Sehr zweckmäßig ist die Übertragung der Bilanzzahlen in
ein Diagramm 1 ) (S. 208). Die graphische Darstellung der Bilanzen
mehrerer Jahre läßt die Wechselbeziehungen und -Wirkungen
der einzelnen Bilanzposten rascher und deutlicher erkennen.
Die graphische Methode wird u. E. zu Unrecht sehr vernachlässigt,
sie sollte sich nicht nur auf die Bilanzkritik erstrecken.
Die Unternehmung tut gut, auch andere für sie besonders wertvolle
Zahlenverhältnisse fortlaufend bildlich darzustellen, wie
es beispielsweise in industriellen Großbetrieben, in Warenhäusern,
Bankgeschäften üblich ist, wo beispielsweise Umsatz,
Löhne, Materialkosten und Generalia, oder Einkauf und Verkauf
der einzelnen Abteilungen und deren Kosten, oder Darlehnssummen,
ihr Verhältnis zu den Kapitalanlagen und den Schulden
fortlaufend graphisch dargestellt werden. (
Die beste Schule für die Bilanzkritiker ist die Kritik der
eigenen Bilanz. Jeder Kaufmann soll lernen, zuerst die B. seiner
eigenen Unternehmung zu verstehen, soll diese zunächst kritisieren,
wofür er die berufenste Persönlichkeit ist, und dann erst
die Bilanzen fremder Unternehmungen.
c) Bilanzkritik im besonderen.
Für die Beurteilung einer B. und für das Bilanzlesen läßt
sich keine Rezeptsammlung geben. Neben allgemeinen Gesichtspunkten
sind die besonderen Verhältnisse und Umstände
des Betriebes und des Betriebsjahres zu berücksichtigen. Einige
allgemeine Bemerkungen für besondere Fälle seien hier noch
uachgetragen.
1. Kritik des Gläubigers. Die erste Frage des Gläubigers
bezieht sich auf die Sicherheit seiner Forderung; Wieviel freies,
Wieviel gebundenes Vermögen ist vorhanden, welche Teile des
Vermögens sind als Kreditunterlage bereits verpfändet, welchen
»Kreditwert“ besitzen die noch vorhandenen Teile des freien
Vermögens (Belastungsquote), z. B. bei Waren etwa 50—60 %
1 ) Lomnitz, Die systematische Bearbeitung der Veröffentlichungen von
Aktiengesellschaften, Le'pzig 1908, besonders S. 42ff., Stillich. Graphische
kurstabellen, I. Band, Biauerei-Aktien, Berlin 1911; Calmes, Die Statistik
im Fabrik- und Warenhandelsbetrieb, 3. Auf!., Leipzig 1918.
Leitner, Buchhaltung und Bilaiizkuride. IX. 6, u. 7. Aufl- 15
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