Wie man den Geldbedarf nicht messen soll.
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sonstwie) vermehrt wird. Mit dem Gelde, das die Notenbanken fabrizieren
und durch Wechseldiskont in Umlauf sehen, vergrößern sie die Nachfrage
aus den Warenmärkten, und die vermehrte Nachfrage treibt naturgemäß die
preise hoch. Die Emissionsbanken bereiten also mit ihren Noten den Boden
für Differenzen a la hausse, denn sie treiben selbst die Preise hoch und erfüllen da
mit die einzige Bedingung des kaufmännischenprkvatwirtschaftlichenGeldbedarfes.
Je mehr Geld die Emissionsbanken und die Goldminen ausgeben,
desto größer wird die Nachfrage nach käuflichen Dingen, desto größer wird
auch die Differenz zwischen Eknstandpreis und Erlös, desto mehr wecken
sie die spekulative Kauflust, und desto mehr werden die Ban
ken um Geld bestürmt werden. Man kauft für 100 mit der Aussicht
(die die allgemeine Preistreiberei fast zur Sicherheit macht), das Gekaufte
vor Verfall des Wechsels über 100 zu verkaufen. Und da das Gewinn
bedürfnis keine Grenzen kennt und die Vergrößerung der Umsähe nur den
Gewinn vergrößern kann, so sucht jeder seine Umsätze zu vermehren, bis er
irgendwo an eine Grenze stößt, und das ist einfach die Grenze seines Kredites.
Die Emissionsbank kann also den Geldhunger mit ihren
Noten nur reizen und wecken, niemals kann sie ihn stillen.
Dieser Geldhunger ist etwas rein persönliches, aus privatwirtschafilichen Erwägungen und
Interessen entspringend, und ist darum scharf zu unterscheiden von dem volkswirtschaftlichen Geld-
bedarf, den die Mare darstellt.
Und daß diese Erscheinung nicht eine Eigentümlichkeit der Banknoten,
sondern vielmehr eine Begleiterscheinung des Geldes überhaupt, des Metall-
wie des Papiergeldes ist, können wir an folgender Annahme ermessen.
Setzen wir den Fall, die Nachricht verbreite sich plötzlich, es wäre irgendwo
in Asien unter der Eisdecke Sibiriens, unter den Sandhügeln Tibets ein
nettes Dorado entdeckt worden, das an Ausbeute alles Dagewesene in den
Schatten stellt. Nehmen wir an, diese Nachricht werde durch die Ankunft
einer Schiffsladtmg Gold auch bestätigt.
Würde eine solche Nachricht, die eine baldige und gewaltige Vermehrung
des Geldumlaufes in Aussicht stellt, die Gesuche um Wechseldiskont bei den
Emissionsbanken vermindern oder vermehren? Wären die Emissionsbanken
im Rechte mit ihrer Annahme, daß sie den Geldhunger mit mehr Geld
stillen können, so müßte man auch schließen, daß mit der Ankunft des sibirischen
Goldes der Geldhunger befriedigt, daß die Gesuche um Wechseldiskont sofort
nachlassen müßten. Und doch kann nur das Gegenteil eintreten.
Es ist klar, daß an dem Tage, wo die Nachricht von neuen, großen
Goldfunden sich bestätigt, jeder sofort mit einer neuen gewaltigen Hochkonjunktur
rechnen wird, daß sich bei allen, Groß und Klein, bei Kaufleuten, privaten,
Unternehmern, Spekulanten, Spielern und Rentnern eine lebhafte Kauflust
zeigen wird, daß jeder, um mit möglichst großen Beständen an der erwarteten
Hausse beteiligt zu sein, so viel an Waren, Vorräten, Aktien, Rohmaterial,
Grundstücken (mit alleiniger Ausnahme der festverzinslichen Papiere), kaufen
wird, wie es seine Barmittel und sein Kredit gestatten.
Es ist sonnenklar für alle, daß die erste Ladung Gold, die das neue Dorado
in der Münze abliefert, von einem kolossalen Andrang von Wechseln