Full text: Vieh und Fleisch in der deutschen Kriegswirtschaft

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erscheinung jeder Rationierung, leider 'unterstützt von zahlreichen 
Bemittelten und von manchen größeren Betrieben. Er stellt sich stets 
als Hinterziehung'am Gute der Allgemeinheit dar und kann nur ver 
mieden werden, wenn schon beim Erzeuger die Erfassung der Bestände 
so restlos wie möglich durch die Behörde erfolgt, wozu vor allem die 
Verordnung vom 2. Mai 1917 über die genauere Kontrolle der 
Hausschlachtungen das ihre mithelfen soll. Die Kommunalvcrbände 
müssen ihre Aufgabe darin erblicken, dem Schleichhandel mit 
Fleischwaren wie mit lebendem Vieh nachzugehen, soll nicht mehr 
und mehr von der behördlichen Rationierung abbröckeln und schließlich 
sogar durch Schlachtungen ohne behördliche Fleischbeschau schwerste 
Gefahr des Ausbruchs schwerer Krankheiten für die Allgemeinheit 
^Tuberkulose, Trichinose usw.) entstehen. In diesem Sinne sind 
auch vernünftig ausgeführte Kontrollen der Bahnhofsfrachtgüter eine 
durchaus nötige und mit Unrecht getadelte Maßregel, solange sie sich 
nicht auf jeden wohlerworbenen Reise-Mundvorrat erstrecken. 
Schließlich ist noch die Überwachung der flcischpolizeilichcn Vor 
schriften der G a st - und Schau kwirtschaften als polizei 
liche Aufgabe zu erwähnen. Sie erstreckt sich auf die Einhaltung der 
Vorschriften über die Kartcnpslicht und über die fleisch- und fettlosen 
Tage. So oft es hier an der nötigen Kontrolle gefehlt hat, haben sich 
aus dem natürlichen Wettbewerb der Wirte Übelstände ergeben, die 
Anreiz zum Erwerb unkontrollierter Mengen ans dem Schleichhandel 
boten. 
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Die Übersicht über die Entwicklung der Fleischversorgung in 
den Kommunen zeigt einen weiten und dornenvollen Weg, der von 
schärfster Kritik, wie alle kriegswirtschaftlichen Maßnahmen, die den 
Magen des Einzelnen angehen, begleitet war. Sie führt aber auch 
den Beweis, daß in noch nicht einjähriger Arbeit schließlich im ganzen 
Reiche ein Bau aufgeführt worden ist, der in der Schwierigkeit und 
Mannigfaltigkeit seiner Aufgaben die Brotversorgung erheblich über 
ragt und trotz alledem heute so befriedigend arbeitet, wie es die ver 
fügbaren und nicht beliebig vermehrbare» Viehbestände, die ihrerseits 
wieder der pflanzlichen Ernte und dem menschlichen Bedarf 
hieraus angepaßt werden müssen, überhaupt zulassen. Die Mitarbeit 
der Kommunalverbände hat auch hier eine blanke Waffe im Aus 
hungerungskriege gegen unsere erbarmungslosen Feinde schmieden 
helfen.
	        
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