Erwachen einer Kulturkritik 109
befinden sich unter ihnen nicht wenige, die sich bereits einen
internationalen Namen gemacht haben. Sie haben auch wohl
noch nicht genügend Berührung miteinander, wenngleich
mehrere Zeitschriften, namentlich die von Mencken und
Nathan herausgegebenen mutigen Revuen, zuerst der „Smart
Set‘, dann der „American Mercury‘ ihnen jetzt ein Sprach-
rohr geben, das schon ziemlich weit, wenn auch erst nur
von wenigen gehört wird. Ein hoher Mut wird in der Tat
gerade in Amerika von jedem gefordert, der sich zu den
Anschauungen der Allgemeinheit in Opposition begibt, und
die meisten haben ihn durch Verfemung, Verfolgung und
selbst durch Gefängnisstrafe büßen müssen; es ist daher ver-
ständlich, aber auch kennzeichnend, daß manche es vorziehen,
sich hinter Anonymität oder Pseudonymität zu verbergen.
Andere Indizien dafür, daß auf geistigem Gebiet sich Neues
zu regen beginnt, ist die Verlagerung des geistigen Schwer-
punkts aus dem Nordosten, der Wiege und dem bisher alleini-
gen Träger höheren Geisteslebens, heraus, so daß man etwa
Chicago schon den literarischen Krater von Amerika hat
nennen können 159, ferner eine gewisse Lösung von der gei-
stigen Bevormundung durch England, die sich in direkter
Übernahme kontinental-europäischer Literatur dokumentiert,
und ein lebhafter werdendes Interesse an rein wissenschaft-
licher Forschung.
Als den ersten großen Erfolg konnten die Führer jener
Bewegung wohl den Riesenabsatz buchen, den Sinclair Lewis
mit seinem Buche „Main street“ gewann und der ihn mit