Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

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Neuntes Buch. Viertes Kapitel. 
IV. 
Im Jahre 1220 hatte Friedrich Deutschland unter dem 
Regiment seines soeben zuͤm deutschen König gewählten Sohnes 
Heinrich, Herzogs von Schwaben, zurückgelassen. Da Heinrich 
noch unmündig war, so wurde ihm eine Anzahl von Beratern 
in verschiedener Funktion zur Seite gestellt. Seine persönliche 
Erziehung leitete neben zwei Reichsministerialen der Hofkanzler 
Konrad, Bischof von Speier; Schwaben kam unter die Ver— 
waltung des Schenken Konrad von Winterstetten und des 
Truchsessen Eberhard von Waldburg, zweier hervorragender 
Dienstmannen; Reichsverweser (Gubernator) wurde der energische 
Erzbischof Engelbert von Köln. Es war ein Versuch, neben 
der Ministerialität vor allem die Pfaffenfürsten an die Regierung 
des Landes zu bringen; zugleich sollte durch die Wahl Engelberts 
wohl der Niederrhein dem staufischen Interesse gewonnen werden: 
das alles ganz in Konsequenz der bisherigen deutschen Politik 
Friedrichs, wie sie im Einverständnis mit dem Papste betrieben 
worden war. 
Es fragte sich nur, wie diese Ordnung sich dann bewähren 
würde, wenn der Kaiser in Gegensatz zur Kurie geriete; ein 
Fall, der, wie wir wissen, alsbald nach dem Jahr 1220 
einzutreten begann. Würden dann die Pfaffenfürsten, seit 
Innocenz III. so mannigfach an die Kurie gebunden, seit dem 
großen Privilegium vom Jahre 1220 als Landesherren vom 
Reiche unabhängiger als je, in Treue zum Kaiser stehen? Und 
würde dann Engelbert, der große niederrheinische Kirchenfürst, 
die englischen Neigungen seines Landes dauernd zu Gunsten des 
staufischen Reichsgedankens unterdrücken können — ein Wage— 
stück, das selbst einem Philipp von Heinsberg in den besten 
Jahren Friedrichs J. nicht mehr geglückt war? 
Schwierigkeiten in der ersten Richtung ergaben sich sehr 
hald im Verhältnis des Reiches zu Dänemark. Es ist schon 
bemerkt worden und wird später genauer erzählt werden?, daß 
S. oben S. 259 und unten S. 392 ff.
	        
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