Full text: Geburtenrückgang u. Sozialreform

194 Hige, Geburtenrüdgang und Soztalreform 
neuermorbenen Gebiete, die Wiederanknüpfung der Beziehungen zum 
Ausland, die friedlihe Eroberung neuer Märkte und Wiedergewinnung 
ber alten, die finanzielle Neufundamentierung unjerer VBolfswirtichaft 
zugleich mit Aufbringung der gewaltigen Zinjen und Laften infolge des 
langandauernden Krieges und der Verpflichtungen gegen unjere Kriegs 
invaliden und Hinterbliebenen, fomwie der NMeugeftaltung von Heer und 
Marine — alle3 das find Anforderungen jo gewaltiger Art, daß fie gewiß 
jeden Übereifer des Sozialpolitifers zu dämpfen vermögen. Das darf ihn 
aber nicht hindern, auch auf die neuen Gefahren und Forderungen der 
Beit, wie fie fi feinem Auge baritellen, mit allem Nachdruck hinzuweifen 
und mieder und wieder zu mahhen, neben den wirtjhHaftlihen Aufgaben 
zuc der Sozialpolitik und neben der Gegenwart auch der Zukunft unjeres 
Rolkes nicht zu vergeffen. Das war gerade das Erhebende und Große 
in unferer Beit, Daß wir mitten in den Schreden des Krieges, in voller 
Anfpannung unferer Kräfte für Jeinen Dienft, dodh immer noch Mittel und 
Beit fanden, die TFriedenzaufgaben weiter zu pflegen, ja, Hohe ideale Yurf» 
gaben der Wirfenjhaft, Der Technik, der Wohlfahrtspflege ujmw. neu wie 
im tiefjiten Frieden aufzugreifen oder weiterzuführen. Diefer unert[höpf- 
lien fittlichen Kraft und Elaftizität unferes deutfhen Volkes, die auch in 
allen Nöten und Demütigungen durchhielt und in ftiller Arbeit fann und 
ichaffte, Haben wir die Herrliche Auferjtehung der großen Befreiungskriege 
zu verdanken. Und diefer Geilt muß auch Heute lebendig erhalten bleiben. 
Sewiß, nationalökonomijche Zweifel und Berechnungen follen ihr Recht 
haben, aber nur, um fie zu überwinden, um die Kräfte zu fteigern, nicht aber 
um die Hände verzweifelt in den Schoß zu legen oder doch jeder hHerzhaften 
Tat zu entfagen. Sie follen zur Erwägung fommen, aber fie dürfen nicht 
den Lebenzmut und den Willen zum Leben ertöten. Der Wille zum 
Qebenaber bekundet und betätigt [ich beieiner Na- 
tion in ChefdHlieBung und SGeburtenvermehrung, 
während der Nücgang derjelben den wirtfhaftliden und nationalen Zod 
bedeutet. Much für die Nation gilt, was für die einzelnen gilt: wenn Jüng- 
fing und SJungfran auf die Pflichten, die Verantwortung und Schwierig- 
teiten der Gründung einer Familie Hingewiefen und fo den {türmijdhen 
Sugendphantafien Zügel angelegt werden, fo ijt das gewiß berechtigt und 
aut, aber wenn nur der rehnende Philijter fie in die Lehre nimmt und 
nen ftets vorhält, was Che und Kinder fojten, wieviel wirtfHaftlide® 
Unheil dem Familienvater in allen Qebenjtadien drohen kann, wie weit 
jorgenlofer der Junggefelle und die alte Sungfer leben ufw., dann wird 
das Sefchlecht bald ausiterben. So foll auch der Nationalökonom fich feiner 
Verantwortung bewußt bleiben: daß er zum wirfligHen Erzieher des Bolkes 
zu Saft und FortjHritt wird, aber nidt — den PHhilifterfinn großzieht. 
Das {ft ja gewiß die bequemite Qöfung der wirtfchaftlichen Schwierigkeiten :
	        
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