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uns sichere Garantie bietet für gewissenhafte Untersuchungen unserer
Gerbmaterialien, Fette usw., ohne die wir Praktiker nicht mehr rationell
weiter arbeiten können, durch das die junge Gerberschaft herangezogen
werden kann für eine vernünftige Beurteilung der Fragen, welche uns
Gerbern vorliegen. Wo der wissenschaftlich nicht genügend vorgebildete
Gerber wenigstens empirisch so die Untersuchungen lernen kann, wie sie
für eine vernünftige Handhabung seines Gewerbes nötig sind. Dieses
Laboratorium soll gewissermaßen eine Erziehungsschule für eine künftige
Gerbergeneration sein, ihr Gewerbe von Anfang an von einem anderen
als dem rein empirischen Standpunkt aufzufassen. Die alten Gerber
sollen aber auch successive dahin geführt werden, den Wert der Wissen
schaft für unser Gewerbe zu erkennen" *). Dieses aus Vereinsmittelu
gegründete Berliner Laboratorium ging später in Privatbesitz über, und
1890 entstand neben ihm ein zweites öffentliches chemisches Laboratorium
in Stuttgart.
Auch typische Unterrichtsanstalten entstanden aus dem Bedürfnis
der Gerber durch diese; am 1. Mai 1889 wurde die von der Loh
gerberinnung zu Leipzig und vom Verbände sächsischer Lederproduzenten
gegründete Deutsche Gerberschule zu Freiberg in Sachsen eröffnet. Neben
regelmäßigen Beiträgen von einer Anzahl von Privatpersonen, Firmen
und gerberischeu Vereinigungen erhält sie Unterstützungen von der Stadt
Freiberg, vom kgl. preußischen Handelsministerium und vom kgl. sächsi
schen Ministerium des Innern. Die Anstalt wurde fortwährend ver
größert und erweitert. Eine Lehrwerkstätte für das Gerbereigewerbe
besteht in Metzingen, veranlaßt insbesondere durch die württembergischeu
Gewerbevereine. Die Anstalt untersteht der kgl. württembergischeu
Zentralstelle für Gewerbe und Handel in Stuttgart und wird auch
von dieser unterhalten. Endlich wurde 1897 in Freiberg in Sachsen
noch die deutsche Versuchsanstalt für Lederindustrie eröffnet. Neben
Gutachten und kurzen Kursen dient sie hauptsächlich der wissenschaft
lichen Forschung und der experimentellen Prüfung neuer Verfahren.
Die Weißgerberei tritt in allen diesen Anstalten völlig zurück.
Ein zweites Mittel der Propaganda sind die Ausstellungen. Ich
habe früher eine Stelle aus dem amtlichen Bericht über die Londoner
Weltausstellung 1851 angeführt, aber der Staat beschränkte sich da
mals lediglich auf eine Ermahnung. Zu einer Spezialausstellung der
Lederindustrie kam es 1878 aus Veranlassung der beteiligten Kreise,
aber von weittragender Bedeutung war auch diese nicht.
Eine Hauptrolle für die Verbreitung gerberischen Wissens spielen
heute die Zeitschriften, welche die Industrie mit einem Strom frucht-
>) Maschke 1906, S. 3.