rechtfertigen,  solange  nur
bei  der  Auswahl  der  Behandlungsfälle  und  bei  der  Durchführung  der
Behandlung  —  die  größtenteils  in  eigenen  Heilanstalten  erfolgt  —  auch
das  ökonomische  Prinzip  weiter  beachtet  wird.
Erwähnt  mag  werden,  daß  die  im  Jahre  1910  durchgeführten  Heilverfahren ­
  im  ganzen  26,9  Mill.  Mk-  Kosten  verursacht  haben,  wovon
rund  2  Mill.  Mk.  als  Angehörigenunterstützung  (künftig  „Hausgeld"
            
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