Industriebilanzen.
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stellen. Was durch Aufmachung der Bilanz, Änderungen in der
Anordnung der Bilanzposten verdeckt wird und im Geschäfts
bericht verschwiegen wird, ist nicht leicht zu ergründen. Die
Bilanzzahlen müssen gruppiert und die Bilanz schematisiert
werden.
4. Besonders geartet ist die
Kritik von Industriebilanzen.
Vom Interessenstandpunkt des Aktionärs bildet der Jahres
gewinn den Maßstab für die Beurteilung. Jahresgewinn, .Jahres
reingewinn und Bilanzgewinn, ordentliche und außerordentliche,
organische und anorganische Gewinne und Verluste sind, wie
erwähnt (vgl. 11. Absch.), auseinanderzuhalten. Umsatz und
Umsatzgewinn, Brutto- und Reingewinn, Betriebs-, Vertriebs
und Verwaltungskosten, Fabrikations- und Spekulationsgewinn,
Marktpreis für Rohstoffe und Ertrag bilden wichtige Verhältnis-
und Vergleichszahlen für die Beurteilung der Bilanzen indu
strieller Unternehmungen.
Der Betriebskoefßzient 1 ) gibt das Verhältnis zwischen Be
triebsausgaben und Roheinnahmen einer Wirtschaftsperiode.
Ein Betriebskoeffizient von a Prozent bedeutet, daß die Aus
gaben a Prozent der Roheinnahmen verzehren. Die Höhe dieser
Verhältniszahlen wechselt und ist deshalb alljährlich zu berech
nen 2 ). Ein hoher Betriebskoeffizient kann auf schlechte Wirt
schaft des Betriebes, schlechte Absatz- oder Betriebsorganisation,
R Tecklenburg, Der Betriebskoefflzient der Eisenbahnen und seine
Abhängigkeit von der Wirtschaftskonjunktur, Berlin 1911.
2 ) Aus dem bayerischen Haushaltsplan 1918/19’
Betriebskoeffizient
Verzinsung des
Anlagekapitals
in
Prozenten
in
Prozenten
1914
1915
1916
1914
| 1915
19r>
Reichsbahnen
96,52
82,71
78.58
0,39
2,15
3,23
Preußen
78,68
70,21
70,90
3,74
5,71
6,36
Bayern
74,25
69,68
68,57
3,36
3,78
4,30
Sachsen
84,33
76,72
77,79
2,37
3,35
3,50
Baden
75,73
71,40
68,33
2,90
3,46
4,37
Württemberg
78,13
69,69
66,88
2,17
3,14
3,95