Full text : Aktive Währungspolitik

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Wenn  die  Preise  steigen.

Fände  eine  scharfe  tägliche  Anpassung  des  Geldangebots  an  das
Warenangebot  statt,  so  daß  die  Preisschwankungen  der  Waren  unter  einander ­
  auf  das  von  den  natürlichen  Umständen  bedingte  Maß  (Voll-,  Mittelund ­
  Fehlernten,  Erfindungen,  Modewechsel  usw.)  beschränkt  blieben,  träten  zu
diesen  natürlichen  Preisschwankungen  nicht  noch  die  künstlichen,  viel  häufigeren
und  schwereren  Preisschwankungen  die  von  einem  veränderten  Verhältnis
zwischen  Geld-  und  Warenangebot,  herrühren,  so  würden  sich  mit  der  Zeit
die  Warenpreise  genügend  fest  dem  Volke  einprägen,  daß  der  Handel  einer
Kontrolle  unterworfen  wäreund  Jedermann  wüßte,  was  er  eigentlich  für  1  Dollar,
1  Mark,  1  Rubel  zu  fordern  hat.  Unter  der  Goldwährung  und  der  Mitwirkung ­
  der  Emissionsbanken  ist  der  Begriff  Dollar,  Schilling,  Mark  vollkommen ­
  verwildert,-  die  sogenannte  WertemhciV)  ist  durch  die  tolle  Anarchie,
die  die  Emissionsbanken  mit  ihrer  sinn-  und  ziellosen  Politik  hervorgerufen
haben,  zu  einer  Gallerte  geworden.  Es  ist  Niemand  da,  der  km  Stande
wäre,  die  Preise  von  nur  10  verschiedenen  Waren  genau  zu  nennen.
Ohne  Kenntnis  einer  Reihe  von  preisen  konkreter  Dinge,  namentlich
von  solchen,  die  man  zur  eigenen  Lebensführung  braucht,  ist  aber  die  Bedeutung ­
  irgend  einer  Geldsumme  schlechterdings  unbegreiflich.  Nur  wer  die
Geldsumme  kennt,  die  er  verausgabt,  und  seinen  Brei  mit  Bewußtsein  ißt,
hat  ein  Urteil  über  den  „Lytrischen  Wert  der  Güter"?)
Wohl  hat  der  Bürger  für  jede  Mark,  jeden  Dollar  und  Schilling  ein
haarscharf  auf  der  präzisionswage  abgewogenes  Gewicht  Gold  zu  fordern,
aber  das  Quantum  Tabak,  Bier  und  Wurst,  das  er  für  die  Mark  aus  dem
Markte  erwerben  kann,  das  mißt  ihm  die  Emissionsbank  nicht  einmal  auf
der  Viehwagc  zu.  Und  es  ist  doch  der  Tabak,  das  Bier,  die  Wurst,  es  ist
1)  Das  wäre  die  Menge  konkreter  Dinge,  die  man  für  eine  Mark  zu  erstehen  hofft.
2 )  Georg  Friedrich  Knapp  sagt:  »Lange  hat  es  mir  km  Innersten  widerstanden  anzuerkennen,
daß  die  nominale  Werteinheit  vollständig  ausreicht  für  Urteile  über  den  lytrischen  Wert  der  Güter.
Es  war  mein  Irrtum,  was  der  Irrtum  fast  aller  ist:  ich  glaubte,  Werturteile  kämen  nur  zu  Stande,
wenn  Güter  mit  Gütern  verglichen  werden.  Wie  einfach  und  anschaulich  würde  dadurch  der  ganze
Vorgang!  Wenn  aber  einmal  diese  Art  der  Beurteilung  eingebürgert  ist,  dann  ist  es  unnötig,
Gut  mit  Gut  zu  vergleichen,-  dann  können  Werturteile  über  ein  Gut  abgegeben  werden  unter
Benutzung  der  nominalen  nur  historisch  definierten  Werteinheit.  Wer  da  bezweifelt,  ob  das  wahr
ist,  den  verweise  ich  auf  die  geschichtliche  Entwicklung  deck  lytrischen  Verkehrs/  solche  Erscheinungen
wie  das  echte  Papiergeld  sind  wirklich/  sie  sind  aber  nur  unter  der  Annahme  nomineller  Werteinheit
  möglich/  also  ist  die  Romknalktät  der  Werteinhekt,  ebenso  erfahrungsmäßkg  gefestigt,  wie
die  Tatsachen  der  lytrischen  Rechtsgeschichte".  Staatliche  Theorie  des  Geldes,  S.  14  (Verlag
Duncker  &  Humblot,  Leipzig  1905.  (2ch  glaube,  Knapp  ist  über  den  Widerstand  in  seinem
Innersten  voreilig  hinweggeschritten/  denn  er,  der  keine  Preise,  keine  Waren  kennt,  der  es  fertig
bringt,  eine  staatliche  Theorie  des  Geldes  zu  bringen,  ohne,  wie  es  scheint,  überhaupt  an  Waren,
Preise,  Tauschmkttel,  Arbeitsteilung  zu  denken,  der  in  dem  Geld,  einschließlich  dem  echten  Papiergeld, ­
  kein  Gut,  keine  Ware  erblickt,  kann  unmöglich  ein  Urteil  haben,  über  den  lytrischen  Wert
der  Güter  (falls  darunter  Tauschverhältnks  der  Waren  gemeint  ist.  Etwas  anderes  kann  es  aber
nicht  sein,-  denn  es  gibt  kein  anderes  Verhältnis  der  Waren  untereinander).
Rur  wer  das  Tauschverhältnis  des  Geldes  zu  den  Waren,  also  Preise,  kennt,  hat  ein  Urteil ­
  über  den  lytrischen  Wert  der  Güter.  Die  Erscheinung  des  echten  Papiergeldes  widerspricht
nicht  der  Behauptung,  daß  Waren  nur  mit  Waren  verglichen  werden  können,  sondern  bekräftigt
diesen  Satz,-  denn  das  echte,  an  kein  Metall,  noch  besondere  Ware  gebundene  Papiergeld  vereinigt ­
  in  sich  alle  Merkmale  der  Ware,  trotz  setnempapierstoss.  (S.  Gesell:  »Die  natürliche  Wirtschaftsordnung ­
  durchFreiland  und  Freigeld",Artikel:  Warum  man  auspapier  Geld  machen  kann..)
            
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