Object: Finanzwissenschaft

© 4. Buch. V. Teil. Die Steuern. 
Gemeinde, in der Glaubensgenossenschaft, mehr weniger in gesell- 
schaftlichen Vereinigungen, wo die höheren ethischen Interessen 
gegen die Anwendung der Ethik des Marktes Protest einlegen. 
Denn bei all diesen Gebilden handelt es sich nicht darum, was z. B. 
die Familie für mich tut, sondern daß den ethischen Forderungen 
gemäß die Familie, die Kirche, gewisse höhere soziale Formen 
existieren müssen, und jeder dem betreffenden Verbande Angehörige 
hat die Pflicht, mit seiner ganzen Kraft die Existenz derselben zu 
ermöglichen. Hieraus folgt aber, daß jeder nach seiner Leistungs- 
fähigkeit, nach seiner Tragfähigkeit zu den Lasten des Staates bei- 
tragen muß. 
Einzig und allein die Proportionalität der Steuerlast nach der 
Leistungsfähigkeit kann als das Prinzip anerkannt werden, welches 
der höheren ethischen Natur und dem sozialen Charakter des Staates 
entspricht. Die Besteuerung bildet gewissermaßen einen speziellen 
Fall der Preisbildung: auch auf dem Gebiet der Preisbildung, bei 
den höheren Leistungen des geistigen, künstlerischen Lebens. sehen 
wir, daß die Zahlungsfähigkeit einen bedeutenden Einfluß ausübt 
(schriftstellerische, ärztliche Honorare usw.). Eine andere Frage ist 
es freilich, mit welcher Genauigkeit dieses Prinzip anzuwenden ist, 
mit Rücksicht auf die schwere und heikle Natur der Messung der 
Leistungsfähigkeit *). 
3. Opferprinzip. Die Proportionalität und Gerechtigkeit 
der Lastenverteilung verwirklicht demnach die Besteuerung nach 
der Leistungsfähigkeit. Kine weitere Folge des Prinzipes der Be- 
steuerung nach der- Leistungsfähigkeit ist das Prinzip der Ver- 
hältnismäßigkeit des Opfers. Es unterliegt nämlich keinem Zweifel, 
daß je größer die Steuerkraft (Einkommen, Vermögen), desto größer 
auch die Leistungsfähigkeit ist und zwar steigert sich dieselbe nicht 
einfach in dem Maße der Zunahme der Steuerkraft, sondern in 
höherem Maße. Wenn daher: z. B.. die Leistungsfähigkeit eines 
Einkommens von 2000 Mark 20 Mark ist, dann wird die Leistungs- 
fähigkeit eines zehnfachen Einkommens mehr als zehnfach sein. 
Wer mit 2000 Mark seine Bedürfnisse zu befriedigen hat, wird den 
Abgang von 20 Mark schwerer empfinden, als derjenige, der 
20000 Mark Einkommen besitzt, 200 Mark; denn. der KErstere hat 
noch kein einziges Bedürfnis befriedigt, das leicht zu unterdrücken 
wäre, während bei einem Einkommen von 20000 Mark viele Aus- 
gaben schon den Charakter des bloßen Luxus haben. Das Prinzip 
1) Die Berücksichtigung der Leistungsfähigkeit hat sich früh geltend ge- 
macht, siehe diesbezüglich ein Schreiben des Stefan Buday von Szatmär vom 
28. April 1704 (Törteuelmi Tär, Historisches Archiv, Budapest 2. Heft S. 280). 
239
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.