Metadata: Volkswirtschaftspolitik (2.1902)

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Schon 2000 Jahre vor Chr. hat es in Aegypten neben gewerblich 
ausgebildeten Sklaven freie, selbständige Handwerker gegeben, Die 
Weber z. B. werden als leibeigen aufgeführt, als frei dagegen Barbiere, 
Waffen- und Goldschmiede, Steinmetzen, Maurer, Bildhauer, Bal- 
samierer. Im homerischen Zeitalter gab es neben dem Stande der 
Bauern und dem der Musiker, Tänzer und Gaukler, dann einen dritten 
Stand der Handwerker. Gleiches deutet die hebräische Ueberlieferung 
an. Die ältesten Handwerker sind die Metallarbeiter, sowohl die Schmiede 
wie die Erzgiesser. Dann folgen die Thonarbeiter, die Zimmerleute, 
die sämtlich in Griechenland in die früheste Zeit zurückreichen, 
Zur Zeit des Perikles spielten neben den gewerblich thätigen 
Sklaven freie Handwerker eine nicht zu unterschätzende Rolle. Sie ge- 
hörten allerdings zu der unteren Klasse. Barbaren wie Griechen blick- 
ten mit Geringschätzung auf die Handwerker, wie Herodot sagt. Aber 
in Korinth werden sie am wenigsten verachtet, wo sie auch für den 
Export arbeiteten und zu erheblichem Wohlstande gelangt waren. Als 
freie Arbeiter sind Schuster, Schneider, Barbiere, Salbenhändler, Wurst- 
händler, dann die Bauarbeiter zu erwähnen, ausserdem Färber, Erz- 
und Goldgiesser, Elfenbeinarbeiter, Maler, Sticker, Graveure, Seiler, 
Leineweber, Lederarbeiter etc., woraus sich ergiebt, welche grosse Ver- 
schiedenartigkeit der selbständigen Arbeit schon damals vorlag. Dieser 
Gewerbebetrieb ging nicht nur im kleinen Massstabe vor sich, son- 
dern es gab auch grössere Unternehmungen, die wohl hauptsächlich mit 
Sklaven ausgeführt wurden und besonders für das Ausland Waaren lie- 
ferten, wie die Waffenschmiede. 
Vor der Völkerwanderung hat es auf deutschem Beden Gewerbe 
noch nicht gegeben, wenn man darunter versteht die stoffveredelnde 
Arbeit behufs Verkauf, also unter Ausbildung der Arbeitsteilung 
während natürlich für den eigenen Hausbedarf schon sehr verschieden- 
artige Arbeiten im Hause selbst vorgenommen wurden, um den immer- 
hin mannigfaltigen Bedürfnissen genügen zu können. Bücher hat 
vollständig recht, dass derartige stoffveredelnde Thätigkeit schon früher 
da ist, als der landwirtschaftliche Betrieb, denn derselbe setzt eben 
Werkzeuge mancherlei Art voraus, um den Boden zu bearbeiten, was 
bereits eine Ausbildung der Geschicklichkeit in der Herstellung mannig- 
faltiger Hülfsmittel bedingt. 
Wie dann das Christentum uns von dem Süden als Träger 
der geistigen Kultur zugekommen ist, so waren €8 auch die Ueber- 
bringer desselben, welche die ersten Fortschritte wirtschaftlicher Kultur 
hier einbürgerten. Die Mönche sind es gewesen, welche aus Italien 
mit mancherlei neuen Gebräuchen und Bedürfnissen auch die Kennt- 
nisse importierten, hierfür Befriedigung zu schaffen und die mensch- 
liche Arbeitskraft mit den verschiedensten Hülfsmitteln auszustatten, 
In den von ihnen gegründeten Klöstern bildeten sich Werk- 
stätten aus, in denen die mannigfaltigsten Gegenstände angefertigt 
wurden. Zuerst übernahmen die Mönche sclbst die betreffende 
Handwerksthätigkeit, dann lernten sie Eingeborene an, die sie als 
Arbeiter heranzogen. Von den Klöstern übertrugen sich diese Fertig- 
keiten zuerst auf die Sitze der geistlichen und weltlichen Fürsten, dann 
auf die kleineren Fronhöfe, wo die hörigen Arbeiter zu bestimmtem 
Handwerk anvehalten wurden, um all’ das anzufertigen, was die Herren 
Zriechenland. 
Mittelalter.
	        
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