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angesichts der unsicheren Lage das Wagnis großer Bestände mch f
sich nehmen. Anderseits erschwerte auch der Umschwung m en
Zahlungsbedingungen, der Übergang vom Kredit zur Barzahlung, dem
Handel die Aufnahme größerer Warenmengen. Der. Handel lebte
gewissermaßen von der Hand in den Mund. Geringfügige Störungen
in der Fabrikation und Erschwerungen im Verkehr konnten in ein
zelnen Orten zeitweise Zuckerknappheit hervorrufen. Die Ersetzung
der zum Heeresdienste einberufenen geschulten Kräfte der Fabriken
durch ungeschulte Hilfskräfte, vielfach auch der Mangel an einzelnen
Materialien und an Gespannen verzögerte in den Siedereien die Ver
brauchszuckererzeugung. Truppenverschiebungen und Anfuhr von
Kriegsmaterial an die Front nahmen den größten Teil des rollenden
Materials und der Verkehrslinien in Anspruch und verhinderten bie'
rechtzeitige Zufuhr von Zucker nach einzelnen Teilen des Reiches oft
auf längere Zeitdauer. Der steigende Zuckerbedarf zur Herstellung
von Süßigkeiten und Aufstrichmitteln nahm gerade in dieser Zeit
große Zuckermengen in Anspruch, die dadurch dem Handel und dem
unmittelbaren Verbrauche entzogen wurden.
Die Folgen der gegen Ende April sich zeigenden Unruhe auf dem
Zuckermarkte waren gesteigerte Nachfrage von seiten der Verbraucher
und des Handels und ein Anziehen der Groß- und Kleinhandelspreise.
Die Entwicklung der Preise und besonders die sprunghafte Steigerung
seit April zeigt die umstehende Tabelle, die Jakobs unter Benutzung
amtlichen Materials und eigener Ermittlungen erstellt hat.
Daß der Rückgang der Zuckcrrüben-Anbaufläche die Erwartungen
derer übertreffen würde, die ihn mit allen Mitteln fördern zu müssen
geglaubt hatten, stand damals schon ziemlich fest; man hatte also mit
einer wesentlich geringeren Erzeugung im nächsten Bctriebsjahre zu
rechnen. Die gesteigerte Nachfrage nach Zucker infolge der mannig
faltigen Verwendungsartcn, die steigenden Preise und der mit Be
stimmtheit zu erwartende Rückgang in der Erzeugung eröffneten für
das Betricbsjahr 1915/16 günstige Aussichten auf Verwertung des
Zuckers zu besser lohnenden Preisen, als sie im laufenden Betriebsjahre
möglich gewesen war. An Stelle des bisherigen Bestrebens nach
einer schnelleren Verwertung der Bestände trat bei Fabriken und beim
Handel das Bestreben der Sammlung und Erhaltung großer Bestände
zur günstigen Verwertung im neuen Betriebsjahre.
Diesen veränderten Umständen hatte die Reichsregierung
bei der Regelung des Zuckerverkehrs im Zeitabschnitt vom Mai bis
November 1915 Rechnung zu tragen. Die von ihr in diesem Zeit
raume getroffenen Maßnahmen erstreckten sich danach auf eine Er
höhung des zum steuerpflichtigen Jnlandsverbrauche abzulassenden