Full text: Die Bodenreform im Lichte des humanistischen Sozialismus

72 
Die Bodenreform im Lichte des Freihandels. 
Es gilt nur, die Aufmerksamkeit der Yolksfreunde, der 
Idealisten und Optimisten auf den Kern der sozialen Frage 
zu lenken und ihr Interesse für die friedliche Lösung der 
selben im Sinne des humanistischen Sozialismus zu wecken. 
Dessen aber sind wir gewiß, daß sich aus dem gebildeten 
Bürgertum in Zukunft große. Kreise für diese Ideen er 
wärmen werden, denn nichts bleibt zur Kettung aus der 
Not übrig, als dieser Anker, sollen sie anders nicht in den 
ödesten Pessimismus verfallen. Liegt doch auch zum Teil 
in einer Richtung mit uns die Reform, welcher unser treff 
licher und ideal gesinnter Kaiser zurzeit in Königsberg 
als grandlegend für eine Lösung der sozialen Wirren be 
zeichnet hat, da er sagte: die Lösung der sozialen Frage 
habe zum Ausgange eine Reform der bäuerlichen und grund- 
besitzlichen Verhältnisse. Wie lange freilich es dauern 
mag, ehe in das leider ziemlich erschlaffte Bürgertum neues 
Leben, neuer Mut und neue Erkenntnis kommt, ehe es sich 
aufrafft, neuen Standarten zu folgen, weiß niemand zu 
sagen. Den demokratischen Sozialismus kann man nur 
vernichten, indem man der Fahne der Bodenreform folgt 
und die bisher vernachlässigten Gebote der Gerechtigkeit 
wieder in ihre Rechte einsetzt. 
Gerechtigkeit aber ist es nicht, wenn einzelne Boden 
reformer die Reform an krankhafte Auswüchse der kapita 
listischen Ordnung anknüpfen wollen, wenn sie die durch 
falsche Grundeigentumsgesetzgebung und Zölle in die Höhe 
getriebene „Monopolgrundrente“ nicht allein konservieren,, 
sondern noch weiter in die Höhe treiben lassen wollen. 
Sie sind in dem Irrtume befangen, der sich durch die Aus 
führungen der ganzen klassischen Nationalökonomie, die 
auf der Voraussetzung des privaten Grundeigentums in 
seiner absoluten Gestalt basieren, zieht, daß die fortdauernde 
Steigerung der Grundrente etwas der Grundrente Immanentes 
sei. So stehen die Lehrsätze Ricardos zum Teil auf solcher
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.